Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Botschaft geht nur an das Administrator Team. Danke fürs Mitmachen, das zur Verbesserung des Systems oder der Inhalte beitragen kann. Ihre Nachricht (optional mit Ihrer E-Mail):
unbekannter Gast
vom 30.04.2019, aktuelle Version,

Marquard Herrgott

Marquard Herrgott auch Marquardt (* 9. Oktober 1694 in Freiburg im Breisgau; † 9. Oktober 1762 in Bad Krozingen) war ein Benediktinermönch, Priester, Diplomat und Historiker, Bibliothekar, Kaiserlicher Rat und Gesandter.

Leben

Franz Xaver Herrgott, der spätere Pater Marquard, entstammte einer Freiburger Bürgerfamilie, die eng mit dem Benediktinerkloster St. Blasien im Schwarzwald verbunden war. Herrgotts Onkel Johann Kaspar Brenzinger war mit einer Schwester des Abts Romanus Vogler verheiratet und war dessen Hofmaler. Herrgotts Vetter war der spätere Abt Franz Schächtelin. Ein anderer Vetter war als weltlicher Beamter für St. Blasien in Krozingen und Freiburg tätig. Pater Marquards Neffe Franz Kreutter schließlich sollte als Mönch von St. Blasien Großökonom der Abtei werden und als erster Geschichtsschreiber Vorderösterreichs hervortreten. Nach dem Studium in Straßburg, Freiburg und Porrentruy sowie einer Hauslehrertätigkeit in Paris trat Herrgott mit mittlerweile 20 Jahren in das Kloster St. Blasien ein. Nach dem einjährigen Noviziat legte er 1715 das Ordensgelübde ab. Er nahm dabei aus unbekannten Gründen den Ordensnamen Marquard an, vielleicht nach dem hl. Marquard von Porrentruy, einem Abt des 12. Jahrhunderts. Kloster St. Blasien ermöglichte Herrgott anschließend ein Studium am Collegium Germanicum in Rom. Vier Jahre blieb Herrgott in Rom, wo er 1718 die Priesterweihe erhielt. 1721 kehrte er in das Heimatkloster zurück, wo man in der Folgezeit sein Interesse für die Geschichtsforschung förderte, so durch eine Studienreise nach Wien und in das Kloster Melk. 1724 sandte ihn St. Blasien in das Kloster St.-Germain-des-Prés in Paris, dem führenden geistigen Zentrum des Benediktinerordens. St.-Germain-des-Prés gehörte der Kongregation des hl. Maurus an, deren Mitglieder sich der wissenschaftlichen Forschung vor allem auf dem Gebiet der Geschichte verpflichtet hatten. In St. Germain hatten Jean Mabillon, Bernard de Montfaucon und andere eine geschichtswissenschaftliche Quellenkunde entwickelt.

Von Pater Bernhard Pez in Kloster Melk, dessen Arbeit bereits von den Maurinern geprägt war, hatte Herrgott die Anregung erhalten, historische Kommentare zur Benediktsregel im Druck herauszugeben. Diese Editionsarbeit konnte Herrgott in Paris abschließen. 1726 erschien die "Vetus disciplina monastica", die erste gedruckte Sammlung der bislang nur handschriftlich überlieferten Kommentare zur Benediktsregel aus allen Klöstern Europas. Herrgotts Einleitung zu diesem Buch löste im Orden einen Skandal aus, da er sich darin für eine Lockerung der Gebets-, Fasten- und Arbeitsregeln des hl. Benedikts eingesetzt hatte – insbesondere für jene Mönche, die geisteswissenschaftlichen Studien nachgingen ... Das Missfallen über den Text veranlasste Herrgotts Rückberufung von Paris nach St. Blasien. Mit der Übernahme der Abtswürde durch Herrgotts Vetter Franz Schächtelin geriet der Skandal jedoch bald in Vergessenheit. Herrgott wurde Großkeller des Klosters, bis der Abt den weltläufigen und hochgebildeten Mönch in diplomatischer Mission an den Kaiserhof nach Wien sandte.

Von 1728 bis 1748 war er als diplomatischer Vertreter der Breisgauer Stände am kaiserlichen Hof in Wien. Dort begann Herrgott seine ausgiebigen Studien zur Geschichte des Hauses Habsburg, deren erste Früchte er 1737 als „Genealogiea diplomatica Augusta Gentis Habsburgicae“ veröffentlichte. Sein Hauptwerk ist das vierbändige Werk „Monumenta Augustae Domus Austriacae“, in dem die Siegel, Münzen, Bilder und Grabmäler des Hauses Habsburg systematisch erfasst, beschrieben und in Form von Kupferstichen abgebildet sind. Mehr als ein Drittel dieser Abbildungen stammt von Peter Mayer aus St. Blasien.[1] Der vierte und letzte Teil dieses Werks wurde, da 1769 vollständig verbrannt, neu gearbeitet von Martin Gerbert und 1772 veröffentlicht.

Gesandter in Wien

Im Jahre 1738 erschienen die erste Abteilung des Werkes, die Genealogie, dieselbe erregte großes Aufsehen und erntete vieles Lob, aber auch mancherlei scharfen Tadel. Jedenfalls war sie eine imponierende Erscheinung, schon durch die prächtige topographische Ausstattung und die Zierde mit zahlreichen Vignetten und Kupfertafeln, welche ihr zur bildlichen Erklärung beigegeben waren. Denn Herrgott hatte von Freiburg den Kupferstecher Peter Meyer mit nach Wien genommen. Kaiser Karl VI. war über die drei Folianten so erfreut, dass er den Verfasser nicht nur mit einer Medaille beschenkte, sondern ihn auch zu seinem Rat- und Historiographen ernannte. Während der Papst ihm für die Übersendung des Werkes in einem höchst schmeichelhaften Breve seine dankbare Anerkennung erstattete.[2] Die Herausgabe der letzten beiden Werke erfolgte unter seinem Schüler und Vertrauten Rustenus Heer. Das Werk war, wie fast alle diese Anstrengungen, gedacht zum Lob des Hauses Habsburg, das ja die Landeshoheit über das Kloster hatte, damit das Kloster weiterbestehen und sich weiter entwickeln könnte, dieses gelang dennoch nicht, wie sich dann später zeigte. Nach 20 Jahren Aufenthalt in Wien, wo er als Vertreter und des Prälatenstandes immer mehr ins Abseits geriet, beugte er seiner Entlassung durch einen diskreten Hinweis durch einen Minister unter Maria Theresia vor, und kehrt 1747 nach Krozingen zurück. Als ihm der Abt schriftlich zusicherte das er hier seinen Lebensabend verbringen dürfe, ließ er die Propstei (1578), die von Abt Kaspar II. (dem Nachfolger von Caspar Molitoris) stammte, durch den Baumeister Johann Caspar Bagnato umbauen. Die Räume bekamen Marmorkamine. Auch die Schlosskapelle (1608) die noch von Martin Meister I. erbaut war, ließ er neu ausstatten, mit Stuck, wahrscheinlich von Joseph Anton Feuchtmayer, und mit Fresken, die der Künstler Johann Anton Morath malte. Das Altarblatt malte vermutlich Johann Christian Wentzinger, während das Bild am Antependium von dem Freiburger Maler Simon Göser stammt. Auch den Garten liess er neu anlegen, er wollte keine »Ökonomie«: Ich fresse kein Gras und wird für das Vieh schon anderwärts welches beigeschafft werden. So ausgestattet lebte er recht konform. Hier widmete er sich bis zu seinem Tod der Herausgabe der Monumenta. Als Vertreter des Abtes war er weiterhin Präsident des Prälatenstandes. Er litt lange Jahre an Wassersucht, und entschlief zuletzt friedlich. Er wurde in der Schloßkapelle in Bad Krozingen beigesetzt.

Das Schloß Bad Krozingen und die Schloßkapelle ist in Privatbesitz. Im Schloß befindet sich die „Sammlung historischer Tasteninstrumente Fritz Neumeyer“. Es finden Konzerte statt.

Ehrungen

Joseph Bader vergleicht ihn und sein Werk mit dem seines Zeitgenossen und Besucher in Krozingen Johann Daniel Schöpflin, dieser erhielt höchste Ehrungen unter anderem durch eine Schrift Goethes, während Pater Marquardt praktisch unerwähnt und weitgehend unbekannt blieb.

Salpeterer

Marquard Herrgot war ein entschiedener Gegner der Salpeterer insbesondere waren seine Gegenspieler der Eggbauer und Josef Meyer genannt Glasmännle.

Werke

Buch aus der Klosterdruckerei Sankt Blasien, Marquard Herrgott und Rustenus Heer, Nummotheca principum Austriae, 2. Auflage St. Blasien, Band 2, Teil 1, 1789
  • Vetus disciplina monastica, seu Collectio auctorum Ordinis S. Benedicti maximam partem ineditorem [...], Paris 1726. Google Digitalisat
  • Instructio pro iis, qui annales S. Blasii scribere intendunt.
  • Origines San-Blasianae seu Annales inclyti et principalis ad S. Blasium in nigra sylva monasterii
  • Conceptus reformandi literarum studia in monasterio S. Blasii
  • Conspectus monastici Blasiani und Hercynia vetus
  • Genealogiae diplomatica Augusta Gentis Habsburgicae, Wien 1737. Tomus I und II. Cum tabulis aeri incisis XXV, (Folio) Google Digitalisat
  • Monumenta Augustae Domus Austriacae.
Tomus 1: Sigilla Vetera etc., Wien 1750. online (via ÖNB):
Tomus 2: Nummotheca Principium Austriae, 2 Bde., Freiburg 1752/1753. online (via ÖNB): Teil 1 Teil 2
Tomus 3: Pinacotheca Principium Austriae, 2 Bde., Freiburg 1760. online (via ÖNB): Teil 1 Teil 2
Tomus 4: Taphographia Principium Austriae, 2 Bde., (1769 vollständig verbrannt, neu gearbeitet von Martin Gerbert) Sankt Blasien 1772. online (via ÖNB): Teil 1 Teil 2

Literatur

  • Constantin von Wurzbach: Hergott, Franz Jacob. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 8. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1862, S. 365–368 (Digitalisat).
  • Joseph Bader: Das ehemalige Kloster St. Blasien auf dem Schwarzwalde und seine Gelehrten-Academie in: Freiburger Diöcesan Archiv, VIII. Band, 1874
  • Franz Xaver von Wegele: Herrgott, Marquard. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 12, Duncker & Humblot, Leipzig 1880, S. 212–214.
  • Max Neustädter: Der erste Salpetererkrieg von 1728 bis 1732 im Lichte der Tagebücher von Pater Marquard Herrgott, in: Badische Heimat 1932, S. 175–185
  • Josef Peter Ortner: Marquard Herrgott (1694–1762). Sein Leben und Wirken als Historiker und Diplomat. Böhlau, Wien u. a. 1972, ISBN 3-205-03226-8 (Veröffentlichungen der Kommission für Geschichte Österreichs. 5 = Schriften des DDr. Franz Josef Mayer-Gunthof-Fonds. 8)
  • Stefan Benz: Hofhistoriografie: Ernennung Marquard Herrgotts OSB zum kaiserlichen Rat und Historiografen 1736, in: Susanne Rau und Birgit Studt: Geschichte schreiben: ein Quellen- und Studienhandbuch zur Historiographie (ca. 1350–1750), Berlin 2010, S. 55–71
  • Franz Joseph Mone, Quellen zur Badischen Landesgeschichte, Band 1, S. 64.ff (Digitalisat)

Einzelnachweise

  1. theol.uni-freiburg.de: Das Ex Libris der Theologischen Fakultät — Theologische Fakultät (Memento des Originals vom 27. April 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.theol.uni-freiburg.de, Zugriff am 26. Mai 2009
  2. Joseph Bader: Das ehemalige Kloster St. Blasien auf dem Schwarzwalde und seine Gelehrten-Academie in: Freiburger Diöcesan Archiv, VIII. Band, 1874, S. 79