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vom 07.09.2019, aktuelle Version,

Max Landesmann

Max Landesmann (* 27. September 1884 in Aussig; † 12. Juni 1972 in New York City) war ein österreichischer Bankier. Er war einer der Teilhaber des Bankhauses Jacquier & Securius.

Leben und Tätigkeit

Laufbahn bis 1933

Landesmann absolvierte eine Banklehre bei der Bankfirma Marcus & Volmar in Berlin. Anschließend war er bei der Deutschen Bank tätig und wurde später Direktor der London Angloaustrian Bank in London.

Während des Ersten Weltkriegs kam Landesmann in der k.u.k.-Armee als Offizier zum Einsatz.

Mit Vertrag vom 31. Dezember 1919 trat Landesmann in das Bankhaus Jacquier & Securius ein, wobei stipuliert wurde, dass er mit 15 % an Gewinn- und Verlust des Bankhauses beteiligt werden sollte. Zugleich sicherten die anderen beiden Teilhaber des Bankhauses – Erich Frenkel und Alfred Panofsky – ihm ein Jahreseinkommen von 75.000 Mark zu. Das Bankhaus Jacquier & Securius war vor allem als deutsche Interessenvertretung des tschechischen Braunkohlen- und Schwerindustriekonzerns Petschek von Bedeutung. Die enge geschäftliche Zusammenarbeit der drei Bankiers sowie der Petschek-Familie beruhte auch auf verwandtschaftlichen Bindungen (siehe Abschnitt "Familie").

Mit Vertrag vom 21. Dezember 1921 wurde der Ergebnisanteil Landesmann bei Jacquier & Securius zu Lasten von Hermann Frenkel auf 20 % erhöht, wobei die Gehaltsgarantie fortfiel. Der Eintritt von Friedrich Minoux in das Bankhaus zum 1. Januar 1924 hatte für ihn ein Ansteigen seines Ergebnisanteils auf 22,5 % (Vertrag vom 14. Dezember 1923) zur Folge. Bei den folgenden drei Gesellschaftsverträgen, die bis zum 27. Dezember 1932 abgeschlossen wurden, pendelten seine Anteile ebenfalls um diesen Wert.

Neben seiner Teilhaberschaft bei Jacquier & Securius gehörte Landesmann den Aufsichtsräten der Eintracht Braunkohlenwerke AG, Neuwelzow, und der Braunkohlenwerke Borna AG, Borna, an. Beide Firmen waren börsennotiert und gehörten zum Ignatz-Petschek-Konzern. Die Tantiemen aus diesen Sitzen standen ihm als Sondereinnahmen außerhalb der Teilhaberbank alleine zu.

Laufbahn nach 1933 und Emigration

Obwohl Landesmann bereits am 2. Juli 1924 aus der jüdischen Gemeinde ausgetreten war, wurde er nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten von dem sich in Deutschland etablierenden NS-Regime als Jude angesehen und entsprechend der nationalsozialistischen Ausgrenzungspolitik gegenüber dieser Minderheit sukzessive aus dem Geschäftsleben verdrängt: Als Teilhaber von Jacquier & Securius schied er zum 1. September 1933 aus. Die Bank ging später in die den Nationalsozialisten nahe stehende Deutsche Bau- und Bodenbank auf. Auch aus dem Aufsichtsrat der Schultheiss-Patzendorf AG schied Landesmann 1933 – zusammen mit sechzehn weiteren, überwiegend jüdischen, Aufsichtsratsmitgliedern – infolge der politischen Umstände aus.

Als tschechischer Staatsbürger war Landesmann in den folgenden Jahren jedoch – bis zum Münchener Abkommen von 1938 – besser gestellt als Juden mit deutscher Staatsbürgerschaft: Er nahm noch am 26. November 1937 sein Aufsichtsratsmandat bei der Borna AG wahr. Seine Villa in Berlin-Dahlem nutzte er noch bis März 1939. Kahmann vermutet, dass Landesmann nach 1933 häufig zwischen Aussig und Berlin pendelte.

1939 emigrierte Landesmann – nachdem die Tschechoslowakei im März 1939 vollständig unter deutsche Kontrolle gelangt war und sich die Repressionsmaßnahmen gegen von den Nationalsozialisten als jüdisch definierten Personen in Deutschland immer weiter verschärften – nach Großbritannien. Anders als Panofsky versuchte er nicht sein deutsches Vermögen zu Geld zu machen. Kahlmann vermutet in diesem Zusammenhang, dass Landesmann, der in England ausgebildet worden war, rechtzeitig größere Vermögenswerte nach dort verschoben hatte.

Aufgrund seiner engen Verbundenheit mit dem Petschek-Konzern geriet er zu dieser Zeit ins Visier der nationalsozialistischen Polizeiorgane: Da der nationalsozialistische Staat den Großkonzern als jüdischen Besitz nach der faktischen Annexion der Tschechoslowakei 1939 annektierte wurden vom Reichssicherheitshauptamt umfangreiche Nachforschungen nach dem Verbleib der Konzernwerte – den Gesamtwert des Petschek-Konzerns schätzte man auf 350 Millionen RM – gepflogen: Insbesondere war man daran interessiert, die in England liegenden Petschek-Werte zu identifizieren und der wichtigsten in die Emigration gegangenen Mitglieder der Petschek-Familie und ihrer "Strohmänner" habhaft zu werden, um die Informationen, die man für die Ausfindigmachung dieser Werte, erforderlich waren, aus ihnen herauspressen zu können: Außer den Brüdern Karl, Ernst und Wilhelm Petschke standen Landesmann (dessen Name irrtümlich als "Max Landau" angegeben wurde)[1] und Panofsky ganz oben auf der Fahndungsliste des RSHA. Für den Fall einer erfolgreichen Invasion der britischen Insel durch die Wehrmacht wurde er 1940 zudem auf die Sonderfahndungsliste G.B. gesetzt, ein Verzeichnis von Personen, die nach der Besetzung des Landes von den Besatzungstruppen nachfolgenden Sonderkommandos der SS mit besonderer Priorität ausfindig gemacht und verhaftet werden sollten.[2]

Familie

Landesmann war verheiratet mit Hildegard Fritsche. Sie hatten keine Kinder.

Mit seinem Partner Panofsky war Landesmann verbunden, da Panofsky Ehefrau Helene Panofsky, geborene Bloch, die Tochter seiner Schwester Luise Bloch, geborene Landesmann, war. Außerdem bestanden Beziehungen zu den Petscheks, die wie die Landesmann aus Aussig stammten.

Literatur

  • Henning Kahmann: Die Bankiers von Jacquier & Securius 1933-1945: eine rechtshistorische Fallstudie zur "Arisierung" eines Berliner Bankhauses, 2002.

Einzelnachweise

  1. Henning Kahmann: Die Bankiers von Jacquier & Securius 1933-1945: eine rechtshistorische Fallstudie zur "Arisierung" eines Berliner Bankhauses, 2002, S. 209.
  2. Eintrag zu Max Landesmann auf der Sonderfahndungsliste G.B. (Wiedergabe auf der Website des Imperial War Museums in London).