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vom 30.05.2018, aktuelle Version,

Michael Wachtler

Michael Wachtler (* 2. Februar 1959 in Innichen, Südtirol) ist ein Südtiroler Buchautor und Forscher.

Leben

In der Studentenzeit begann er mit der Teilnahme an Expeditionen in die Bergwelt. Besonders Kristalle und Versteinerungen erweckten sein Interesse. Sein Lehrmeister, Nolli Huber, stürzte 1984 bei einem gemeinsamen Kristallgang tödlich ab. Von 1980 bis 1990 beteiligte er sich an den Gründungen der Pustertaler Zeitung und der Rundschau von Vinschger in Südtirol.

1990 entdeckte Wachtler in den Dolomiten mit Voltzia dolomitica und Voltzia ladinica zwei neue primitive Koniferenarten, welche einen Schritt in der Entwicklung dieser Pflanzengruppe darstellen. Beide bilden einen Übergang der primitiven Nadelbäume hin in Richtung der heutigen. Zudem erforschte er die versteinerten Reste der Pflanzenart Bjuvia dolomitica, einer primitiven Cycadee. Zusammen mit der holländischen Wissenschaftlerin Han van Konijnenburg - van Cittert beschrieb er sie.[1]

In diese Zeit fallen erste erfolgreiche Buchveröffentlichungen und Dokumentarfilme, besonders über das Leben von Kristallsuchern in den Alpen oder die Entstehungsgeschichte der Dolomiten.

1999 folgte die Entdeckung der "Fossillagerstätte Piz da Peres" in den Pragser Dolomiten. Sie wird als "Garten Eden der Urzeit" eingestuft. Nach der großen Perm-Trias-Katastrophe, bei der über 90 % aller Lebewesen ausstarben entwickelten sich hier eine Vielzahl von neuen Pflanzen, Fischen und Landlebewesen.

Megachirella wachtleri

Im Jahr 1999 entdeckte Michael Wachtler ein gut erhaltenes Skelett eines kleinen Reptils, welches den Namen Megachirella wachtleri erhielt.[2] In einer 2013 erschienenen phylogenetischen Studie bestätigten die beiden italienischen Forscher Silvio Renesto und Massimo Bernardi, dass diese Art nahe am gemeinsamen Ursprung der Squamata und Rhynchocephalia, also der Schlangen und Eidechsen, einer der häufigsten heutigen Reptiliengruppen, einzustufen ist.

Neue Pflanzenarten

Ein von Wachtler gefundener Urfarn wurde von ihm, Han van Konijnenburg - van Cittert und Evelyn Kustatscher 2005 mit dem Namen Gordonopteris lorigae benannt und ehrte damit die schottische Maria Ogilvie-Gordon und die italienische Forscherin Carmela Loriga-Broglio. In der Folge beschrieb Michael Wachtler in seinem „The Genesis of Plants“ eine Fülle von neuen fossilen Pflanzen. Besonders das Nebeneinander einer Fülle von modernen Cycadeengewächsen (Bjuvia) zusammen mit äußerst primitiven Bärlappbäumen (Lycopia) erweckte dabei das Interesse der Wissenschaft. Der österreichische Paläontologe Georg Kandutsch benennt die Farngattung Wachtleria, ein Vorläufer der heute noch auf der Südhalbkugel vorkommenden Lindsaeaceaen nach ihm.

Buchveröffentlichungen ab 2003

Ab dem Jahr 2003 veröffentlichte Michael Wachtler erfolgreiche Bücher über den Ersten Weltkrieg im Gebirge. Zunehmend aber wendete er sich der Gesellschaftskritik zu. 2006 erschien „Die Seele der Natur“, 2007 seine „Tirol-Saga“ mit dem Untertitel „Historia eines mysteriösen Volken von Wilden. Von Raufbold Ötzis bitterem Ende bis zu den Helden der Schmerzen“.

Der große Goldfund

Gemeinsam mit Mario und Lino Pallaoro, Federico Morelli und Georg Kandutsch gelangen Wachtler in Brusson im Aostatal zwischen 2003 und 2008 mehrere Goldfunde, welche als größte neuzeitliche Goldfunde der Alpen in die Geschichte eingingen. An einer Stelle entdeckten sie 20 kg reines Gold. Die Schatzkarte eines alten Mineralogen brachte sie auf die Spur.

Entdeckung primitiver Dinosaurierspuren

Am Piz da Peres in den Pragser Dolomiten fand er im Jahr 2007 gut erhaltene Fußspuren primitiver Dinosaurier, welche in eine Zeit vor 240 Millionen Jahren zurückreichen. Gemeinsam mit Marco Avanzini wurden sie als „Sphingopus ladinicus“ wissenschaftlich beschrieben. Darüber hinaus nahm er an verschiedenen Expeditionen teil, welche ihn in die Südsee, die Danakil-Senke nach Äthiopien, die Komoren oder die Halbinsel Kamtschatka und nach Venezuela führten.

Aufbau von DoloMythos und Haftstrafe

Wachtler widmete sich gleichzeitig der Organisation von Ausstellungen und Museumskonzepten. Zusammen mit dem Kärntner Georg Kandutsch baute er erste „Schatzkammern der Natur“ auf. Es handelt sich um museale Zentren. Bekannt geworden ist dabei "Dolomythos" in Michael Wachtlers schlossähnlicher Villa in Innichen. Es zeigt die Geschichte der Dolomiten vom Beginn bis in die Jetztzeit. Im Dezember 2010 hat eine Sondereinheit der Carabinieri 3.700 archäologische Funde beschlagnahmt, die im Museum Dolomythos aufbewahrt wurden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen unrechtmäßigen Besitzes von Kulturgütern und der Einführung von archäologischen Funden aus dem Ausland.[3] Wachtler wird zudem vorgeworfen, die Stücke nicht sachgemäß präpariert zu haben. Das Land Südtirol hat seinerseits eine Schadenersatzklage von 204.599 Euro wegen Schädigung des Ansehens des Landes erhoben.[4] In erster Instanz wurde Michael Wachtler zu einer Haftstrafe von 10 Monaten verurteilt. Wachtler fasste dies als "Urteil gegen die Wissenschaft" auf.[5] Das Museum "Dolomythos" hat jährlich rund 30.000 Besucher.[6]

Rückzug in die Wildnis

Von 2011 an zieht sich Wachtler in die entlegenen Berge zurück. Zusammen mit dem Waldmenschen Fèro Valentini aus dem Nonstal beschäftigt er sich mit der Wichtigkeit der Wildpflanzen für den Menschen. Er bearbeitet die Fossillagerstätte von Tregiovo im italienischen Nonstal und beschreibt primitive Ginkgogewächse aus dem frühen Perm. Mit der Pflanze „Wachtleropteris valentinii“ wird den beiden Rückzugmenschen vom deutschen Forscher Thomas Perner ein Denkmal gesetzt. Im Jahr 2014 erscheint auch Wachtlers Kritikbuch „Gebt der Wildnis das Wilde zurück“. Zusammen mit Thomas Perner beschreibt er auch primitive Pflanzen aus dem frühesten Perm der deutschen Pfalz vor über 300 Millionen Jahren, wobei die Gattung Perneria wohl als primitivste bisher bekannte Koniferengattung angesehen werden kann.

Kämpfe gegen die Naturzerstörung

Von den Klagen und Haftstrafen unbeeindruckt gilt Michael Wachtler immer mehr als „der Mahner“ gegen die Naturzerstörung der Dolomiten. Obwohl das Museum DoloMythos Gefahr läuft von den Behörden geschlossen zu werden, kämpft er ungebrochener denn je weiter für eine Sensibilisierung der Menschen für die fragile Umwelt.

Publikationen

  • Tirol-Saga. Verlag ATHESIA Spectrum, Bozen ISBN 978-88-6011-068-8
  • Die Seele der Natur. Verlag ATHESIA Spectrum, Bozen ISBN 88-6011-038-6
  • Die Geschichte der Dolomiten. Verlag ATHESIA Spectrum, Bozen ISBN 88-6011-012-2
  • Felsenmenschen. Provinz-Verlag, Brixen ISBN 88-88118-06-3
  • mit Günther Obwegs: Krieg in den Bergen. Athesia Spectrum, Bozen ISBN 88-87272-42-5
  • Kristallwanderungen, Wie die Menschen lernten, die Steine zu verstehen. Weise, München 2008, ISBN 978-3-921656-72-3.
  • Dolomiten – Krieg Tod und Leid (mit Paolo Giacomel und Günther Obwegs). Athesia Spectrum, Bozen 2005, ISBN 978-88-601-1016-9.
  • Gebt der Wildnis das Wilde zurück! – Ein Mann der Berge kämpft für die Natur. Kosmos, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-440-14160-1.
  • The Genesis of Plants. Preliminary researches about the Early-Middle Triassic Fossil Floras from the Dolomites. A Compendium. Dolomythos 2012

Einzelnachweise

  1. http://www.landesmuseum.at/pdf_frei_remote/CAR_193_113_0449-0454.pdf
  2. http://www.naturmuseum.it/de/166.htm
  3. 3.700 archäologische Funde in Michael Wachtlers Museum beschlagnahmt, Bericht des online-Nachrichtenportals Südtirolnews vom 14. Dezember 2010. Abgerufen am 29. Januar 2013.
  4. Dolomythos: Präparierung auf dem Prüfstand, Bericht des Nachrichtenportals Südtirolnews vom 29. Januar 2013. Abgerufen am 29. Januar 2013.
  5. DOLOYMTHOS (sic!) – Museum läuft Gefahr von den Behörden geschlossen zu werden, Eintrag auf der Website des Museums. Abgerufen am 29. Januar 2013.
  6. Pustertaler Zeitung Ausgabe 25/2015, S. 44.