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Osterei#

Osterei

In vielen Kirchen findet zu Ostern eine Speisensegnung ("Eierweihe") statt. Die Benedictio ovorum wurde im 12. Jahrhundert eingeführt. Man lässt Eier, Brot, Schinken und Salz, Kren, ein Lamm aus Butter, mancherorts auch Kuchen, weihen. Daran knüpft sich der Glaube, dass diese, gemeinsam verzehrt, die Familie zusammen halten. Eine weitere Vorstelleung war, dass derjenige, der als erster von der Kirche wieder daheim war, die beste Ernte haben würde. Die Jesuiten propagierten die Speisensegnung, während sie die Reformatoren ablehnten. Die evangelischen Pfarrer verboten den Kindern, sich von ihren Paten Ostereier zu holen, was wiederum die katholischen Geistlichen forderten. 

Eier sind das klassische Symbol für Ostern. Als Zeichen des Lebens und der Auferstehung braucht man sie nicht lange zu deuten. Sie gelten mit Salz und Mehl zu den drei "weißen Gaben", die Leben bedeuten. Dass sie gerade zu Ostern eine so große Rolle spielen, hat mehrere Gründe. Auf den Tellern, die symbolische Lebensmittel für das jüdische Paschafest enthalten, ist neben Kräutern, Gemüse, Nüssen und Äpfeln auch ein hart gekochtes Ei als Zeichen der Hoffnung. Die christlichen Gemeinden der ersten Jahrhunderte kannten Ostereier, ursprünglich nur rot gefärbt. Zeitweise durften Eier in der Fastenzeit nicht gegessen werden, umso mehr waren danach vorhanden. Als Naturalabgabe für den Grundherrn, Pfarrer, Mesner oder Lehrer wurden sie nicht freiwillig abgeliefert. Andererseits gab es gefärbte und verzierte Schenkeier für Kinder, Paten, als Liebes- und Verehrungsgabe. 1615 verschenkten Straßburger Bürger zu Ostern gefärbte Ostereier. Ende des 17. Jh. war von kunstvoll bemalten, gekratzten, marmorierten, silbernen und goldenen Eiern die Rede. In der Barock- und Biedermeierzeit steckte man Spruchbänder, die sich aufrollen ließen, in ausgeblasene Ostereier. Solche Sprüche lauteten etwa "Aus lauter Lieb und Treu schenk ich Dir dies Osterei" (1765). Auch aus Porzellan und anderen edlen Materialien stellt man sie her. Traditionelle Verzierungstechniken sind Batik, Kratzen und Ätzen.  

Das Ostereiersuchen, könnte einen biblischen Grund haben. Der Begriff "suchen" kommt 65mal vor. "Wer mich sucht, der wird mich finden", heißt es schon Buch der Sprichwörter (entstanden ca. 500 bis 200 v. Chr.). Berühmt ist die Stelle bei Matthäus (7,7)"... sucht, dann werdet ihr finden..." vom Vertrauen beim Beten. Mittelalterliche Osterspiele, bei denen die Frauen den inzwischen Auferstandenen im Grab suchen, lassen die Engel fragen: "Quem quaeritis in sepulchro, o Christicolae?" (Wen sucht ihr im Grab, ihr Anhängerinnen Christi?) Die Frauen antworten: "Jesum Nazarenum crucifixum, o caelicolae." (Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten, ihr Himmelsboten). Darauf die Engel: "Non est hic. Surrexit, sicut praedixerat. Ite, nuntiate, quia surrexit de sepulchro." (Er ist nicht hier. Er ist auferstanden, wie er es vorausgesagt hat. Geht und verkündet, dass er aus dem Grab auferstanden ist). Der Quem-quaeritis-Tropus (auch Visitatio sepulchri: ‚Besuch des Grabs‘), der erste überlieferte dialogische Text im Rahmen der mittelalterlichen Liturgie, erscheint in einem Manuskript des Klosters St. Gallen aus dem 10. Jahrhundert. Nach Matthäus (28,5) und Lukas (24,5) wir den Zeuginnen der Auferstehung aber gleich mitgeteilt, dass sie vergeblich suchen. Abt Jakob Vogler vom Kloster Schuttern (Baden-Württemberg, Deutschland) schrieb am 16. April 1691 in sein Tagebuch: »Den hiesigen Kindern gebe ich zu Ostern im Garten versteckte Eier.« In der Steiermark hieß es, wer als erster ein rotes Ei findet, hat drei Tage Glück. Im profanen Bereich kommt Gaben, die man suchen und finden muss, besondere Wertschätzung zu, man erwirbt ein gewisses Anrecht darauf. Im "Angliederungsbrauch" sind es fast magische Kräfte, die dem gefundenen Gegenstand die rechte Wirkung geben. Besonders im Frühjahr gibt es einige solche Bräuche, man suchte den Pfingstkönig und die Maibraut. Junge Frauen versteckten zu Ostern Blumenkronen, Kuchen und Schnapsflaschen, die die Burschen suchen mussten.

Allgemein üblich sind Spiele wie das Eierpecken. Dabei versucht jeder mit der Spitze das Ei des anderen einzudrücken, oder eine Münze danach zu werfen. Die solcherart beschädigten Eier sind dann der Preis. 2018 fand die "Erste Wiener Meisterschaft im Eierpecken" statt. Die Teilnehmergebühr betrug 5 Euro, für jedes angepeckte Ei ging ein Euro als Spende für einen guten Zweck, € 1500,- wurden erzielt. Im Burgenland peckten der Landeshauptmann und ein Landesrat Eier in den Farben ihrer bevorzugten Fußballclubs, violett und grün. Man kann die Eier auf au einem schrägen Brett hinunterrollen und hoffen, das sie dort liegende treffen. Im Oberinntal (Tirol) erbettelten die Dorfburschen am Ostermontag von allen Bäuerinnen rohe Eier der Hühner. Am Dienstag trugen sie etwa 170 Stück auf eine Wiese, wo das Spiel stattfand. Auf einem mit Sand bedeckten Platz legten sie die Ostereier rund 1,5 m voneinander entfernt auf, wobei jedes zehnte ein gefärbtes war. Unter den Blicken zahlreicher Neugieriger formierten sich zwei Gruppen, deren Mitglieder in phantasievollen Verkleidungen auftraten. Zu jeder Gruppe gehörten zwei Schnellläufer und ein Eierklauber, die mit Blumen und Bändern geschmückt waren. Um sich vor Rückenschmerzen und Seitenstechen zu bewahren, trugen sie geschnürte Mieder. Der Herold gab das Signal zum Beginn des Wettkampfs. Während die Eierklauber Stück für Stück aufnahmen, in den Korb legten und nur drei zerbrechen durften, eilten die Läufer rund 6 km nach Landeck und wieder zurück. Meist waren sie schneller, als die Sammler ihre Beute in den Korb gebracht hatten. Das bedeutete den Sieg der einen Partei, die Verlierer mussten die Kosten des Spiels und des folgenden Festmahls bestreiten. An das Spiel schloss sich ein heiteres Rügegericht an, dann brachte man die Eier in Gasthaus, wo sie verkocht und gemeinsam verzehrt wurden. Bei Wein und Tanz blieben die Spieler bis zum nächsten Morgen beisammen.

Osterbaum. Foto: Doris Wolf 2015

Als Dekoration ist seit den 1960er- Jahren der Osterbaum üblich. Man steckt lange, blühende oder Palmkätzchenzweige in eine Bodenvase und schmückt sie mit ausgeblasenen, verzierten Eiern. Inzwischen gibt es wetterfesten Schmuck zu kaufen, sodass die mit Eiern, Häschen oder Küken gezierten Osterbäume wie ein Christbaum für alle in Vorgärten und Parks stehen. Die Dekorationen zählen auch zum Angebot der Ostermärkte, die nach dem Vorbild der Christkindlmärkte in vielen Orten stattfinden.

2018 schätzt man den Bedarf an Ostereiern in Österreich auf 70 Millionen Stück. Fast drei Viertel werden in professionellen Eierfärbebetrieben bunt gemacht. Eine Salzburger Firma verarbeitet 12.000 Eier pro Stunde. Bis zu zehn Stunden täglich wird im Schichtbetrieb gearbeitet. Dabei sprüht die Maschine vier Schichten Lebensmittelfarbe auf. Statistisch gesehen verbraucht jeder Österreicher im Jahr 235 Eier, davon 24 in der Osterzeit.

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Fotos: Doris Wolf 2013


Quellen: 
Benediktionale. Studienausgabe. Freiburg/Br.1989. S. 58
Alois Döring: Rheinische Bräuche durch das Jahr. Köln 2006. S. 163 f.
Ludwig Hörmann: Tiroler Volksleben. Stuttgart 1909 (Reprint Innsbruck 1995), 71 f.
Helga Maria Wolf: Das neue BrauchBuch. Wien 2000. S. 135 f., 142 f, 146.
Salzburger Nahrichten 18.3.2015
Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens, Stichworte: Osterei, Suchen
"Österreich", 26.3.2018
Färbebetrieb

Bild oben:  Erfolgreiche Ostereiersuche. Klosterneuburg (Niederösterreich) 1957. Foto: Alfred Wolf