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Porzellan#

Porzellanfabrik

Porzellan, ein Material für Geschirr, Figuren u.a., besteht aus Kaolin (Porzellanerde, Porzellanton), Feldspat, Quarz und Spurenelementen. Porzellan wird üblicherweise zweimal gebrannt und glasiert. Es entstand um 620 n. Chr. in China. Um 1300 brachte der venetianische Händler Marco Polo (1254-1324) die ersten Gegenstände nach Europa. Die Herstellung blieb jedoch jahrhundertelang ein Geheimnis. Erst 1709 meldete der Alchemist Johann Friedrich Böttger (1682-1719) die Erfindung des europäischen Porzellans. 1710 entstand in Meißen (Deutschland) die erste bedeutende Produktionsstätte. Meißner Porzellane tragen seit 1722 als Markenzeichen die "Gekreuzten Schwerter". 

Die zweitälteste in Europa war die Wiener Porzellanmanufaktur. 1718 gründete der Hofkriegsagent Claudius Innocentius du Paquier (1679-1751) den Betrieb in der Rossau (Wien 9). 1744 übernahm der Staat die Porzellanfabrik und kennzeichnete die Produkte mit dem Bindenschild, dem Wappen der Babenberger (als Porzellanmarke oft "Bienenkorb" genannt).  

Für die folgenden 120 Jahre unterscheidet die Kunsthistorikerin Waltraud Neuwirth vier Perioden

• Plastische Periode, 1744-1784, Hochblüte der figuralen Rokoko-Figuralkunst 
• Malerische Periode, 1784-1805, Miniaturmalerei, Geschirr mit Reliefgolddekor und Kobaltblau, Biskuitporzellan 
• Periode der leichten Dessins, 1805-1833, Blumenmalerei, Wiener Veduten 
• Gebrauchsporzellan, 1833-1864, starke Konkurrenz der böhmischen Fabriken führte zur Schließung. 

Tafelservice im Porzellanmuseum, Foto: Doris Wolf, 2012

1923 wurde die Produktion als Augartenporzellan wieder belebt. Die - nun im ehem. Augartenpalais, Wien 2, untergebrachte - Manufaktur öffnete sich modernen Strömungen und realisierte Entwürfe von zeitgenössischen Künstlern wie Josef Hoffmann, Michael Powolny, Franz von Zülow und anderen Vertretern der Wiener Werkstätte. Das derzeitige Produktionsprogramm umfasst Vasen, Service, Figuren, Lampen und Staatsgeschenke. Seit 2003 ist die Manufaktur Augarten in Privatbesitz. Nach wie vor wird jeder Arbeitsvorgang – vom Ansetzen der Rohmasse bis zum fertigen Stück – in Handarbeit ausgeführt. Die Entwürfe kommen aus verschiedenen Stilen: Chinoiserie, Klassizismus, Blumen-Buketts, Biedermeier, Jagd und Natur, Art Déco und Moderne. Seit 2011 illustriert das Porzellanmuseum im Augarten die Geschichte der Manufaktur. Der mächtige, 90 Jahre alte, Brennofen verbindet zwei Raumebenen und fungiert als Schatzkammer.


Quellen:
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1992-1997. Bd. 2/S. 110, Bd. 4/S. 544 f.
Waltraud Neuwirth: Porzellan aus Wien. Von du Paquier zur Manufaktur im Augarten. Wien 1992
Buch zum 300 Jahr-Jubiläum
Wikipedia: Porzellan (Stand 25.1.2019)
Augarten

Bilder: Die Wiener Porzellanmanufaktur, Wien 9, Porzellangasse 51, um 1830. Die zweitälteste Porzellanfabrik Europas befand sich von 1721 bis 1864 in der später nach ihr benannten Gasse.Gemeinfrei
Tafelservice im Porzellanmuseum. Foto: Doris Wolf


Siehe auch:

--> Essay Porzellan