Ostern#

Der Auferstandene mit der Osterfahne. Kleines Andachtsbild, 19. Jh. Gemeinfrei

Das Osterfest ist das älteste und wichtigste christliche Jahresfest. Es geht nicht nur um einen Feiertag, sondern um einen ganzen Festkreis, der mehr als ein Viertel des Jahres umfasst: Die vierzigtägige Vorbereitungszeit (Fastenzeit) dauert vom Aschermittwoch bis zur Abendmesse am Gründonnerstag. Sie bildet den Übergang zu den Drei österlichen Tagen vom Leiden, vom Tod und von der Auferstehung des Herrn (Triduum sacrum). Dem Ostersonntag folgen der arbeitsfreie Ostermontag, früher eine Oktav, und die fünfzigtägige Freudenzeit bis Pfingsten (Pentekoste). 

Ostern ist ein bewegliches Fest. Das Konzil von Nicäa (325) bestimmte den Sonntag nach dem Frühlingsvollmond als Termin, der zwischen 22. März und 25. April liegt. Daher variieren auch die Daten von Christi Himmelfahrt am 40., Pfingsten am 50. und Fronleichnam am 60. Tag. 

Die Evangelien überliefern die Passion Christi von der nächtlichen Ölbergszene im Garten Getsemani, die Kreuzigung und Auferstehung. (Mt 26-28; Mk 14-16; Lk 22-24; Joh. 13-20) Daraus lassen sich die Daten der Kreuzigung (Freitag, 7. April 30) und der Auferstehung (Sonntag, 9. April 30) rekonstruieren. 

Statue des Auferstandenen in der Jesuitenkirche Wien 1. Foto: Doris Wolf

Ostern wird als umdeutende Fortsetzung des jüdischen Paschafestes (Passah, Pessach) verstanden, das an den Auszug aus Ägypten (Ex 12) erinnert. Es wird ab dem 14. Tag des ersten Monats, Nisan, eine Woche lang begangen. Die ersten Feste der Christen entfalteten sich parallel zum jüdischen Festjahr. Die Evangelisten gehen davon aus, dass Jesus das Abendmahl im Rahmen eines Paschamahles gestiftet hat. Christliche Feiern zum Paschafest sind seit dem 2. Jahrhundert belegt. Das Motiv der Befreiung aus der Knechtschaft (nun: von Sünde und Tod) wurde mit der Auferstehung verbunden. 

Die Bezeichnung des christlichen Festes leitet sich in den meisten Sprachen von Pessach (in der griechischen Übersetzung Pascha) ab: lateinisch tempus paschale, italienisch Pasqua, spanisch Pascua, französisch Paques, niederländisch Pasen, dänisch Paaske, norwegisch Paskit. Nur deutsch - Ostern - und englisch - Easter - weichen davon ab. Die Erklärungen dafür sind unterschiedlich. Sicher ist nur, dass es die viel zitierte Frühlingsgöttin Ostara mit dem Hasen als Symboltier nie gegeben hat. Ein einziges Mal erwähnt der angelsächsische Missionar Beda Venerabilis (+ 735) eine Gottheit namens Eostra. Es blieb dem Philologen Jakob Grimm (1785-1863) vorbehalten, mehr als ein Jahrtausend später aufgrund dieser Notiz eine germanische Göttin Ostara zu erfinden. Sie ist, wie die meisten anderen Ideen der Mythologenschule ins Reich der Märchen zu verweisen und die überholte Theorie abzulehnen. Für die Bezeichnung Ostern bieten sich als Erklärungen an: idg. ausos, gr. eos, lat. aurora, altengl. eastron: Morgenrot, Tagesanbruch; mhd. urstende: Auferstehung; Osten als Richtung des Sonnenaufgangs; altnordisch ausa - Wasser schöpfen, gießen. Letztlich haben sie mit der Auferstehungsfeier bei Tagesanbruch zu tun, deren zentrales Ereignis in den ersten Jahrhunderten die Taufe war. 

Unter Osterpflicht versteht man die Verpflichtung gläubiger Katholiken, zwischen Aschermittwoch und Pfingsten die Sakramente der Buße und Eucharistie zu empfangen (Osterbeichte und Osterkommunion). Die früher bei diesen Anlässen verteilten Beichtzettel dienten einerseits der pfarrlichen Statistik, andererseits mussten sie von Bediensteten dem Dienstherrn als Bestätigung gezeigt werden.

Zu den internationalen Bräuchen am Osterfest zählt der seit dem 13. Jh. gebräuchliche apostolische Segen "Urbi et Orbi". Der Papst spendet ihn - wie auch zu Weihnachten oder nach der Papstwahl - von der Benediktionsloggia des Petersdoms. 2018 erwartet man 40.000 Pilger auf dem Petersplatz. Das Ritual wird in den elektronischen Medien übertragen, wodurch alle, die "guten Willens" sind, einen vollkommenen Ablass erlangen. War dies früher nur bei persönlicher Anwesenheit auf dem Petersplatz möglich, so gilt es jetzt auch für die Teilnahme am Radio (seit 1967), Fernsehen (seit 1985) und Internet (seit 1995).

Als traditionelle Ostergebäcke gelten süße Brezel, Osterflecken, Kipfel, Milchbrot, Striezel, Reindling.Die Osterpinze stammt aus Italien (Veneto, Friaul). Von dort kam sie Mitte des 19. Jahrhunderts über Görz nach Graz. Der Name leitet sich von ital. pinza (Schere) ab, weil der Teigballen, um seine charakteristische Form zu erhalten, mit einer Schere eingeschnitten wird. Hauptspeisen sind Schinken, Lammfleisch und Faschiertes. Früher aß man in Niederösterreich zuerst eine Eierspeise, dann Geselchtes mit Kraut und als Nachspeise Kuchen.

Für den Handel ist Ostern nach Weihnachten der zweitgrößte Umsatzbringer. Rund 200 Mio. € werden für Ostergeschenke ausgegeben, zwei Drittel der Österreicher kaufen sie und geben dafür durchschnittlich € 65,- aus. 82 % erwerben Schokohausen, doch auch teure Gaben wie Spielzeug, Fahrräder, Parfums, Drohnen und Smartphones sind gefragt. Die meisten (49 %) beschenken Kinder, Partner (46 %) und Eltern (26 %). Die Osterstudie 2018 die YouGov für Milka durchgeführt hat, ergibt: 81 % begehen das Fest, 56 % legen Wert auf Tradition und Familie, 78 % dekorieren ihre Wohnung, 62 % verstecken Ostereier für die Kinder. Insgesamt werden jährlich 1,8 Milliarden Eier produziert, mehr als 70 Mio. werden Ostereier, davon 50 Mio. bereits gekocht und gefärbt.


Quellen: 
Adolf Adam: Das Kirchenjahr mitfeiern. Freiburg/Br. 1979. S. 54 f.
Hansjörg Auf der Maur: Feiern im Rhythmus der Zeit. Regensburg 1983. S. 116 f.
Manfred Becker-Huberti: Lexikon der Bräuche und Feste. Freiburg/Br. 2000. S. 98 f., 307
Karl-Heinrich Bieritz: Das Kirchenjahr. München 1994. S. 89 f., 130 f.
Alois Döring: Rheinische Bräuche durch das Jahr. Köln 2006. S. 163 f.
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berli: Lautn 1934/1987. Bd. 6/Sp. 1311 f.
Helga Maria Wolf: Das neue BrauchBuch. Wien 2000. S. 135 f., 142 f.
Urbi et Orbi
Bezirksblatt, 21.3.2018
"Österreich",19.3.2018
"Kurier", 25.3.2018

Bilder:
Der Auferstandene mit der Osterfahne. Kleines Andachtsbild, 19. Jh. Gemeinfrei
Statue des Auferstandenen in der Jesuitenkirche Wien 1., 2013. Foto: Doris Wolf


Siehe auch:

--> Essay Ostern

Ostern in: Verschwundene BräucheDas Buch der untergegangenen RitualeHelga Maria WolfBrandstätter VerlagWien2015jetzt im Buch blättern