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vom 21.03.2018, aktuelle Version,

Missa in tempore belli

Joseph Haydn (1792)

Die Missa in tempore belli (‚Messe in Zeiten des Krieges‘), Hob. XXII: 9 in C-Dur für vier Solisten (Sopran, Alt, Tenor, Bass), vierstimmigen Chor (SATB), Orchester und Orgel von Joseph Haydn wurde 1796 komponiert. Die Messe ist auch unter dem Namen „Paukenmesse“ bekannt.

Geschichtlicher Hintergrund

Nach der Übernahme der Regentschaft Fürst Nikolaus’ II. Esterházy 1794 erging dessen Bitte an Haydn, die 1790 aufgelöste Hofkapelle von Eisenstadt wieder aufzubauen. Haydns Verpflichtungen als Komponist sollten sich dabei darauf beschränken, alljährlich zum Namenstag (8. September) der Fürstin Maria Josepha Hermengilde eine neue Messe abzuliefern. Haydn kam dieser Verpflichtung in den Jahren 1796 bis 1802 (mit Ausnahme von 1800) mit der Komposition seiner sechs späten Messen nach.

Der Autograph der Missa in tempore belli ist, ebenso wie der der Heiligmesse Hob. XXII: 10, auf das Jahr 1796 datiert, weswegen die genaue Entstehungsreihenfolge nicht mehr mit letzter Sicherheit zu klären ist. Nach neuerem Stand der Forschung wird allgemein angenommen, dass zuerst die Heiligmesse 1796 aufgeführt wurde und die Paukenmesse als zweite der sechs Messen entstand.

Schlacht von Arcole (1796)

Haydn selbst wählte den lateinischen Namen Missa in tempore belli aus, der daran erinnert, dass Napoléon Bonaparte damals im Ersten Koalitionskrieg, von Italien kommend, Wien bedrohte. Die Messe wird wegen der Pauken im Agnus Dei auch Paukenmesse genannt. Diese Paukenschläge sind ein verlangsamtes Abbild des französischen Armeepaukenwirbels mit charakteristischem anapästischem Rhythmus. Die eindrucksvolle Verbindung von kriegerischen Paukenklängen mit der Bitte um Frieden wurde ein Vierteljahrhundert später in ganz ähnlicher Weise von Ludwig van Beethoven in seiner Missa solemnis gestaltet.

Die Messe wurde am 26. Dezember 1796 in der Piaristenkirche Maria Treu zu Wien uraufgeführt. Für die Wiener Aufführung fügte Haydn dem Orchester noch Flöten-, Klarinetten- und Hornstimmen hinzu, die in der Eisenstädter Kapelle nicht vorhanden waren. In Eisenstadt erklang die Messe dann erstmals am 29. September 1797.

Werkbeschreibung

Die Messe folgt dem Ablauf des traditionellen Ordinariums, den Haydn wie folgt aufteilt:

Kyrie

01. Kyrie eleison. Largo – Allegro moderato. Soli SATB, Chor und Orchester

Gloria

02. Gloria in excelsis Deo. Vivace. Tutti
03. Qui tollis. Adagio. Bass solo, Violoncello solo, Tutti
04. Quoniam to solus sanctus. Allegro – Più stretto. Soli SATB, Tutti

Credo

05. Credo in unum Deum. Allegro. Tutti
06. Et incarnatus est. Adagio. Soli SATB, Tutti
07. Et resurrexit. Allegro. Soli SATB, Tutti
08. Et vitam venturi. Vivace. Sopran solo, Tutti

Sanctus

09. Sanctus. Adagio – Allegro con spirito. Soli AT, Tutti

Benedictus

10. Benedictus. Andante. Soli SATB, Tutti

Agnus Dei

11. Agnus Dei. Adagio. Soli SATB, Tutti
12. Dona nobis pacem. Allegro con spirito – Più presto. Soli SATB, Tutti

Die Besetzung des Orchesters umfasst: 2 Oboen, 2 Fagotte, 2 Trompeten, Pauken, Streicher und Orgel sowie ad libitum Flöte, 2 Klarinetten, 2 Hörner.

Die Aufführung dauert ca. 40 Minuten.

Literatur

  • Matthias Walz: Missa in tempore belli C-Dur (»Paukenmesse«), Hob. XXII: 9. In: Hans Gebhard (Hrsg.): Harenberg Chormusikführer. Harenberg, Dortmund 1999, ISBN 3-611-00817-6, S. 411–413.
  • Werner Oehlmann, Alexander Wagner: Reclams Chormusik- und Oratorienführer. 7. Auflage. Reclam, Stuttgart 1999, ISBN 3-15-010450-5.
  • Almut Runge-Woll: Missa in tempore belli [C-Dur]. In: Silke Leopold, Ullrich Scheideler: Oratorienführer. Metzler, Stuttgart 2000, ISBN 3-476-00977-7, S. 321f.
  • H. C. Robbins Landon: Haydn: Missa in tempore belli und andere geistliche Werke. 1996. Beiheft zur CD Sony SK 68255