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vom 27.05.2017, aktuelle Version,

Oskar Czeija

Oskar Czeija (* 5. September 1887 in Wien; † 7. März 1958 ebenda) war ein österreichischer Rundfunkpionier und langjähriger Direktor der RAVAG.

Leben

Der Sohn von Karl August Czeija, der am Aufbau des Telefonnetzes der österreichisch-ungarischen Monarchie beteiligt war, war ursprünglich Verwaltungsjurist bei der steiermärkischen Landesregierung. Erst nach Ende des Ersten Weltkrieges kam er mit dem Funkwesen in Berührung, deren Grundlagen er sich aneignete. Gemeinsam mit der Firma Schrack AG[1] erhielt er die Konzession für den ersten Radiosender in Österreich. Bei dieser Rundfunkanstalt, der RAVAG, war Czeija Generaldirektor bis 1938. In dieser Zeit hatte Czeija engen Kontakt zum ersten Präsident der RAVAG, Anton Rintelen, was ihn aufgrund Rintelens prominenter Rolle im fehlgeschlagenen Juliputsch der Nationalsozialisten 1934 in Schwierigkeiten brachte. Czeija schien in dieser Zeit bemüht, die politische Unabhängigkeit der RAVAG zu erhalten, und agierte deshalb geschickt zwischen den verschiedenen politischen Lagern. Weder lehnte er den aufkommenden Nationalsozialismus ab, noch wich er später im Austrofaschismus von der Linie der diktatorisch agierenden Bundesregierung ab.[2]

Außerdem war er ab 1929 Vorstand des „Weltfunkverbandes“[3]. Mit Hans Thirring entwickelte er ein Verfahren zur Herstellung von Tonbändern und gründete die Selenophon Licht- und Tonbildgesellschaft.

Viele Patente, die Tonaufnahmen betreffen, gehen auf Czeija zurück.

Nach dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938 wurde Czeija als Gegner des neuen Regimes eingestuft, als Generaldirektor entlassen und in weiterer Folge bespitzelt. Im Zweiten Weltkrieg war Czeija Offizier der Wehrmacht, wurde jedoch während des Krieges auch hier entlassen, da Czeija dem NS-Staat gegenüber negativ eingestellt sei. Trotzdem konnte sich Czeija den nationalsozialistischen Machthabern erfolgreich annähern, wahrscheinlich um seine Rechte auf eine Abfertigung oder Wiedereinstellung zu wahren. Czeija stellte dabei auch wiederholt Anträge zur Mitgliedschaft in der NSDAP, nach eigenen Angaben wurden diese Anträge jedoch abgelehnt, zuletzt 1942 mit der Begründung, dass die Partei in Kriegszeiten keine aktive Militärpersonen aufnehmen dürfe. Czeija sah sich trotzdem als Parteianwärter, wobei die Führung als Parteianwärter sowohl in den Verwaltungsakten in der NS-Zeit, als auch später kontrovers diskutiert und nicht letztgültig geklärt wurde.[2]

Bereits Mitte April 1945 übernahm Czeija den Wiederaufbau des österreichischen Rundfunks. Vom 8. August bis 12. November 1945 war er öffentlicher Verwalter des „österreichischen Rundspruchwesens“ mit Sitz bei Radio Wien, bis die Volksstimme als Zentralorgan der KPÖ Czeijas Parteianwärterschaft bei der NSDAP veröffentlichte und er ein weiteres Mal entlassen wurde. 1949 wurde er rehabilitiert, für seine Karriere beim Radio kam diese Entlastung jedoch zu spät.[2]

Ehrungen

Straßentafel

Ihm zu Ehren wurde vom Dokumentationsarchiv Funk[4] anlässlich der 80-Jahr Feiern des Rundfunks in Österreichs der Oskar Czeija-Gedächtnisfonds eingerichtet.

Im Jahr 1999 wurde in Wien-Floridsdorf (21. Bezirk) die Oskar-Czeija-Gasse nach ihm benannt.[5]

Literatur

  • Reinhard Schlögl: Oskar Czeja: Radio- und Fernsehpionier, Unternehmer, Abenteurer, Böhlau Wien 2005, ISBN 3-205-77235-0.
  • P. Kudlicza: ITT Austria 1884-1984, 1984.
  • Michael Schmolke (Hrsg.): Wegbereiter der Publizistik in Österreich, Österreichischer Kunst- und Kulturverlag Wien 1992, ISBN 3-85437-038-5.

Einzelnachweise

  1. (Rund)Funkgeschichte Österreichs
  2. 1 2 3 Straßennamen Wiens seit 1860 als „Politische Erinnerungsorte“ (PDF; 4,4 MB), S. 262ff, Forschungsprojektendbericht, Wien, Juli 2013
  3. Reinhard Schlögl Oskar Czeija (PDF; 76 kB)
  4. Dokumentationsarchiv Funk
  5. Oskar-Czeija-Gasse im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien