unbekannter Gast
vom 21.07.2017, aktuelle Version,

Pfarrkirche Tannheim

Pfarrkirche St. Nikolaus von Westen

Die Pfarrkirche Tannheim steht in der Gemeinde Tannheim im Bundesland Tirol. Die römisch-katholische Pfarrkirche hl. Nikolaus gehört zum Dekanat Breitenwang in der Diözese Innsbruck. Die Kirche steht unter Denkmalschutz.

Geschichte

Urkundlich wurde 1377 erstmals die Pfarre genannt. 1507 wurde die gotische Kirche geweiht. Nach Abbruch der gotischen Vorgängerkirche wurde von 1722 bis 1724 ein Kirchenneubau nach den Plänen des Architekten Johann Jakob Herkommer (1652–1717) mit dem Baumeister Andreas Hafenegger (1666–1745) erbaut. Am 17. Oktober 1725 wurde die Kirche vom Augsburger Weihbischof Johann Jakob von Mayr geweiht. Von 1725 bis 1729 wurde der Turm errichtet.

Bauwerk

Der einheitliche barocke Kirchenbau mit einem mächtigen Langhaus hat halbkreisförmig vor dem Chor angeordnete Kapellenapsiden und einen eingezogenen Chor mit halbkreisförmigem Schluss unter einem gemeinsamen Satteldach und einen mächtigen Westturm. Der Bau hat Rundbogenfenster und Halbkreisfenster und am Chor über Halbkreisfenster Ovalfenster. Der mächtige achteckig auslaufende Turm hat eine Zwiebelhaube und Laterne und ist 47 m hoch. Die Westseite des Turmes und der Kirche ist geschindelt. Der Portalschlussstein zeigt die Jahresangabe 1728. Im Turm ist ein Kriegerdenkmal.

Das Kircheninnere zeigt sich mit einem vierjochigen Saalraum unter einer gestelzten Flachtonne auf Wandpfeilern und einem eingezogenen zweijochigen Chor mit Rundabschluss unter einer Stichkappentonne. Langhaus und Chor haben ein umlaufendes Gesims, kräftige Wandpfeiler mit doppelten Pilastern im Langhaus und einfache Pilaster im Chor. Im Westen ist eine Doppelempore.

Die Stuckarbeit schuf 1804 Josef Georg Pfauder unter Mithilfe von Franz Xaver Fischer. Das Fresko Letztes Abendmahl im Chor, am Triumphbogen Verkündigung Mariens, im Langhaus Jüngstes Gericht malte Joseph Keller (1804).

Die Fresken in den runden Stichkappen Firmung und Krankensalbung, Taufe und Buße, in der Apsidenrundung Gottvater, in den runden Stichkappen Ehe und Priesterweihe, über den Oberlichtfenstern Augustinus und Hieronymus, Brüder Josefs melden Jakob den angeblichen Tod Josefs, Johannes und Lukas, Matthäus und Markus, Josef wird verkauft, Ambrosius und Gregor, über der Orgelempore König David, Engelkonzert, Cäcilia, in den Gewölben der Seitenkapellen Heilige Familie, Taufe Christi malte Johann Kärle (1895). Die Dekorationsmalerei als imitierter Stuck und die Wandmalerei in der oberen Emporenbrüstung musizierende Putten, an der unteren Emporenbrüstung zwölf Apostel mit den Tugenden Liebe, Hoffnung und Glaube, malte Johann Kärle (1895).

Die Glasmalereien im Chor Guter Hirte, Maria mit Kind, Johannes sind aus 1892. Franz Xaver und Nikolaus, Johannes und Rudolf, im Langhaus Petrus und Paulus sind aus 1881. Engelbert ist aus dem 20. Jahrhundert. Die Schutzmantelmadonna schuf Rieder Schwaz 1946 Tiroler Glasmalereianstalt.

Ausstattung

Hochaltar und Seitenaltäre
Innenansicht

Die barocke Talkirche ist ausgestattet mit drei Altären aus Stuckmarmor, Altarbildern, Plastiken am Hochaltar, Bildhauerarbeiten, Deckenfresken und reichen Stuckaturen.

Vom Tannheimer Stuckateur Silvester Wöber stammen die beiden Seitenaltäre sowie der Hochaltar. Die seitlichen Kapellen schufen Johann Striegl aus Pflach und Josef Anton Buck aus Weißenbach. Die Deckenfresken im Langschiff zeigen das „Jüngste Gericht“ und im Chor das „Letzte Abendmahl“. Sie wurden von Joseph Keller aus Pfronten geschaffen.

Sämtliche Innen- und Außenrenovierungen der Pfarrkirche, sowie die Renovierung der Orgel wurden 1990 bis 1997 abgeschlossen.

Im Kirchturm befindet sich das einzige vollständig erhaltene Geläute der Gießerfamilie Löffler mit vier Glocken. Es ist das einzige noch existierende vollständige Löfflergeläut. Die Glocken wurden 1561 (c') bzw. 1580 (es' ges' c") gegossen.[1]

Literatur

  • Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Tirol 1980. Tannheim, Pfarrkirche hl. Nikolaus, S. 781–782.
  • Alfons Kleiner: Die Kirchen und Kapellen des Tannheimer Tales. Pfarrkirche St. Nikolaus in Tannheim. Christliche Kultstätten Österreichs Nr. 409, Kirchenführer, Verlag St. Peter, Salzburg 2003.
  Commons: Pfarrkirche St. Nikolaus Tannheim (Tirol)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Es läuten die vier Löfflerglocken der Pfarrkirche Tannheim in Nordtirol. youtube 4:30 min, Arlberg09, 31. Juli 2010