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vom 06.01.2017, aktuelle Version,

Poschacher Natursteinwerke

Die Poschacher Natursteinwerke sind ein österreichisches Familienunternehmen mit Sitz in Mauthausen, das 1839 von Anton Poschacher (Industrieller, 1812) als A. Poschacher Granitwerke gegründet und durch Zukäufe systematisch ausgebaut wurde. Eigentümer und Geschäftsführer ist Anton Helbich-Poschacher.

Entwicklung des Unternehmens

Gemeinsam mit Zulieferbetrieben wurden von Anton Poschacher Mitte des 19. Jahrhunderts aus den Mauthausner Steinbrüchen große Mengen an Pflastersteinen und Steinmetzarbeiten für die großen Städte wie Bratislava, Budapest und Wien erzeugt und geliefert. Das Unternehmen engagierte sich auch im Wasserbau an der Donau und an der Traun.

Das Unternehmen war im letzten Viertel des 19. und anfangs des 20. Jahrhunderts nach dem Kauf der Actiengesellschaft für Straßen und Brückenbauten durch Anton Poschacher (Industrieller, 1841) im Jahr 1876 mit dem industriellen Abbau, der industriellen Verarbeitung und Lieferung von Mauthausner Granit der Leitbetrieb der Mauthausner Steinindustrie und mit mehr als tausend Beschäftigten das größte granitproduzierende Unternehmen der österreichisch-ungarischen Monarchie. Von 1913 bis 1954 leitete Anton Poschacher (Industrieller, 1889) das Unternehmen.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden vom in unmittelbarer Nähe befindlichen Konzentrationslager Mauthausen und seinen Nebenlagern spanische Zwangsarbeiter für die Arbeit in den Steinbrüchen eingesetzt.[1][2][3] Teilweise befinden sich heute Betriebsliegenschaften des Unternehmens auf oder in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Konzentrationslager.

Leopold Helbich überarbeitete ab 1954 gemeinsam mit seiner Frau Wilburg Helbich-Poschacher das Leistungsangebot des Unternehmens, begann ab 1974 mit dem Aufbau der Sparte Baustoffhandel und verkaufte gleichzeitig die erst 1954 begonnene Dachziegelerzeugung. Die Disversifikation wurde 1978 mit der Gründung einer Dachdeckerei und 1981 einer Hinzunahme der Spenglerei fortgesetzt.

Aufteilung des Unternehmens

Anlässlich der Mitte der 1980er-Jahre erfolgten Übergabe an die Söhne Anton Helbich-Poschacher und Leonhard Helbich-Poschacher nahmen Leopold Helbich und Wilburg Helbich-Poschacher eine vollständige personelle Trennung des Natursteinwerks von den übrigen Unternehmensbereichen vor.

Unternehmenserweiterungen ergaben sich durch den Zukauf von Steinbrüchen und Granitwerken im Oberen Waldviertel. 2010 besaß das Natursteinwerk Poschacher acht Steinbrüche, betreibt Verarbeitungsbetriebe für Naturwerkstein und mit 200 Mitarbeitern wurden rund Euro 25 Mio. umgesetzt.[4] Umsatzrückgänge, veralteter Maschinenpark und Konkurrenz aus Fernost wurden als Ursache für das am 9. Oktober 2012 eröffnete Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung angegeben. Der Schuldenstand wird mit € 25,6 Mio. angegeben, es sind 46 Angestellte und 63 Arbeiter, 14 Leiharbeitskräfte sowie 360 oder 500 Gläubiger betroffen. Das Unternehmen soll saniert und weitergeführt werden.[5] Im Rahmen des Ende Jänner 2013 abgeschlossene Sanierungsverfahrens wurde das Unternehmen auch betriebswirtschaftlich regorganisiert und wird von der Eigentümerfamilie weitergeführt.[6]

Standorte

  • Gusen, Gemeinde Langenstein (gewerblicher Verkauf, Zustellung, Abholung, Produktionswerk, Zentralbüro)
  • Neuhaus an der Donau, Gemeinde Sankt Martin im Mühlkreis (Steinbruch, Zustellung und Abholung von Wurfsteinen, Schotter, Rohblöcken, Spaltprodukten)
  • Perg (Steinbruch, Abholung von Wurfsteinen, Bankettmaterial, Schotter)
  • Heidlbrunn, Gemeinde Schlägl (Steinbruch, Abholung von Bankettmaterial, Schotter)
  • Mauthausen (Privatverkauf)
  • Schrems (Steinbrüche, Produktionswerk, Zustellung und Abholung im Werk gefertigter Produkte wie Rohblöcke, Unmassware, Massivteile)
  • Langenstein Granitwelten (Verkaufsberatung für Privatkunden)
  • Amstetten Granitwelten (Verkaufsberatung für Privatkunden)

Literatur

  • Josef Stummer: GRANIT – Baustein von Pulgarn bis Gloxwald, Manuskript eines Referats, gehalten am 17. März 2010 in Perg (PDF)
  • Josef Stummer: Die Geschichte der Perger Granitsteinbrüche, in: Heimatbuch der Stadt Perg, Herausgeber: Heimatverein Perg, Stadtgemeinde Perg, 1. Auflage, März 2009, Seite 426ff
  • Franz Mathis: Poschacher, in: Big Business in Österreich. Österreichische Großunternehmen in Kurzdarstellungen. Oldenbourg, München / Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1987, ISBN 3-486-53771-7
  • Andreas Resch: Poschacher, Anton. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 648 f. (Digitalisat).

Einzelnachweise

  1. Mauthausenmemorial (PDF, 338 kB; echo36.de)
  2. Jugendliche in Mauthausen, (Memento vom 6. April 2015 im Internet Archive) auf mauthausen-memorial.at.
  3. Gedenkstättenrundbrief 160, S. 11–20 (auf gedenkstaettenforum.de).
  4. Familie Poschacher - Unverwüstlich wie Granit
  5. Poschacher Natursteinwerke schwer überschuldet: in OÖN vom 9. Oktober 2012
  6. Neustart im Steinbruch, in: Bezirksrundschau online vom 28. Mai 2013