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vom 07.10.2017, aktuelle Version,

Rellswerk

Rellswerk
Baustelle des Kraftwerkes im Rellstal auf 1446 m.
Baustelle des Kraftwerkes im Rellstal auf 1446 m.
Lage
Rellswerk (Vorarlberg)
Rellswerk
Koordinaten 47° 4′ 26″ N,  52′ 27″ O
Land Osterreich  Österreich
Vorarlberg   Vorarlberg
Ort Tschagguns
Gewässer Rellsbach, Lünbach (Vilifaubach), Zaluandabach, Lünersee
Gewässerkilometer km 0,00 (Rellsbach)
Höhe Oberwasser 1460 m
Kraftwerk
Eigentümer Vorarlberger Illwerke AG
Betreiber Vorarlberger Illwerke AG
Planungsbeginn 2008 (1980er)
Bauzeit 2
Betriebsbeginn 2016
Technik
Engpassleistung 10,4 Megawatt
Durchschnittliche
Fallhöhe
441 bis 521 m
Ausbaudurchfluss etwa 2,47 bis 2,6 m³/s
Regelarbeitsvermögen 18 Millionen kWh/Jahr
Turbinen 1
Generatoren 1
Sonstiges
Website Illwerke.at
Der Kraftwerksschacht bei Gewässerkilometer 6,30 in Bau.
Zusammenfluss und Rechen-/Schieberbauwerke des neuen Kraftwerkes.
Vorarlberger Illwerke AG
Staustufen und Kraftwerke im Montafon
Schematische Darstellung
Überleitung vom Brandner Gletscher 2480 m ü. A.
Ill-Ursprung (Ochsentaler Gletscher) 2460 m
Zuflüsse
Silvretta-Stausee 2030 m
Abfluss zu Ill | Lünersee 1970 m
Zuflüsse
Bachüberleitung aus Tirol
Stausee Kops 1809 m
Obervermuntwerk I 1743 m
  |  Überleitung Kops-Vermunt mit Zuflüssen | Zuflüsse | 
Vermuntsee 1743 m
Obervermuntwerk II (in Bau) 1655 m
Zuflüsse
Speicherbecken Rells (in Bau) 1456 m
Rellswerk (in Bau) 1430 m
Kopswerk II  |  Kopswerk I  |  Vermuntwerk 1025 m
Ausgleichsbecken Partenen 1025 m
Rifawerk 1005 m
Ausgleichsbecken Rifa 1007 m
Zuflüsse
Lünerseewerk 992 m
Pumpwasserkanal Lünerseewerk
Latschauwerk 985 m
Staubecken Latschau 992 m
Kraftwerk Rodund I und II 645 m
Zufluss von Ill
Rodundbecken I bis III 645 m
Abfluss zur Ill
Zufluss Alvier
Zufluss Meng
Walgauwerk 492 m
Ausgleichsbecken Walgau 492 m
Abfluss zur Ill

Das Rellswerk ist ein in Bau befindliches Pumpspeicherkraftwerk und eines der zahlreichen Elektrizitätswerke der Vorarlberger Illwerke AG im österreichischen Montafon und gehört zur Werksgruppe „Obere Ill-Lünersee“. Die Inbetriebnahme ist voraussichtlich 2017.[1]

Geschichte

Bereits in den 1980er Jahren bestanden Pläne zur Nutzung des Gefälles des oberen Rellsbaches im Rellstal (Vandans, Montafon) bei der Marienhilfkapelle für das Lünerseewerk (Projekt Pumpwerk Vilifau mit 8 MW Pumpleistung).

2006 wurde von einer privaten Gruppe ein Kleinkraftwerk Rells geplant und zur wasserrechtlichen Vorprüfung eingereicht. Dieses Kraftwerk wäre etwa auf eine Leistung von 1 MW ausgelegt worden (somit etwa 3 GWh/Jahr). Das Projekt wurde nicht realisiert.

Am 8. Juli 2009 haben die Vorarlberger Illwerke beim Amt der Vorarlberger Landesregierung den Antrag auf Genehmigung gemäß § 5 Abs. 1 Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz 2000 (UVP-G 2000) für die Errichtung und den Betrieb des Rellswerkes in Vandans gestellt. Am 4. Mai 2010 wurde die entsprechende Genehmigung unter Auflagen erteilt.

Offizieller Spatenstich war am 30. Juli 2014.[2]

Unterhalb der Rellser Mariahilfkapelle im Rellstal wurde am 10. Juli 2012 mit den Vorarbeiten begonnen (Bau der Sperrkammern im hinteren Saloniental).

Rellswerk

Die derzeit in Bau befindliche Kraftwerksanlage besteht im fertiggestellten Zustand aus der Wasserbeileitung des Lünbach (Vilifaubach) und Zaluandabachfassung (max. 1,5 m3/s), dem Speicherbecken Rells, dem Krafthaus Rells, der Druckrohrleitung Salonien und der Sperrkammer Salonien mit Einbindung in den Taldüker Salonien zur bestehenden Triebwasserführung des Lünerseewerkes.

Das Rellswerk wird über die Zentralwarte ICC (Illwerke Control Center) in Rodund ferngesteuert betrieben.

Krafthaus

Das Krafthaus ist mit vier Tiefgeschossen in den Talboden und im oberen Bereich (Erdgeschoss) in den künstlichen Damm des Speicherbeckens Rells integriert (Schachtkrafthaus, Schachtsohle etwa 1428 m.ü.A., Gesamttiefe etwa 15,50 m). Somit ist von Außen lediglich das Zugangsportal sichtbar. Im Krafthaus selbst sind der Motorgenerator, der Transformator und die notwendigen elektrotechnischen sowie sonstig erforderlichen Nebenanlagen untergebracht.

Im ersten Tiefgeschoss befinden sich die 20-kV-Anlage, die Leittechnik sowie Büro- und Sozialräume. Im zweiten Tiefgeschoss der Motorgenerator samt Steuerungstechnik, ein Batterieraum und die Haustechnikanlage. Im dritten Tiefgeschoss die Pumpenspirale, der Pumpen-Kugelschieber, Steueranlage, Hydraulikaggregat etc. Im vierten Tiefgeschoss sind die Zulaufleitung, Absperrklappe sowie die Lenzpumpe untergebracht.[3]

Das Rellswerk pumpt im Pumpbetrieb das im Becken Rells zwischengespeicherte Wasser in den Lünersee.

Technische Daten

Diese hier wiedergegebenen Daten basieren auf der vorläufig geplanten Variante vor dem Einbau und der Prüfung der Komponenten:

  • ungeregelte vertikalachsige Pumpturbine (3-stufige / 1-flutige Pumpturbine):
    • Turbinennennleistung 10,4 MW,
    • Mechanische Leistung 9,34 MW
    • Pumpennennleistung 13,2 MW,
    • aufgenommene Motorleistung 13,75 MW
  • Anfahrzeit aus Stillstand Turbinenbetrieb und Pumpbetrieb etwa 60 s,[4]
  • Drehzahl (konstant) 1000 U/min,
  • Wasserdurchfluss (Pumpe bzw. Turbine) etwa 2,47 bis 2,6 m3/s,
  • Netto-Nutzfallhöhe 454,50 m,
  • Netto-Förderhöhe 527,70 m,
  • maximale Förderhöhe etwa 540 m,

Leitungen, Transformation

Über ein bestehendes 8 km langes Erdkabel (20-kV-Leitung) vom Rodundwerk I in Vandans über einen 20 MVA-Netzkuppeltrafo (110-kV-Netz) bis zur Trafostation im Rellstal erfolgt die Netzanbindung des Rellswerkes.

Aufgrund des jahreszeitlich schwankenden Netzverbrauches im Bereich Vandans, Tschagguns und Golm ist der Leistungsanschluss des Rellswerkes an den Transformator das Rodundwerks beschränkt.

Hydraulische Daten

Speicherbecken Rells

Das ovale, nierenartige Speicherbecken Rells wird etwa 90 m nordöstlich des Zusammenflusses des Zaluandabaches und des Lünbaches (Vilifaubaches) zum Rellsbach auf ca. 1450 m.ü.A. rechts des Rellsbaches liegen und aus homogenen Schüttdämmen[5] mit einer wasserseitigen Oberflächendichtung (Foliendichtung) bestehen. Auslaufbauwerk und das talseitig daran anschließende Krafthaus werden sich auf der östlichen Seite des Speicherbeckens befinden.

  • Längsausdehnung in südwest-nordöstlicher Richtung etwa 140 m,
  • größte Breite etwa 90 m,
  • Stauziel 1456,0 m.ü.A.,
  • Absenkziel 1449,0 m.ü.A.,
  • Dammkrone 1457,0 m.ü.A.,
  • maximale Dammhöhe etwa 14,4 m,
  • befahrbare Dammkrone in etwa 4 m Breite,
  • Speicherbeckensohle 1453,6 bis 1447,1 m.ü.A.,
  • Grundablass am südöstlichen tiefsten Sohlpunkt des Beckens auf 1447,1 m.ü.A. in den Rellsbach,[6]
  • Dammkubatur (Stützkörper) etwa 32.000 m3.
  • Gesamtinhalt (Beckenvolumen) 45.350 m3,
  • Nutzinhalt 44.000 m3,
  • Oberfläche des Beckens bei Stauziel beträgt etwa 9.880 m2
  • schwallfreie Hochwasserentlastung über die Dammkrone bei 1456,0 m.ü.A. in den Rellsbach,
  • Zu- und Abfluss
    • schnellste Füllung des Speicherbeckens bei maximalem natürlichem Zulauf und Pumpbetrieb: 3 Stunden,
    • Füllung des Speicherbeckens nur durch natürlichen Zulauf: 8 Stunden,
    • schnellste Leerung des Speicherbeckens bei maximalem Zulauf: 11 Stunden,
    • schnellste Leerung des Speicherbeckens ohne natürlichen Zulauf bis zum Absenkziel: 5 Stunden,
    • Maximale Pumpleistung vom Speicherbecken in den Lünersee: 174.000 m3/Tag.

Oberhalb des talauswärtigen Beckenendes liegt das Tannlegertobel. Zum Schutz vor Muren wird ein Schutzwall oberhalb des Beckens errichtet (aus etwa rund 7.000 m3 natürlichem Schüttmaterial).

Druckrohrleitung Salonien

Vom Krafthaus Rells bis zum bestehenden Taldüker Salonien (Sperrkammer Salonien) wird eine erdverlegte Druckrohrleitung für die Triebwasserführung mit einer Länge von ca. 2310 m erstellt (mittlere Steigung 11 %). Die Rohrleitung wird mit einem Durchmesser von maximal 1,2 m ausgeführt und mit 1,2 m überdeckt, so dass diese Frostsicher verlegt ist.

  • Bemessungsdruck etwa 72 bar (Becken Rells),
  • schräge Länge Druckrohrleitung etwa 2310 m,
  • Höhendifferenz 258,50 m.

Die bisher dem Ökosystem über den oberen Teil des Rellsbachs zur Verfügung stehenden 22,9 Millionen m3 Wasser/Jahr wird für den Rellsbach auf eine Dotierwasserabgabe von 72 l/s reduziert. Somit auf etwa 5,9 Mio. m3 Wasser/Jahr, welche im Rellsbach als Dotierwasser bzw. als Überlauf verbleiben.[7] „Für die bestehende Rellsbachfassung (unterer Teil des Rellsbaches) bedeutet dies, dass anstatt derzeit 27,5 Millionen m3/Jahr nur mehr 10,5 Mio. m3/Jahr eingezogen werden können.“[8]

Staubecken Latschau

Bislang wurde auf etwa 1000 m.ü.A. durch einen Überleitungstollen der bestehenden unteren Rellsbachfassung Wasser in das Staubecken Latschau eingeleitet. Zukünftig wird dieses Wasser überwiegend von der oberen Rellsbachfassung vom Lünersee über die Triebwasserführung des Lünersees in das Staubecken Latschau abgearbeitet.

  Commons: Rellswerk  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. http://www.illwerke.at/inhalt/at/992.htm Auf der Webseite steht: "Mit dem Bau ... wird im Sommer 2014 begonnen. ... Die Bauzeit beträgt rund 3 Jahre."
  2. Vorarlberger Nachrichten vom 31. Juli 2014, D1.
  3. Zur Aufrechterhaltung eines Notbetriebes verfügt das Kraftwerk über ein Notstromaggregat mit etwa 150 kW um den Grundablassschütz, den Einlaufschützen, die Lenzpumpen etc. weiter betreiben zu können.
  4. Es ist keine rasche Umschaltung zwischen Pump- und Turbinenbetrieb vorgesehen, weswegen auf ein Wasserschloss verzichtet wurde.
  5. Dammschüttmaterial ist das aus der Seitenmoräne der abzutragenden Südböschung gewonnene Schüttgut.
  6. Gemäß UMWELTVERTRÄGLICHKEITSPRÜFUNG Rellswerk Vorarlberger Illwerke AG, S. 23, ist eine etwa jährliche Entleerung des Speicherbeckens über die Grundablassleitung durchzuführen.
  7. UMWELTVERTRÄGLICHKEITSPRÜFUNG Rellswerk Vorarlberger Illwerke AG, S. 44.
  8. UMWELTVERTRÄGLICHKEITSPRÜFUNG Rellswerk Vorarlberger Illwerke AG, S. 81.