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vom 19.12.2017, aktuelle Version,

Richard Frey

Richard Frey

Richard Frey (chinesisch 傅莱, Pinyin Fù Lái; * 11. Februar 1920 in Wien; † 16. November 2004 in Peking) war ein aus Österreich stammender chinesischer Arzt und Politiker. Er flüchtete vor dem Zweiten Weltkrieg von Österreich nach China und verbrachte sein ganzes Leben in seiner Wahlheimat. Auf Grund seiner außergewöhnlichen Beiträge zur nationalen Unabhängigkeit, nationalen Befreiung und zum Landaufbau Chinas hat er sich im Reich der Mitte hohes Ansehen erworben.

Leben

Richard Frey wurde unter dem Namen Richard Stein als Einzelkind in einer wohlhabenden jüdischen Familie in Wien geboren. 1930 besuchte er das Döblinger Gymnasium und wünschte sich später ein Arzt zu werden. Mit großer Unterstützung seiner Eltern lernte er privat gleichzeitig u. a. Röntgentechnik an dem Röntgeninstitut Holzknecht und Kaiser Franz Joseph-Ambulatorium und Jubiläumsspital in der Oberstufe. In seiner Schulzeit war er auch politisch aktiv, trat mit 14 Jahren den Pfadfinder bei und später dem Kommunistischen Jugendverband (KJV) sowie der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ). Als Folge von „Anschluss“ Österreichs an das Nazideutschland wurde er kurz vor seiner Matura von der Schule vertrieben. Ende 1938 brach er wegen der drohenden Verhaftung durch die Gestapo sein Medizinstudium ab, flüchtete aus Österreich und gelangte schließlich Anfang 1939 nach China. Dort beteiligte er sich am antijapanischen Krieg und kam 1941 an die Kriegsfront in den „Shanxi-Chahar-Hebei-Grenzgebiet“. Dort änderte er seinen Namen von „Stein“ auf „Frey“ und schloss sich der Achten Marscharmee an. 1942 beantragte er die Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh). Er wurde 1944 in die Partei aufgenommen, nahm später geschichtsbedeutenden VII. Nationalkongress der Kommunistischen Partei Chinas in Yanan als Gasthörer teil.

Er arbeitete als Arzt in der Armee an der Front und bildete Ärzte und Sanitäter aus. Im Kriegsjahr 1943 wegen Feind Blockade mangelte Grenzregion an die Medikamente Chinin gegen Malaria, Frey bekämpft in der Truppe Epidemie mittels Akupunktur mit großem Erfolg, wofür er die Auszeichnung von Mao Zedong erhielt. 1945 gelang es ihm unter schwierigen Bedingungen in Yan’an – der politischen und militärischen Basis der Kommunistischen Partei Chinas – Penicillin erstmals in China herzustellen. Als Fürsprecher und Berater der Forschungsgemeinschaft der chinesischen und westlichen Medizin von Grenzregion Shaanxi-Gansu-Ningxia, die in Ya’nan erstmal gegründete, war er ein Pionier Integrative Medicine Behandlung Chinas.

Nach der Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 blieb Richard Frey zur Hilfe des Landaufbaus weiterhin dort und bekam 1952 die chinesische Staatsbürgerschaft.

Richard Frey arbeitete u. a. zehn Jahre lang als Arzt zur Seuchenbekämpfung in entlegenen Gebieten in Südwestchina und ab 1962 als Spezialist und Berater der Chinesischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften in Peking. Unter der Leitung von Richard Frey wurde Anfang der 80er Jahre ein nationales Medizininformationsnetz in China aufgebaut. Er gründete bzw. leitete im Jahr 1982 die Einrichtung der ersten Computerdatenbank für das medizinische Informationszentrum in Peking. Vor seiner Pensionierung war er der Vorsitzende des Informationsinstituts und der Kurator der Bibliothek der Medizinischen Wissenschaftlichen Akademie Chinas.

Während der Kulturrevolution und mehrerer politischer Bewegungen in China erlebte Richard Frey jahrelang politische Unterdrückung und unrechtmäßige Behandlung. Erst im Jahr 1983 wurde er als Ausländischer Experte von der KPCh in Peking zum Mitglied der Politische Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes (PKKCV) ernannt und nahm an der VI. VII., VIII. und IX. PKKCV teil. Außer seiner medizinischen wissenschaftlichen Tätigkeiten bemühte er sich stets noch das Neue China in die Außenwelt zu präsentieren und Beziehungen zwischen China und seiner alten Heimat Österreich sowie westlichen Ländern aufzubauen.

Im Krieg verlor er den Kontakt zu seiner Jugendliebe Hanna in Wien und gründete 1945 in Yan'an mit seiner Kameradin Li Binzhu (chinesisch 李滨珠, † 2007 in Wien) eine Familie. Anfang der 60er Jahre wurde diese Ehe aus politischen Gründen annulliert und Jahre später heiratete er zum zweiten Mal. 1962 durfte er nach dem Tod seines Vaters für kurze Zeit erstmals wieder nach Österreich einreisen, um seine in Wien alleinlebende Mutter zu besuchen.

Gedenken

Am 16. November 2004 starb er im Alter von 84 Jahren in Peking. Sowohl der chinesische Staatspräsident Hu Jintao als auch der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer legten ihm zur Ehrung einen Kranz nieder. Nach seinem letzten Willen wurden seine sterblichen Überreste der medizinischen Forschung gespendet.

Denkmal und Ruhestätte von Richard Frey im Kreis Tang der Stadt Baoding

Am 21. Februar 2006 wurde am Döblinger Gymnasium eine Gedenktafel für Richard Frey enthüllt, deren Text der österreichische Bundespräsident verfasste. Am 23. Juli 2007 richtete die chinesische Regierung an der damaligen Front (in der Nähe von Peking) ein Denkmal für Richard Frey ein. Ebenfalls an diesem Tag wurde seine erste Frau in Wien beerdigt.

Über das Leben von Richard Frey ist heute in vielen chinesischen Museen zu erfahren und seine Geschichte wurde in verschiedenen Geschichtsbüchern Chinas aufgezeichnet.

Literatur