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vom 01.04.2018, aktuelle Version,

Sabine Mitterecker

Sabine Mitterecker (* 23. März 1963 in Böheimkirchen, Niederösterreich) ist eine österreichische Regisseurin und freie Theaterproduzentin für die Formation Theater.Punkt [1].

Leben

Nach der Matura am Bundesgymnasium in St. Pölten studierte Sabine Mitterecker Theaterwissenschaft und Romanistik (Französisch) an der Universität Wien. Schon während des Studiums arbeitete sie als Regieassistentin und Dramaturgin bei den Heppenheimer Festspielen unter der Leitung von Hans Richter. Ihr Studium schloss sie mit einer Diplomarbeit über Samuel Beckett[2] ab.

Sie inszenierte zunächst am Torturmtheater Sommerhausen bei Veit Relin und 1992 bei Hans Richter eigene Übersetzungen aus dem Französischen: Molières Der Geizige und Die Schelmenstreiche des Scapin.[3] Mitte der 90er Jahre betrieb sie in Wien die Künstler- und Medienagentur Das Kulturbüro gemeinsam mit Eva-Maria Schachenhofer. 1999 gründete sie mit dem Bühnenbildner Notker Schweikhardt Theater.Punkt.

Für ihre erste Regiearbeit in Wien, Nichts Schöneres [4] von Oliver Bukowski mit Alexandra Sommerfeld, wurde Sabine Mitterecker 2000 mit dem erstmals vergebenen Nestroy-Preis in der Kategorie „Beste Off-Produktion“ ausgezeichnet. 2002 realisierte sie in Koproduktion mit den Wiener Volkstheater Push up 1–3 von Roland Schimmelpfennig. Schimmelpfennig war mit diesem Stück erstmals in Österreich zu sehen und erhielt dafür den Nestroy-Preis in der Kategorie „Bestes Stück – Autorenpreis“.

2009 bearbeitete sie Thomas Bernhards Roman Frost und zeigte im MUMOK (Wien)[5] ihre Spielfassung für einen Schauspieler mit Andreas Patton. Sie erhielt dafür 2010 erneut den Nestroy-Preis in der Kategorie „Beste Off-Produktion“. Mittereckers Bearbeitung von Frost wurde nach einer weiteren Spielserie im MUMOK (2010)[6] 2011 für Tirol Panorama[7] in Innsbruck und den Deichtorhallen[8] Hamburg, 2012 der Kunsthalle Krems[9] adaptiert und erreichte bislang insgesamt 19 Aufführungen.

Im Herbst 2016 inszenierte und produzierte Sabine Mitterecker SCHATTEN (Eurydike sagt) [10] von Elfriede Jelinek im F23 [11], den Hallen der ehemaligen Sargerzeugung Atzgersdorf, mit Sarah Sanders, Christina Scherrer und Alexandra Sommerfeld.

Neben freien Produktionen führte sie Regie am Schauspielhaus Wien, am Wiener Volkstheater, am Landestheater Linz und an den Théâtres de la Ville de Luxembourg.

Im Sommersemester 2006 hatte sie die Aigner-Rollett-Stiftungsprofessur an der Karl-Franzens-Universität Graz inne.

Sabine Mitterecker ist Vorstandsmitglied (Obfrau) der österreichischen Interessengemeinschaft Freie Theaterarbeit (IGFT) [12] und vertritt die Organisation im Kuratorium des Tanzquartier Wien. Von September 2015 bis Mai 2016 war sie interimistische Geschäftsführerin der IGFT. Sie ist Aufsichtsratsmitglied der österreichischen Künstler-Genossenschaft SMartAt.[13][14]

Sabine Mitterecker ist verheiratet und hat einen Sohn.

Inszenierungen (Auswahl)

  • 2000: Nichts Schöneres (von Oliver Bukowski, österreichische Erstaufführung Theater.Punkt, dietheater Konzerthaus Wien). Nestroy-Preis 2000 (Beste Off-Produktion)
  • 2000: Vagina Monologe (von Eve Ensler, österreichische Erstaufführung, Schauspielhaus Wien)
  • 2000: Gäste (von Oliver Bukowski, österreichische Erstaufführung, Theater.Punkt, dietheater Künstlerhaus Wien)
  • Push up 1–3 [15] (von Roland Schimmelpfennig, 2002, österreichische Erstaufführung Theater.Punkt in Koproduktion mit dem Volkstheater Wien.) Nestroy-Preis 2002 für Roland Schimmelpfennig (Autorenpreis)
  • Hilda [16] (von Marie NDiaye, 2003, deutschsprachige Erstaufführung, Theater Drachengasse, Wien)
  • Psychose 4.48 (von Sarah Kane, 2003, Landestheater Linz)
  • Antigone [17] (von Sophokles, 2003, Landestheater Linz)
  • Heldenplatz [18] (von Thomas Bernhard, 2004, Landestheater Linz)
  • Am Ziel [19] (von Thomas Bernhard, 2006, Landestheater Linz)
  • Der Zerrissene (von Johann Nepomuk Nestroy, 2007, Landestheater Linz)
  • Zugvögel [20] (von Natascha Gangl, 2008, Uraufführung Auftragswerk Kunstuniversität Graz)
  • Frost (von Thomas Bernhard, 2009, Theater.Punkt, MUMOK Wien, Romanadaptierung und Regie, Wiederaufnahme MUMOK, 2010, Tirol Panorama Innsbruck und in den Deichtorhallen Hamburg, 2011, Kunsthalle Krems, 2012)
  • Harper Regan [21] (von Simon Stephens, 2011, Theatergastspiele Kempf)
  • Kleist! Ob ich das will? [22] (nach Heinrich von Kleist, Theater.Punkt, Kunstbüro Wien)
  • U5 [23] (von Pol Sax, 2012, Kasemattentheater in Koproduktion mit den Théâtres de la Ville de Luxembourg, Adaptierung des 2009 mit dem luxemburgischen Literaturpreis Prix Servais ausgezeichneten Romans und Regie)
  • 2014: Zur schönen Aussicht [24] von Ödön von Horváth, in Koproduktion mit den Théâtres de la Ville de Luxembourg und Kasemattentheater, Schauspielhaus Wien und Grand Théâtre Luxembourg
  • 2016: SCHATTEN (Eurydike sagt) von Elfriede Jelinek, F23 Wien

Auszeichnungen

  • 2000: Nestroypreis in der Kategorie Beste Off-Produktion für Nichts Schöneres
  • 2010: Nestroypreis in der Kategorie Beste Off-Produktion für Frost

Einzelnachweise

  1. THEATER.punkt Website THEATER.punkt | Sabine Mitterecker. Abgerufen am 27. Dezember 2016
  2. Mitterecker, Sabine: Absurd – Spiel – Beckett (Untersuchung zum Theater des Absurden unter besonderer Berücksichtigung des Spiels bei Samuel Beckett). Wien, Univ., Dipl-Arb., 1990. Universitätsbibliothek Wien, Onlinekatalog.
  3. Molière: Die Schelmenstreiche des Scapin – Übers.: Sabine Mitterecker. Website des Merlin Verlags. Abgerufen am 29. August 2013.
  4. Ronald Pohl: Als Königin im Plattenbau in Der Standard, 13. Januar 2000.
  5. Frost (2009). Website MuseumsQuartier Wien. Abgerufen am 27. Dezember 2016.
  6. Frost (2010). Website MuseumsQuartier Wien. Abgerufen am 27. Dezember 2016.
  7. Frost, Innsbruck (2011). Website Kultur.Tirol. Abgerufen am 29. August 2013.
  8. Frost, Hamburg (2011). Website Deichtorhallen. Abgerufen am 29. August 2013.
  9. Frost, Krems (2012). Website Kunsthalle Krems. Abgerufen am 29. August 2013.
  10. SCHATTEN (Eurydike sagt) Website THEATER.punkt | Sabine Mitterecker. Abgerufen am 27. Dezember 2016
  11. F23 Website. Abgerufen am 27. Dezember 2016
  12. Team IGFT Website der IGFT. Abgerufen am 27. Dezember 2016
  13. Webseite SMartAt: "Über SMartAt". Abgerufen am 12. Januar 2017
  14. Webseite SMartAt: "Organe der Genossenschaft". Abgerufen am 12. Januar 2017
  15. Volkstheater Wien (Hrsg.): Push up 1–3 eine Koproduktion mit Theater.Punkt, österreichische Erstaufführung 13. März 2002, Forum U3.
  16. Theater Drachengasse (Hrsg.): Hilda deutschsprachige Erstaufführung 7. Jänner 2003.
  17. Landestheater Linz (Hrsg.): Spielzeit 2003/04 Heft 2 – Premiere 28. September 2003, Kammerspiele.
  18. Landestheater Linz (Hrsg.): Spielzeit 2004/05 Heft 8 – Premiere 5. Dezember 2004, Kammerspiele.
  19. Landestheater Linz (Hrsg.): Spielzeit 2005/06 Heft 14 – Premiere 18. März 2006, Kammerspiele.
  20. Natascha Gangl: Zugvögel (2008). Website Kunstuniversität Graz. Abgerufen am 30. August 2013.
  21. Simon Stephens: Harper Regan (2011). Website Theatergastspiele Kempf. Abgerufen am 1. September 2014.
  22. Kleist! Ob ich das will? (2011). Hinweis auf esel.at. Abgerufen am 30.August 2013.
  23. Pol Sax: U5 (2012). Website Luxemburger Tageblatt. Abgerufen am 27. Dezember 2016.
  24. Ödön von Horváth: Zur schönen Aussicht Website Les Théâtres de la Ville de Luxembourg. Abgerufen am 27. Dezember 2016.