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vom 18.04.2018, aktuelle Version,

Schlacht bei Kissingen

Schlacht bei Kissingen

Umgebungskarte der Schlacht bei Kissingen
Datum 10. Juli 1866
Ort Kissingen, Hammelburg
Ausgang Sieg der Preußen
Konfliktparteien

Preussen Konigreich  Preußen

Königreich Bayern  Bayern

Befehlshaber

Preussen Konigreich Eduard von Falckenstein
Preussen Konigreich August von Goeben
Preussen Konigreich Edwin von Manteuffel
Preussen Konigreich Gustav von Beyer

Königreich Bayern Prinz Karl von Bayern
Königreich Bayern Oskar von Zoller

Truppenstärke
16 Bataillone, 9 Eskadronen und 31 Geschütze, etwa 18.000 Mann 14. Bataillone, 28 Eskadronen und 36 Geschütze, etwa 15.000 Mann
Verluste

153 Tote; 770 Verwundete; 38 Vermisste und Gefangene[1]

111 Tote; 659 Verwundete; 587 Vermisste und Gefangene[2]

Die Schlacht bei Kissingen (auch Gefechte bei Kissingen und Hammelburg) fand während des Deutschen Krieges am 10. Juli 1866 zwischen Preußen und dem VII. Armeekorps der deutschen Bundesarmee statt, das aus bayerischen Truppen bestand.

Vorgeschichte

Nachdem die preußische Westarmee (VII. Korps aus Westfalen) unter dem Oberbefehl von General Eduard Vogel von Falckenstein die Armee des Königreichs Hannover nach der Schlacht bei Langensalza umstellt und deren Kapitulation am 29. Juni 1866 erzwungen hatte, wurden diese preußischen Verbände unter der Bezeichnung Main-Armee zusammengefasst.

Die noch etwa 43.000 Mann starke Main-Armee sollte die militärischen Kräfte der süddeutschen Verbündeten Österreichs bezwingen. Vogel von Falckenstein hatte seine Divisionen bei Eisenach vereinigt und am 2. Juli den Marsch auf der großen Straße von Eisenach über Fulda nach Frankfurt angetreten. Vogel von Falckenstein erteilte seiner 13. Division den Befehl, den Gegner zurückzudrängen. Das VII. Bundeskorps der Bayern unter Prinz Karl von Bayern war über Schweinfurt nach Norden marschiert und wollte sich ursprünglich zu gemeinsamen Operationen mit den hannoveranischen Truppen vereinigen. Bei dessen Rückzug entwickelten sich die Gefechte bei Zella, Neidhartshausen und bei Wiesenthal. Die Gefechte bei Dermbach und Immelborn am 4. Juli bildeten erste Zusammenstöße preußischer und bayerischer Truppen in Thüringen. Das neue Ziel des Bundesheeres, die Vereinigung des VIII. Bundeskorps mit dem VII. Bundeskorps der Bayern, war nicht erreicht worden. Die bayerischen Kürassiere sollten eine Verbindung mit dem VIII. Bundeskorps herstellen, doch die preußische Division Beyer kam dem Plan entgegen und legte sich mit ihren Truppen dazwischen. Nach dem Gefecht bei Dermbach wurden die Bayern nach Südosten abgedrängt und zogen sich auf Kissingen (heute Bad Kissingen) zurück. Am 3. Juli wurde die Niederlage der Österreicher bei Königgrätz bekannt, das VIII. Bundescorps sah daher in der Deckung der Mainlinie bei Frankfurt seine Hauptaufgabe.

Die Verfolgung der Bayern erfolgte durch die 13. Division unter Goeben. Dieser ließ am Morgen des 4. Juli seine 25. Brigade (Generalmajor von Kummer) von Dermbach aus im Tale der Felda gegen Neidhardshausen und die 26. Brigade (Generalmajor von Wrangel) gegen Wiesenthal vorgehen. Bei einem Scharmützel bei Waldfenster verrieten Gefangene, dass sich das bayrische Korps noch in Kissingen befände, die Division Manteuffel wurde daher der Goeben’schen sofort als Verstärkung hinterhergeschickt. Am 9. Juli setzte die Main-Armee ihre Bewegung fort: die Division Goeben erreichte Geroda, die Division Beyer Brückenau, die Division Manteuffel erreichte mit ihrer Vorhut den Ort Römershag. Die Staaten des Deutschen Bundes konnten sich auch weiterhin nicht auf eine einheitliche Kriegsführung mit gemeinsamem Schlachtplan einigen. Ihre Armeen wurden deshalb einzeln von Preußen geschlagen, so wie jetzt auch die Bayern in Kissingen.

Verlauf

Gefecht am Kapellenfriedhof von Kissingen
Skizze aus der zweiten Gefechtsphase

Der linke Flügel der Mainarmee – die Division von Manteuffel erreichte wenige Kilometer nordwärts von Kissingen den Übergang über die Fränkische Saale bei Waldaschach. Goebens Brigaden marschierten durch das weimarische Oberland und die Hohe Rhön, bei Waldaschach (heute Aschach) trafen die Preußen wieder auf den Gegner. Es kam dabei zu einem Gefecht des bayerischen 1. Bataillons unter Major von Moor mit dem Füsilier-Bataillon des 1. Rheinischen Infanterie-Regiments Nr. 25 unter Oberstleutnant von Cranach, der dem übergeordneten Oberst von Hanstein schließlich die Besetzung Aschachs melden konnte. Vor Kissingen stand den Preußen die Masse der 3. und Teile der 4. bayrischen Infanteriedivision, in einer Gesamtstärke von etwa 15.000 Mann gegenüber. Gegen neun Uhr begann auch die Division Beyer ihren Vormarsch gegen Hammelburg. Zoller hatte seine Verbände auf den Höhen bei Poppenhausen am linken Wern-Ufer zur Verteidigung Kissingens aufgestellt. Die bayerische 2. und 4. Infanterie-Division der Generale von Feder und Hartmann standen bei Neustadt, etwa 30 Kilometer von Poppenhausen entfernt. In Hammelburg befehligte der Kommandant der bayerischen Reserve-Kavallerie, General der Kavallerie von Thurn und Taxis. Die bayerische 3. Infanteriedivision unter Generalleutnant Oskar von Zoller trug die Hauptlast der folgenden Kämpfe. General von Zoller verfügte über neun Bataillone, zwölf Eskadronen und sechzehn Geschütze bei Kissingen, der Fürst von Thurn und Taxis stand mit fünf Bataillone, sechzehn Escadronen und zwanzig Geschützen bei Hammelburg. Die bayerische 1. Infanterie-Division unter Generalmajor Stephan, folgte der 2. Division im Marsch von Neustadt nach Münnerstadt, konnte keine Unterstützung leisten. Die bayerische 4. Infanterie-Division unter Generalleutnant von Hartmann stand ebenfalls mit der Reserveartillerie zwischen Kissingen und Schweinfurt in der Gegend von Pfersdorf zu weit disloziert.

General von Manteuffel erhielt am Morgen des 10. Juli von Falckenstein die Weisung, den Marsch auf Waldaschach aufzugeben und stattdessen Goeben nach Kissingen zu folgen. General von Goeben beschloss die Masse seiner Division (Brigaden Kummer und Wrangel) auf Garitz vorzuführen. Das 1. Westfälische Infanterie-Regiment Nr. 13 unter Oberstleutnant von Borries wurde auf Euerdorf detachiert, um die Verbindung mit der Division Beyer bei Hammelburg zu erreichen. Die preußische Vorhut unter Oberst von Tresckow, Kommandeur des 5. Westfälischen Infanterie-Regiments Nr. 53 meldete die Stadt Kissingen stark besetzt, die Hauptbrücke war von den Bayern verrammt. Nach einer lebhaften Kanonade entspann sich nach dem Eindringen über die verbarrikadierte Hauptbrücke ein erbitterter Häuserkampf, der sich allmählich nach der Mitte der Stadt hinwälzte. Gegen 13 Uhr war Kissingen erobert, die bayerischen Truppen hatten sich unter großen Verlusten nach der östlichen Ausgangsstraße zurückgezogen, wohin die preußischen Abteilungen vielfach gemischt nachdrängten. Dort versuchten die Bayern nochmals Widerstand zu leisten und drangen wieder eine kurze Strecke vorwärts. Durch das verfolgende 5. Westfälische Infanterie-Regiment Nr. 53 etwa 1500 Schritt von Kissingen entfernt in die Gegend von Winkels zurückgedrängt, gingen die Bayern rechts an den Sinnberg und links an die Winterleite angelehnt, neuerlich in Stellung. Von einer Granate am Arm und an der Seite getroffen, sank Generalleutnant von Zoller vom Pferd, er wurde noch nach Münnerstadt gebracht, wo er seinen schweren Verwundungen erlag. Die ganze Höhenreihe wurde bis 15 Uhr von den Preußen genommen und auf Befehl des Generals von Kummer vom 2. Posenschen Infanterie-Regiment Nr. 19 besetzt. Die bayerische 1. Infanterie-Division (Generalmajor Stephan) war in der Stärke von neun Bataillonen, vier Eskadronen und zehn Geschützen von Münnerstadt auf Kissingen weiter marschiert und mit ihrer Spitze um 16 Uhr hinter Nüdlingen eingetroffen.

Inzwischen war nach der Einnahme von Kissingen auch den in Friedrichshall (Obere Saline) und Hausen stehenden bayerischen Truppen der Befehl zugegangen, sich nach Nüdlingen zurückzuziehen. Die Preußen blieben auch bei Hammelburg siegreich und zwangen die bayerischen Truppen zum Rückzug. General von Falckenstein ordnete am Abend die weitere Verfolgung nach Schweinfurt an.

Folgen

Die Preußen verzeichneten 153 Tote und 770 Verwundete; die Bayern hatten 111 Tote und 659 Verwundete, dazu kamen 587 Vermisste und Gefangene. Als General von Falckenstein am 11. Juli aus dem Hauptquartier die Nachricht erreichte, dass für die voraussichtlichen Waffenstillstandsverhandlungen die Besetzung der Länder nördlich des Mains wichtig wäre, ordnete er einen sofortigen Rechtsabmarsch der Mainarmee in Richtung auf Frankfurt an. Die Division Goeben nahm am 14. Juli die Verfolgung in zwei Kolonnen, links und rechts des Mains, auf. Nachdem die Preußen über den Spessart angerückt waren, siegten sie im Gefecht bei Laufach gegen hessisch-darmstädtische Truppen und erstürmten am 14. Juli Aschaffenburg in heftigen Straßenkämpfen gegen österreichischen Truppen unter Feldmarschallleutnant Erwin von Neipperg. Die Bundestruppen mussten westwärts über den Main ausweichen. Am übernächsten Tag am 16. Juli besetzte die preußische Mainarmee die Stadt Frankfurt kampflos.

Gedenken

Literatur

  • 10. Juli 1866 – Eine Kissinger Zeitzeugin berichtet. In: Thomas Ahnert, Peter Weidisch (Hrsg.): 1200 Jahre Bad Kissingen, 801–2001, Facetten einer Stadtgeschichte. (= Festschrift zum Jubiläumsjahr und Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung / Sonderpublikation des Stadtarchivs Bad Kissingen). Verlag T. A. Schachenmayer, Bad Kissingen 2001, ISBN 978-3-929278-16-3, S. 148–151.
  • Kissingen als Kriegsschauplatz. Der Krieg von 1866. In: Thomas Ahnert, Peter Weidisch (Hrsg.): 1200 Jahre Bad Kissingen, 801–2001, Facetten einer Stadtgeschichte. (= Festschrift zum Jubiläumsjahr und Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung / Sonderpublikation des Stadtarchivs Bad Kissingen). Verlag T. A. Schachenmayer, Bad Kissingen 2001, ISBN 978-3-929278-16-3, S. 146f.
  • Werner Eberth: Der Deutsche Krieg 1866 im heutigen Landkreis Bad Kissingen. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2016.
  • J. Heinemann: Die Schlacht bei Kissingen und Nüdlingen am 10. Juli 1866. A.A. Reichardt, Kissingen 1866. Digitalisat bei Google Books.
  • Heinz Helmert, Hans-Jürgen Usczeck: Preussisch-deutsche Kriege von 1864 bis 1871. Militärischer Verlauf. 6. überarbeitete Auflage. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1988, ISBN 978-3-327-00222-3.
  • Wilhelm Leeb: Das Kgl. Bayerische 4. Feldartillerie-Regiment „König“. Ein Rückblick auf seine 50-jährige Entwicklung 1859–1909. Stuttgart 1909.
  • Josef Wabra: Schlacht bei Hammelburg und Bad Kissingen. Werneck 1968.
  Wikisource: Die Russen in Kissingen  – (Schlacht in Kissingen aus der Sicht russischer Kurgäste) in Die Gartenlaube (1866), Heft 34
  Wikisource: Kriegsabenteuer eines Friedfertigen  – (Schlacht in Kissingen aus der Sicht eines englischen Kurgastes) in: Die Gartenlaube. (1867), Heft 31

Einzelnachweise

  1. Österreichs Kämpfe im Jahre 1866. Vom K.und K. Generalstab, Bureau für Kriegsgeschichte, 5. Band: Wien 1869, S. 75 und 81.
  2. Österreichs Kämpfe im Jahre 1866. Vom K.und K. Generalstab, Bureau für Kriegsgeschichte, 5. Band: Wien 1869, S. 75 und 81.