unbekannter Gast
vom 27.11.2016, aktuelle Version,

Sissi-Syndrom

Als Sissi-Syndrom (auch Sisi-Syndrom) wird seit 1998 eine angebliche Form der Depression bezeichnet, unter der besonders aktiv wirkende Menschen leiden sollen. Die Depression vom Sissi-Typ ist durch Unrast, Sprunghaftigkeit, körperliche Hyperaktivität, rasche Stimmungsschwankungen, Fasten, übertriebenen Körperkult, Selbstwertprobleme und zahlreiche Selbstbehandlungsversuche charakterisiert. Bei etwa einem Drittel der weiblichen Depressiven sollen diese untypischen Symptome im Vordergrund stehen und das Erkennen erschweren.[1]

Die Existenz des Sissi-Syndroms ist stark umstritten. Jörg Blech sieht das Sissi-Syndrom in seinem Buch Die Krankheitserfinder als Beispiel für erfundene und propagierte Krankheiten, so genanntes Disease Mongering. Der Name tauchte zum ersten Mal in einer Werbung auf, er wurde von einer PR-Firma erfunden und erlangte im Zusammenspiel mit Medien und deren Lesern Bekanntheit.[2]

Benannt wurde das Syndrom nach Sissi, der Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn (wegen verschiedener Schreibweisen ihres Kosenamens siehe dort), die von dieser Form der Depression betroffen gewesen sein soll.

Eine unabhängige Forschergruppe überprüfte die verbreiteten Behauptungen und kam Anfang 2003 zu dem Schluss, dass diese wissenschaftlich unbegründet sind. Das Sissi-Syndrom ist also keine eigenständige nosologische Krankheit.

Einzelnachweise

  1. Hans-Jürgen Möller, Gerd Laux, Arno Deister: Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, 2005, ISBN 3-13-128543-5, S. 85.
  2. Krankhaft krank. 3Sat Kulturzeit, 4. September 2003.

Literatur

  • Jörg Blech: Die Krankheitserfinder – Wie wir zu Patienten gemacht werden. Erweiterte Ausgabe. S. Fischer, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-15876-1.
  • J. Blech: Die Abschaffung der Gesundheit. In: Der Spiegel. Nr. 33, 2003, S. 116–126 (online).
  • W. Harth, A. Hillert: Sissi-Syndrom & Tanorexie. In: Ärzte Woche. 40/2007
  • M. Burgmer, G. Driesch, G. Heuft: Das "Sisi-Syndrom" – eine neue Depression? In: Nervenarzt. 2003, 74, S. 440–444.