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vom 02.05.2018, aktuelle Version,

St. Peter an der Sperr

St. Peter an der Sperr
Portal in der Petersgasse mit zwei mal sieben Statuettennischen
Chor zum Langhaus mit Westwand zum ehemaligen Kloster

St. Peter an der Sperr bezeichnet die ehemalige Klosterkirche der Dominikanerinnen an der nördlichen Stadtmauer der ehemaligen Festung der Stadt Wiener Neustadt in Niederösterreich. Das profanierte Kirchengebäude dient heute als Ausstellungsraum. Das ehemalige Dominikanerinnenkloster dient heute als Stadtmuseum Wiener Neustadt. Der Klostergarten ist als sogenannter Bürgermeistergarten frei zugänglich.

Geschichte

Die Dominikanerinnenkloster wurde vor 1250 gegründet. Urkundlich brannte 1280 das Kloster ab und urkundlich wurde 1349 ein schlechter Bauzustand genannt. Im 3. Viertel des 14. Jahrhunderts erfolgte ein Neubau der Kirche und des Klosters. Im Jahre 1444 erfolgte eine Absiedlung der Dominikanerinnen und eine Übernahme der Kirche und des Klosters durch Dominikaner, welche aus dem Stift Neukloster abgesiedelt wurden. Unter den Dominikanern erfolgt von 1450 bis 1475 mit dem Baumeister und Steinmetz Peter Pusika eine Erneuerung der Kirche und des Klosters. In den 1530er Jahren erging dem Dominikanerkloster der volle Untergang. 1544 wurde das Kloster Clarissinnen übergeben, welche vor den Türken aus Tyrnau hierher geflüchtet waren. 1452 bei der Belagerung der Festung Wiener Neustadt durch das Heer der österreichischen Stände erlitt die Kirche beim Wiener Tor Schäden. Das Clarissinnenkloster wurde 1574 aufgehoben, und die Kirche mit Kloster dem Bistum Wiener Neustadt unterstellt und 1626 inkorporiert. 1630 wurde die baufällige Kirche im Auftrag von Kardinal Khlesl renoviert. Der damalige Wappenstein Khlesls mit Inschrift im Chor ist verloren. 1768 entstanden an der Kirche durch ein Erdbeben schwere Schäden, weshalb die Kirche geschlossen und profaniert wurde. Beim Stadtbrand 1834 ist die Kirche ausgebrannt und die Gewölbe sind dabei eingestürzt. 1944 wurde das Klostergebäude in der Nutzung als Gasthaus Peterskeller durch Bombentreffer teilweise zerstört. Der erhaltengebliebene Kreuzgangstrakt des Klosters wurde von 1964 bis 1992 Sitz vom Stadtarchiv Wiener Neustadt. Von 1992 bis 1994 erfolgte ein Umbau des Altbaus durch den Baumeister Werner Nedoschill und der neuzeitliche Zubau durch den Baumeister Josef Panis. Von 1965 bis 1966 wurde das Kirchengebäude durch den Architekten Wilhelm Zotti renoviert. Vom 8. Mai bis 30. Oktober fand dort die 8. Niederösterreichische Landesausstellung Friedrich III. – Kaiserresidenz Wiener Neustadt statt.[1] Seitdem wird die Kirche für Ausstellungen genutzt.[2]

Langhaus zum Chor mit Achsknick
Sessionsnische im Chor

Bei Grabungen im Vorfeld geplanter Umbauarbeiten für die Niederösterreichische Landesausstellung 2019 mit dem Titel „Welt in Bewegung – Stadt.Geschichte.Mobilität“[3] stießen Archäologen im August 2016 auf zwei mittelalterliche Gräber.[4]

Architektur

Kirchenäußeres

Das 3jochige Langhaus mit einem eingezogenen gleich hohen 2jochigen Chor mit Fünfachtelschluss steht frei am Johannes-von-Nepomuk-Platz, an der Wiener Straße, und der Petersgasse und ist westlich mit dem ehemaligen Kloster und heutigen Stadtmuseum baulich verbunden. Die Strebepfeiler sind zweifach abgetreppt spitzkantig in eine Spitze gipfelnd wohl aus dem 3. Viertel des 14. Jahrhunderts und nördlich rundbogig übergiebelt mit je einem Wappenschild eines ehemals mit 1456 bezeichnet. Die südlichen Strebepfeiler wurden um 1458 an der zweiten Abtreppung mit einem wappenschildbesetzten Rundbogengiebel versehen, eines ehemals mit 1458 bezeichnet. Am Chorschlussstrebepfeiler ist ein von ehemals vier reliefierten Wappen mit der Darstellung eines Fisches erhalten. Die Kirche hat südlich und beim Chorschluss dreibahnige Maßwerkfenster, wohl aus dem 3. Viertel des 14. Jahrhunderts, wobei nach 1945 das Maßwerk erneuert wurde. Südseitig ist im 2. Joch des Langhauses ein bemerkenswertes spätgotisches Südportal, ehemals mit 1465 bezeichnet. Das Südportal ist in Österreich solitär ein rundbogiges, rechteckig gerahmtes und verstäbtes Portal mit Durchdringung der sphärisch und rechteckig verlaufenden Stäben. Über dem Portal sind in einem beinahe quadratischen Feld in zwei Zonen in einer engen Abfolge sieben Statuettennischen. Weiters finden sich Bogenansätze einer ehemals vorhandenen unterwölbten Schutzdachkonstruktion für das Portal. Die parallel zur ehemaligen Stadtmauer verlaufende Nordfront der Kirche ist fensterlos und hat am Langhaus eine erhöht liegende flachbogige Türöffnung und teils vermauerte Durchgänge in den Strebepfeilern welche wohl Reste des ehemaligen Wehrganges anzeigen.

Kircheninneres

Das hohe Langhaus und der eingezogene Chor wurde von 1965 bis 1966 mit einer flachen profilierten Betondecke abgedeckt. Auf allen Seiten sind noch Gewölbeschildbögen mit Schildrippen und geringe Gewölbereste des spätgotischen Kreuzrippengewölbes erhalten. In der westlichen Wand zum ehemaligen Kloster und heutigen Museum sind Gewändereste des ehemaligen rundbogigen gotischen Westportal erhalten, darüber auf der Höhe der ehemaligen Empore ein Rundbogenportal. Eine Öffnung zum östlichen Kreuzgangtrakt des ehemaligen Klosters wurde verglast und gibt eine wechselseitigen Einblick. Im 1. und 3. Joch des Langhaus sind nördlich schlichte Rundbogenportale zum ehemals nördlichen Anbau und Stadtmauernbereich. Im 2. Joch des Langhauses ist südlich das große Portal zur Petersgasse. Im Chor ist südlich eine 3achsige Sessionsnische aus dem 3. Viertel des 14. Jahrhunderts mit abgeschlagenem Maßwerk und Resten der Polychormierung. Nördlich im Chor sind Reste eines vermauerten Schulterportals, vermutlich ein ehemaliges Portal zur Sakristei aus dem 3. Viertel des 15. Jahrhunderts.

Literatur

  • Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Niederösterreich südlich der Donau 2003. Wiener Neustadt, Profanisierte Sakralbauten, St. Peter an der Sperr, Ehemalige Klosterkirche, Ehemaliges Klostergebäude, Ehemaliger Klostergarten, S. 2634–2636.

Kunstausstellungen

Plastik von Kurt Ingerl vor dem nördlichen Seiteneingang

Seit 1966 werden in der restaurierten Kirche Kunstausstellungen veranstaltet.[5]

2006
  • Claudia Presoly Die Befreiung
  • Markus Grabenwöger
  • Ona B. Das Ziel als mein Spiegel
  • Irene Trawöger / Oliver Strametz Ismus
2007
2008
2010
  • Michael Haas zum 100. Geburtstag
2012
2014
  • red & more
  • Ursula Heindl: Kulturdenkstätten, Sanchi, Foto Michael Goldgruber
  • Sylvia Kummer: relictum
  • Jörg Dobrovich
  • Wiener Neustädter Künstlervereinigung
  • Gesichtererzähler 20Vierzehn, Foto-Momente von Franz Baldauf[8]
2015
  Commons: St. Peter an der Sperr  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Geschichte Niederösterreich - Landeskunde. Abgerufen am 4. Jänner 2015.
  2. Ausstellungskirche St. Peter an der Sperr. Abgerufen am 4. Jänner 2015.
  3. orf.at: Landesausstellung heißt „Welt in Bewegung“. Artikel vom 19. Jänner 2018, abgerufen am 20. Jänner 2018.
  4. derStandard.at - Wiener Neustadt: Archäologen entdecken mittelalterlichen Klosterfriedhof. Artikel vom 26. August 2016, abgerufen am 28. August 2016.
  5. Wiener Neustadt Ausstellungen 2006 und 2007, Archiv, abgerufen am 28. Mai 2009
  6. Wiener Neustadt Ausstellungen 2008
  7. Vier Künstler in der Kunst vereint. Bezirkblätter Wiener Neustadt.
  8. Stadtmuseum Wiener Neustadt | St. Peter an der Sperr. Abgerufen am 4. Jänner 2015.