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vom 01.11.2017, aktuelle Version,

Stefan Soder

Stefan Soder (* 1975 in Kirchberg in Tirol) ist ein österreichischer Schriftsteller.

Leben

Stefan Soder wuchs in Brixen im Thale auf. Er studierte an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, wo er im Jahr 2000 das Wirtschaftsstudium abschloss. In seiner Diplomarbeit beschäftigte er sich mit der Zukunft der Tageszeitung angesichts neuer Medien. Nach dem Studium arbeitete er über zehn Jahre in verschiedenen Ländern für diverse Industriefirmen (zumeist als Freiberufler).

2015 veröffentlichte er seinen Debütroman Club[1] bei Braumüller. Darin werden zwei unterschiedliche Charaktere auf ihrem Weg in einen fiktiven Sterbeclub begleitet, in dem für wohlhabende Kunden das Ableben als Event zelebriert wird. 2017 erschien sein zweiter Roman Simonhof[2], ebenfalls bei Braumüller. In diesem wird die über vier Generationen reichende Geschichte eines Bergbauernhofes in den Alpen erzählt.

Stefan Soder ist Vater einer Tochter. Er lebt als freier Schriftsteller in Wien.

Romane und Erzählungen (Auswahl)

  • Auf meines betrunkenen Großvaters Schultern, Erzählung, Literatur und Kritik #489, 2014
  • Club, Roman, Braumüller, 2015[3]
  • Simonhof, Roman, Braumüller, 2017[4]
  • Wende im Spiel, Erzählung, Gegen den Ball – Wenn Autoren kicken, Sisyphus, 2017[5]

Rezeption, Presse

Das Wochenmagazin Profil meinte über den Roman Simonhof, Soder schreibe schnörkellos, aber nicht künstlich verknappt. Er erzähle einfach eine Geschichte – und die sei interessant genug.[6]

Anthon Thuswaldner schrieb in den Salzburger Nachrichten, so wie Stefan Soder die Zeitgeschichte ins Bild rücke, sei sie die große Menschenformerin. Keiner könne nicht nur aus seiner Haut, niemandem gelänge es obendrein, sich dem Zugriff seiner unmittelbaren Gegenwart zu entziehen. Es sei gut möglich, dass Soder auch so ein Trotzkopf sei wie die Figuren seines Romans. Der falle nämlich vollkommen aus dem, was gerade angesagt sei.[7]

Timo Brandt bezeichnete in Literatur und Kritik Simonhof als eine gelungene Erzählung von der Haltlosigkeit, die sich nicht aus dem Dasein verbannen lasse und der Entfernung, die sich zwischen allen Generationen, und oft schon zwischen zwei Menschen, die sich an einem Punkt nicht mehr verstünden, auftue. Soders Buch hinterlasse einen starken Eindruck. Man fühle sich danach, als hätte man den Ort, den Simonhof und die Umgebung, das Dorf, besucht und sei mit einem Mal von dem Geist aller Geschichten angeweht worden, die sich je dort zugetragen hätten.[8]

Helmuth Schönauer schrieb in der Neuen Südtiroler Tageszeitung von einer ergreifenden Alpensaga voller emotionaler Apps – zeitgenössisch und einleuchtend.[9]

Die Tiroler Tageszeitung meinte, Soder mache in seiner Erzählung klar, dass es Wurzeln gebe, die Menschen an einem Ort verankern. Er mache damit den Begriff „Heimat“ fernab von Deutschtümelei zu einem Gefühl, das schlicht ausdrücke: „Ich bin angekommen.“[10]

Soders Erstlingsroman Club sorgte für geringere und kritischere mediale Resonanz. Stefan Schmitzer rezensierte für das Literaturhaus Wien, ob Soders Roman als Meditation über die Ethik des Existenzialismus "funktioniert", sei als Frage an die Leser weiterzureichen. Als Spannungsroman mit untypisch nicht-trivialem Thema funktioniere "Club" leidlich – und das sei doch auch schon mal was.[11]

Die Wiener Zeitung[12] meinte, die Depressionslust, der der Autor verfalle, überzeuge nur bedingt.

Als 'Orgie mit Heidegger' titelte Stefan Schmitzer für das Literaturhaus Wien am 10. Dezember 2015 über den Roman. Er kritisierte als ärgerlich, dass Soder zu unrecht Rücksicht auf eine zu kurz angenommene Aufmerksamkeitsspanne des Publikums nehme. Ob Soders Roman als Meditation über die Ethik des Existenzialismus funktioniere, sei als Frage an die Leser weiterzureichen. Als Spannungsroman mit untypisch nicht-trivialem Thema funktioniere das Buch leidlich - und das sei doch auch schon mal was.

asphaltspuren.de bemerkte, Stefan Soder beweise auf 359 Seiten abwechslungsreich und fesselnd, dass es Geschichten gebe, die Gesellschaftskritik, Zynismus, Lebensphilosophie und den Wunsch nach Selbstbestimmtheit – insbesondere in Bezug auf das Ende des eigenen Lebens – wunderbar vereinen, ohne dabei belehrend oder auch nur ansatzweise einseitig zu sein.[13]

buchrezensionen.com fand, der Chiasmus, also die Überkreuzung, ihrer Entwicklungen wisse zu überzeugen: Einselber, ein Leben lang Vollblutneurotiker, der sich in seinen letzten Tagen gewaltigen Orgien hingebe, während Reiterer, sein bisheriges Leben lang überzeugter Kontrollverlierer, der angesichts der wohlhabenden sterbewilligen Eskapisten plötzlich Gefühle der Dankbarkeit und Verantwortung entwickle – das sei fantastisch inszeniert.[14]

Einzelnachweise

  1. Braumüller Literaturverlag. Abgerufen am 15. März 2017.
  2. Braumüller Literaturverlag. Abgerufen am 15. März 2017.
  3. Literaturhaus Wien: Soder_Club. Abgerufen am 17. Mai 2017.
  4. Literaturhaus Wien: Soder_Simonhof. Abgerufen am 17. Mai 2017.
  5. www.sisyphus.at | Gegen den Ball. Abgerufen am 17. Mai 2017 (englisch).
  6. Profil, 22.02.2017
  7. Salzburger Nachrichten, 13.05.2017
  8. Literatur und Kritik, #513
  9. Helmuth Schönauer, Neue Südtiroler Tageszeitung
  10. Tiroler Tageszeitung, 17.6.2017
  11. Stefan Schmitzer: Orgie mit Heidegger. Abgerufen am 29. August 2017.
  12. Wiener Zeitung, 6.9.2015
  13. Stefan Soder Club. Abgerufen am 29. August 2017.
  14. Rezension Stefan Soder - Club. Abgerufen am 29. August 2017.