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vom 27.05.2017, aktuelle Version,

Stiftskirche Admont

Stiftskirche Admont

Die römisch-katholische Stifts- und Pfarrkirche Admont des Benediktinerklosters Admont in Admont in der Obersteiermark wurde – nach dem großen Brand von 1865 – in den Jahren von 1865 bis 1869 über romanischen und gotischen Resten im neugotischen Stil wieder neu aufgebaut. Das Münster ist der erste neugotische Sakralbau Österreichs. Die beiden 73 und 74 Meter hohen Türme sind das Wahrzeichen des Admonttales. Sie ist dem hl. Blasius geweiht.

Baugeschichte

1865, als ein verheerender Brand große Teile des Marktes von Admont verwüstete, wurde auch ein Großteil der Abtei ein Raub der Flammen, darunter auch die Stiftskirche. Nach dem Brand wurden die Kirche und das Stift wieder aufgebaut, obwohl in vereinfachter Form. In den Jahren von 1866 bis 1869 vom Architekten Wilhelm Bücher, zum Teil auf den romanischen und gotischen Fundamenten, neu errichtet, ist sie dem Regensburger Dom nachempfunden, und der erste neugotische Sakralbau Österreichs. Am 12. September 1869 erfolgte unter Abt Zeno Müller die Kirchenweihe.

Fassadengestaltung

Die Westfassade zeigt Figuren des hl. Benedikt und der hl. Scholastika. Ein Spitzgiebel mit der Figur des Stiftspatrons, des hl. Blasius, bekrönt das Portal. Die romanischen Seitenportale an den Türmen stammen noch aus dem 12. Jahrhundert.

An der Nordseite des Langhauses ließ der Architekt karikierte Köpfe Kaiser Wilhelms I. und Bismarcks in Form von gotischen Wasserspeiern anbringen.

Interieur und Ausstattung

Blick in den Chor
Innenansicht gegen Westen
Marienkrönung, Teilansicht des mittleren Chorfensters

Das Admonter Münster gliedert sich in ein dreischiffiges Langhaus mit einschiffigem Chor. Die beiden Seitenschiffe weisen je fünf Seitenkapellen und je sechs Altäre auf.

Der Chorraum mit 7/12-Schluss wird von einem neugotischen Hochaltar aus Carraramarmor gekrönt, der eine Figur des Stiftspatrons, des hl. Blasius zeigt. Zugleich dient der Altar auch als Grabstätte für den Gründer des Klosters, Erzbischof Gebhard von Salzburg. Die Glasgemälde der Chorfenster von 1914 fertigte Franz Xaver Zeitler in München.

Den Altar umgeben Wandteppiche aus der Stickereischule von Frater Benno Haan O.S.B, die im frühen 18. Jahrhundert geschaffen wurden und vom großen Stiftsbrand verschont blieben. Die kunstvollen Teppiche sind in Hoch- und Flachstickerei gearbeitet, mit Äbtewappen, Darstellungen von Heiligen und einer bunten Vielfalt an Blumen- und Tiermotiven.

Im Chorbogen hängt ein überlebensgroßes, gotisches Kruzifix, das Andreas Lackner um 1518 zugeschrieben werden kann. Ebenso unter dem Chorbogen, neben dem Kreuzaltar, befindet sich eine Kopie der berühmten Admonter Madonna von ca. 1310 – das Original befindet sich im Landesmuseum Joanneum in Graz. Sehenswert ist weiters der Marienaltar, mit dem Marienbild der Maria Immaculata, geschaffen von Martino Altomonte im Jahre 1726. Das Bild ist umgeben von 15 geschnitzten Rosenkranzgeheimnissen des aus Graz stammenden Stiftbildhauers Josef Thaddäus Stammel (1695–1765).

In der Benediktuskapelle befindet sich ein barocker Corpus Christi aus der Werkstatt Johann Meinrad Guggenbichlers.

Eine der Seitenkapellen beherbergt die berühmte barocke Admonter Weihnachtskrippe von Josef Stammel. Stammel schnitzte die vielfigurige Szenerie Krippe um 1755/56. Sie steht im Schrein des Krippenaltars, der traditionell nur zur Weihnachtszeit (24. Dezember – 2. Februar) geöffnet ist. Die Krippe zählt zu den schönsten Österreichs.

Im Erdgeschoss des Nordturms befindet sich die Fatima-Kapelle, die den ältesten und noch romanischen Teil der Stiftskirche bildet. Sie beherbergt zwei Wandmalereien mit der Geburt Christi und der Himmelfahrt der Gottesmutter Maria sowie eine Fatima-Madonna.

Orgel

Die Rieger-Orgel im Admonter Münster
Hörbeispiel der Orgel

Den ersten Hinweis auf die Errichtung einer Orgel im Admonter Münster finden wir im Äbtekatalog unter der Zeit Abt Hartnids (1391–1411) „… organa diversa famata parat vice versa“.[1] Bekräftigt wird diese Annahme durch die Tatsache, dass in einer Petition des Klosters an den Heiligen Stuhl unter anderen Zeugen „Johannes, der Organist“ aufscheint.

Abt Valentin (1545–1568) knüpft sodann 1550 mit dem Orgelbauer Meister Jakob zu Zwettl Unterhandlungen an, um die Orgel der Klosterkirche, „welche samt einem Horn schier ganz darnider ligt“, reparieren zu lassen. [2]

1590 lässt Abt Johannes IV. eine kleine Orgel durch Georg Hackl aus Steyr anfertigen. 1619 rät ein Visitationsprotokoll, dass die zwei Orgeln „in eine zu vereinen“ wären. [3] Gegen Ende der Regierungszeit des Abtes Matthias (1615–1628) ist man wohl dieser Aufforderung nachgekommen, es wird für das Jahr 1627 der Bau einer großen Orgel erwähnt. Wie ein Vermerk an anderer Stelle vermuten lässt, hatte diese Orgel 15 Register. [4]

Unter Abt Raimund (1659–1675) wird auf dem Mönchschor aber bereits wieder ein Orgelpositiv gebaut, weiters 1711 eine Orgel mit 7 Registern für die Pfarrkirche St. Amand (heute „alte Pfarrkirche“ genannt) von Josef Ignaz Mayenberg errichtet.

1784 erbaute Franz Xaver Chrismann anstelle des kleinen Positivs eine bedeutende Orgel, ein Werk, das beim großen Brand im April 1865 gemeinsam mit der Orgel auf der Seitenempore ein Raub der Flammen wurde; der Überlieferung nach war diese neue Hauptorgel mit 44 Registern ein Lieblingswerk des Meisters.[5] Auch Otto Biba nennt sie „das vorzüglichste Werk des Abbate Chrismann, die ein völlig neues Orgelklangbild nach Österreich brachte“ [6]

Nach der Zerstörung der Chrismann-Orgel wurde 1870–1871 von Mathias II. Mauracher (er selbst nannte sich „Matthäus“ und wird auch in der Literatur häufig als „Matthäus der Ältere“ tituliert) ein neues Werk mit 3 Manualen und Pedal (42 Register) erbaut, das 1909 von seinem Sohn Matthäus II. Mauracher auf 61 Register erweitert wurde.[7]

Die heutige Orgel wurde im Jahre 1974 geweiht und ersetzte das im Laufe der Jahrzehnte schadhaft gewordene Mauracher-Werk. Anlass für den Neubau war auch die 900-Jahr-Feier des Stiftes.

Erbauer des neuen Instruments war die Vorarlberger Firma Rieger, die Disposition erstellte Hans Haselböck. Ganz in barocker Tradition verfügt die Orgel über eine rein mechanische Spiel- und Registertraktur. Um die Integration in den neugotischen Raum der Stiftskirche zu gewährleisten, wurde für die neue Orgel das Gehäuse der Mauracherorgel wiederverwendet.

In den Jahren 2014-2016 wurde das Werk von der Fa. Rieger technisch überarbeitet sowie teilweise die Intonation verbessert; auch wurde eine elektronische Setzeranlage eingebaut. Dabei blieb die mechanische Registertraktur erhalten; die Anzeige für die beiden Schweller ist nun auch im Display ersichtlich. Im Pedal wurde ein 32'-Register „Untersatz“ hinzugefügt, das in der großen Oktave ein kombiniertes Register aus dem vorhandenen Subbass-16' und einem neuen Quintbass-10 2/3' darstellt; weiters wurde im Brustwerk das Register Regal-16' auf 8' umgestellt (neue Pfeifen ab gis2). Im Zuge dieser Arbeiten wurden aus Platzgründen die Tritte für die feste Kombination und die Plenumtritte entfernt.

Das Instrument hat 53 Register (das sind rund 4.000 Pfeifen) auf drei Manualen und Pedal, und ist von einem festen Spieltisch mit mechanischer Traktur zu spielen.

I Hauptwerk C–g3
Quintade 16′
Principal 8′
Gemshorn 8′
Rohrflöte 8′
Octave 4′
Hohlflöte 4′
Gross Terz 315
Quinte 223
Superoctave 2′
Cornet V 8′
Mixtur major IV 2′
Mixtur minor IV 1′
Fagott 16′
Trompete 8′
II Schwellwerk C–g3
Spitzgedackt 16′
Flöte 8′
Bleigedackt 8′
Gamba 8′
Unda maris 8′
Principal 4′
Koppelflöte 4′
Salicet 4′
Nasat 223
Hohlflöte 2′
Terz 135
Mixtur VI 2′
Terzzimbel III 14
Fr. Trompete 8′
Oboe 8′
Trompete 4′
Tremulant
III Brustwerk (schwellbar) C–g3
Salicional 8′
Holzgedackt 8′
Principal 4′
Holzrohrflöte 4′
Sesquialter 223′+135
Gemshorn 2′
Quinte 113
Scharff IV 23
Regal 8′ (seit 2014, davor 16')
Krummhorn 8′
Tremulant
Pedal C–f1
Untersatz 32′ (seit 2014; große Oktave akustisch)
Principal 16′
Subbaß 16′
Octave 8′
Rohrgedackt 8′
Octave 4′
Nachthorn 4′
Rohrschelle 2′
Mixtur IV 223
Contrafagott 32′
Bombarde 16′
Posaune 8′
Schalmei 4′
  • Koppeln (als Zug und Tritt): II/I, III/I, III/II, III/P, II/P, I/P.
  • Spielhilfen:
    • elektronische Setzeranlage mit Sequenzern für Hand- und Fuss-Betätigung (seit 2014)
    • 1 freie Kombination (mechanisch) jeweils für I/P und II/III (bis 2014)
    • 2 Plenumtritte für I/P und II/III (bis 2014)
    • 2 Auslöser für I/P und II/III (bis 2014)

Geläut

Insgesamt hängen in den beiden Kirchtürmen sieben Glocken (vier im Südturm und drei im Nordturm), gegossen von der Glockengießerei St. Florian in den Jahren 1950 (Glocken 1–5) und 1948 (Glocken 6–7):[8]

  • Blaserin: 176 cm, 3170 kg, b° (Nordturm);
  • Muttergottesglocke: 148 cm, 1843 kg, des′ (Südturm);
  • Benediktusglocke: 130 cm, 1297 kg, es′ (Südturm);
  • Hemmaglocke: 111 cm, 794 kg, ges′ (Nordturm);
  • Gebhardglocke: 99 cm, 578 kg, as′ (Nordturm);
  • Josefsglocke: 88 cm, 410 kg, b′ (Südturm);
  • Amand- und Erhardglocke: 74 cm, 250 kg, des′′ (Südturm).
  Commons: Stiftskirche Admont  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Uwe Pape: Die Orgeln in der Stiftskirche Admont. In: Pape Orgelprofile, 1 (1978), S. 2f.
  2. ebda.
  3. Visitationsakten im Stiftsarchiv Admont
  4. Artikel „Die Orgeln in der Stiftskirche Admont“, S. 2f.
  5. Artikel „Crisman, Franz Xaver“ von Carl Ferdinand Pohl in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 139–140
  6. Artikel „Die Orgeln in der Stiftskirche Admont“, S. 2f.
  7. Artikel „Die Orgelbauerfamilie Mauracher“ in: Die Mauracher-Orgel (1890) im Kleinen Michel, Hamburg (2007), S. 4-5
  8. Rudolf List, Stift Admont 1074–1974, S. 463