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vom 20.02.2017, aktuelle Version,

Tatort: Grenzfall

Folge der Reihe Tatort
Originaltitel Grenzfall
Produktionsland Österreich
Originalsprache Deutsch
Produktions-
unternehmen
ORF
Einordnung Folge 938 (Liste)
Erstausstrahlung 8. März 2015
Stab
Regie Rupert Henning
Drehbuch Rupert Henning
Produktion Helmut Grasser
Musik Kyrre Kvam
Kamera Josef Mittendorfer
Schnitt Britta Nahler
Besetzung

Grenzfall ist ein Fernsehfilm aus der Krimireihe Tatort, der erstmals am 8. März 2015 ausgestrahlt wurde. Es ist die 938. Folge der Reihe, der 35. Fall des österreichischen Ermittlers Moritz Eisner und der elfte Fall des Ermittlerteams Eisner/Fellner. Die Handlung der Folge lehnt sich an einen wahren Fall an.[1]

Handlung

In den 1960er Jahren ist ein junger Mann an der Grenze zur Tschechoslowakei verschwunden: Er kam vom Fischen mit einem Freund nicht zurück. Jahrzehnte später rollt der Journalist Max Ryba die Geschichte wieder auf – der Vermisste war sein Vater. Anlass dafür ist der Tod Rybas Mutter, der Ehefrau des 1968 Verschwundenen.

Gleichzeitig wird die Leiche des anscheinend beim Kajakfahren verunglückten 45-jährigen Tschechen Jiří Radok aus der Thaya, dem Grenzfluss zur damaligen Tschechoslowakei, geborgen. Bei der Aufklärung des Todes Radoks begegnet das Ermittlerteam Eisner und Fellner Max Ryba und sie stoßen auf Parallelen zu dessen privaten Nachforschungen: Der tote Kajakfahrer Jiří Radok wurde offenbar ermordet und war kein Unfallopfer; er arbeitete für den tschechischen Geheimdienst, ebenso wie früher dessen Vater Jaroslav Radok. Bei Konsultationen mit den tschechischen Behörden stellt sich heraus, dass dieser zum Zeitpunkt der damaligen Ereignisse Führungsoffizier von drei Agenten in der Gegend war, von denen jedoch nur die Decknamen aktenkundig sind.

Bei gleichzeitig am Ufer der Thaya stattfindenden steinzeitlichen Ausgrabungen findet ein Mitarbeiter ein Projektil einer tschechoslowakischen Ordonnanzwaffe neben einem vergrabenen toten Hund. Im Laufe des Falles stellt sich heraus, dass dieser tote Hund zufällig an der archäologischen Fundstelle verscharrt wurde und damals treuer Begleiter des verschwundenen Vaters von Max Ryba war. Des Weiteren gibt sich Fritz Gassinger, ein Freund von Rybas Vater, der in der besagten Nacht im Jahr 1968 mit diesem Fischen war, sehr geheimnisvoll. Schließlich findet Max Ryba zerknüllte Papiere, auf denen Fritz Gassinger diesem etwas gestehen möchte.

Das Puzzle setzt sich zusammen, als Bibi Fellner Fritz Gassinger, auf den ein Mordversuch durch einen Kampfschwimmer ausgeübt wird, im letzten Moment vor dem Tod in der Thaya rettet. Der Kampfschwimmer wird dabei von Eisner erschossen. Sie finden heraus, dass die Familie des jetzigen Öko-Unternehmers und Nationalratsabgeordneten Josef Karger vorhatte, Gassinger umzubringen: Grund dafür war, dass weder die Ermittler noch Max Ryba das Geheimnis um die mysteriöse Nacht in 1968 aufdecken sollten, wozu der letzte lebende Zeuge Fritz Gassinger auch zum Schweigen gebracht werden musste.

Max Rybas verschwundener Vater, Fritz Gassinger und Josef Karger betätigten sich in den 1960er Jahren als vom tschechischen Geheimdienst angeheuerte Spitzel. Rybas Vater wurde damals schließlich von den tschechischen Grenztruppen umgebracht, weil er sich weigerte, weiter für den Geheimdienst zu arbeiten. Die Decknamen aus den Akten Jaroslav Radoks lassen sich nun diesen drei Personen zuordnen.

Jiří Radok erpresste die angesehene Familie Karger mit dem Wissen um den damaligen Landesverrat, das er aus den Geheimdienstakten seines Vaters hatte. Dani Karger, die Frau von Josef Karger, hatte daher ihren Neffen, einen ehemaligen Elitesoldaten des Jagdkommandos, mit dem Mord an dem Erpresser – getarnt als Kajakunfall – beauftragt. Als absehbar wurde, dass auch Fritz Gassinger dem Druck durch die polizeilichen Ermittlungen und den Nachforschungen Max Rybas nicht standhalten würde und er die gemeinsame dunkle Vergangenheit der drei Freunde als Spione offenlegen könnte, wurde der Auftragskiller von Dani Karger auch auf ihn angesetzt. Dies scheiterte jedoch durch das Eingreifen von Eisner und Fellner.

Hintergrund

Der Film wurde vom 12. Juni 2014 bis 11. Juli 2014 im Waldviertel unter anderem an Drehorten im Thayatal bei Hardegg, Kollmitzgraben und bei Raabs gedreht.[2][3]

Der Radiojournalist Ernst Weber recherchierte die Historie des Walter Wawra junior aus Rabensburg an der Thaya. Unter dem Titel „Tod an der Grenze“ setzte er die Geschichte der vermissten Fischer im ORF Radio Ö1 in der Sendereihe "Hörbilder" um.[1] Für das tschechische Fernsehen wurde eine Dokumentation über das Schicksal des Vaters von Walter Wawra produziert, auf dem die Handlung der Tatort-Folge beruht.[1] Harald Krassnitzer, Hauptdarsteller des Ermittlerteams, hörte den Radiobeitrag und bemühte sich um die filmische Umsetzung.[1]

In der Folge Grenzfall wird die Operation Grenzstein im Grenzgebiet zu Österreich thematisiert, wenngleich sie historisch inkorrekt in die Zeit des Prager Frühlings eingebettet wird.[4][5]

Rezeption

Einschaltquoten

Die Erstausstrahlung von Grenzfall am 8. März 2015 wurde in Deutschland von 9,59 Millionen Zuschauern gesehen und erreichte einen Marktanteil von 26,9 % für Das Erste.[6]

Kritiken

„Diese wunderbare Wiener Sprachmusik! Ein Reigen der Stummelsätze, der schwungvoll ist und doch bedrohlich, fügt sich gut in den außergewöhnlich opulenten Score von Kyrre Kvam, der für viele Szenen sehr eigene, oft beschwingte Musik komponiert hat. Sie trägt den Zuschauer auch über die Logiklöcher in diesem zuweilen sehr lässig zusammengeschaufelten Ausgrabungs-'Tatort'.“

„Eisner und Fellner granteln inzwischen nicht mehr, sie reden über die Grantelei, etwas Beiläufiges ist da verloren gegangen. Sobald man weiß, was man kann, reitet man es zu Tode. In dieser Episode ist praktisch jede Nebenfigur so liebevoll ausgemalt, dass es in der Summe wie eine Nummernrevue rüberkommt. Jeder Mensch ein Kauz. […] So viele Ideen. Aber wie immer gilt auch hier: Überfüttern verboten.“

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Frankfurter Allgemeine Zeitung: Wiener Tatort „Grenzfall“ im Realitäts-Check – FAZ.NET-Tatortsicherung: Todesfluss Thaya?, Jonas Jansen, 8. März 2015
  2. Tatort: Grenzfall bei crew united
  3. Mitteilung des Nationalparkes Thayatal, abgerufen am 26. März 2015
  4. Stern: „Tatort“-Kritik: Vor lauter Gehopse die Geschichte vergessen, Sophie Albers Ben Chamo, 8. März 2015
  5. Bild: „Tatort“-Inspektor | Gab es die falsche Tschechen-Grenze wirklich?, Nicole Richter, Lena Kappei, 8. März 2015
  6. Fabian Riedner: Primetime-Check: Sonntag, 8. März 2015. Quotenmeter.de, 9. März 2015, abgerufen am 9. März 2015.
  7. Christian Buß: Wien-„Tatort“ mit Eisner und Fellner. Wie aus dem Kinderbuch, diese Polizisten! Spiegel Online, 6. März 2015, abgerufen am 6. März 2015: „Ein "Tatort" mit schwacher Story und famosen Dialogen.“
  8. Holger Gertz: Jeder Mensch ein Kauz. In: Medien. Süddeutsche Zeitung, 8. März 2015, abgerufen am 8. März 2015.