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vom 23.03.2020, aktuelle Version,

Theoderich Hagn

Theoderich (Theodorich) Georg Hagn (* 23. März 1816 in Untergriesbach; † 29. August 1872 in Lambach) war Benediktiner und von 1858 bis 1872 Abt des Stiftes Lambach.

Leben

Goerg Hagn wird am 23. März 1816 um 3 Uhr früh als Sohn der ledigen Griesbacher Bader- und Chirurgentochter Josepha Popp in Untergriesbach Nr. 80 (heute Marktstraße 23) in Bayern geboren. Sein Vater war der ledige Hafnergeselle Mathias Hag(e)n aus aus Obernzell bei Passau. Die ersten beiden Lebensjahre verbringt Georg bei seiner Mutter in ihrem Elternhaus bis die Eltern 1818 in der oberösterreichischen Hofmark Kasten an der Donau ein kleines landwirtschaftliches Anwesen mit Töpfergerechtsame erwerben. Die Eltern heiraten am 21. April 1818 in der Pfarrkirche von Vichtenstein und legitimieren damit ihren Erstgeborenen, dem noch 13 weitere Geschwister folgen werden. Die Volksschule besucht er in Griesbach, Obernzell und Vichtenstein. Ab Herbst 1828 wechselt er nach Linz, wo er sich den humanistischen Studien widmet. Mit vortrefflichen Zeugnissen vollendet er 1834 das Gymnasium und studiert zwei Jahre lang mit glänzenden Prüfungserfolgen Philosophie am Linzer Lyzeum. Am 21. September 1836 wird er im Benediktinerstift Kremsmünster eingekleidet, studiert 1837–1840 in Linz Theologie und bindet sich am 29. September 1840 in der ewigen Profess mit dem Klosternamen Theodorich an die Klostergemeinschaft. Am 24. Juli 1841 erhält er in Linz die Priesterweihe und feiert am 10. August in Obernzell bei Passau seine Primiz. Ab 1841 wirkte er in Kremsmünster als Archivar, ab 1846 als Kustos der Stiftskirche und ab 1850 bis zu seiner Ernennung zum Abt von Lambach als Novizenmeister.

Von 1857 bis 1859 begleitet er Kardinal Friedrich zu Schwarzenberg als Sekretär bei der Apostolischen Visitation der österreichischen Benediktinerklöster. Gegen den Willen der Lambacher Mönche ernennt Kardinal Schwarzenberg seinen Sekretär am 8. September 1858 zum Abt des Benediktinerstiftes Lambach. Am 13. Dezember 1858 bestätigt der Apostolischen Stuhl die Ernennung, woraufhin sich der gesamte Lambacher Konvent aus Protest säkularisieren läßt. Am 17. März 1859 in Lambach zum Abt geweiht, beabsichtigt Abt Theoderich mit Mönchen aus anderen Klöstern und Ordensgemeinschaften (St. Bonifaz in München, Metten, Kremsmünster, Pannonhalma in Ungarn, Stams, St. Florian) das monastische Leben wiederzubeleben und in Lambach ein Reformkloster zu errichten. Ab 1859 läßt er die wichtigsten Klosterräume restaurieren (Refektorium, Loreto- und Sakramentskapelle, Winterchor, Kapitelsaal, Ambulatorium, Kreuzgang), legt einen Konventfriedhof im Kreuzgang an und vergrößert den Bibliotheksbestand. Zur Verbesserung der Seelsorge belebt er alte Vereine und gründet neue (1863 die Bruderschaft von der ewigen Anbetung, 1877 die Erzbruderschaft sowie die Rosenkranz- und Loretobruderschaft). Im Jahr 1861 kauft er den Niederhof in Mayrlambach, gründet eine Sparkasse in Lambach sowie eine Künstlerschule und ein Sängerknabeninstitut im Stift. Zudem holt er 1864 Borromäerinnen aus Prag nach Stadl-Paura und unterstützt die Gründung des Klosters Nazareth.

Obwohl Abt Theoderich aufgrund der strengeren Klosterdisziplin nach außen hin wenig in Erscheinung tritt, wird er dennoch zweimal in den Lambacher Gemeindeausschuss gewählt. Gezeichnet von den Schwierigkeiten, stirbt er verbittert und vergrämt am 29. August 1872 um 23.30 Uhr im Stift Lambach an einer Herzbeutelentzündung. Seine letzte Ruhestätte findet er im Konventfriedhof. Sein Nachfolger wird der ehemalige Stamser Zisterzienser und Theologieprofessor Johannes Lasser von Zollheim, der sein Reformwerk weiterführen wird.

Literatur

  • Helmut Stadlthanner: Ein Bayerwälder als Reformator. Lebensbild von Theoderich Hagn OSB. In: Ostbairische Grenzmarken 9 (1967), S. 250–252.
  • Heiner Köberl: Theodorich Hagn (1816-1872). Ein Untergriesbacher als Reformabt des Benediktinerklosters Lambach, in: Pfarrbrief für Pfingsten der Pfarrei St. Michael in Untergriesbach (Nr. 2/2013), vom 19. Mai bis 28. Juli 2013.
  • Hagn Theoderich. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 2, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1959, S. 146.
  • Theoderich Hagn in der Biographia Benedictina (Benediktinerlexikon.de), Version vom 21. April 2017
  • Altman Kellner: Profeßbuch des Stiftes Kremsmünster, Klagenfurt 1968, S. 418 f.
  • Franz Trefflinger: Beiträge zu einer Biographie des Abtes Theodorich Hagn von Lambach (1816-1872). Dissertation, Innsbruck 1967.
  • Arno Eilenstein: Die Benediktinerabtei Lambach in Österreich ob der Enns und ihre Mönche, Linz 1936, S. 8, 94 f.
  • Theodorich Hagn: Die vorzüglichsten Leistungen der Abtei Kremsmünster. Ein Beitrag zur Klosterfrage, Linz 1848.
  • Theodorich Hagn: Ueber den Benedictiner-Orden. Unbefangenen Staatsbürgern vorgelegt, Wien 1848.
  • Theodorich Hagn: Das Wirken der Benediktiner-Abtei Kremsmünster für Wissenschaft, Kunst und Jugendbildung. Ein Beitrag zur Literatur- und Kulturgeschichte Österreichs, Linz 1848.
  • Theodorich Hagn: Urkundenbuch fuer die Geschichte des Benedictiner Stiftes Kremsmuenster, seiner Pfarreien und Besitzungen vom Jahre 777 bis 1400, Wien 1852.
  • Theodorich Hagn: Urkundenbuch für die Geschichte des Benedictinerstiftes Kremsmünster, seiner Pfarreien und Besitzungen vom Jahre 777 bis 1748, Wien 1853.
  • Theodorich Hagn: Necrologium Cremifanense seu perscriptio Religiosorum in Monasterio Cremifanensi O.S.B. Austriae superioris ab anno 1600 usque 1857 defunctorum, Wien 1858.
  • Theodorich Hagn: Ordensstand und Klöster. Zur Aufklärung, Wien, Gran 1868.