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vom 16.12.2017, aktuelle Version,

Theodor von Kathrein

Theodor von Kathrein – Bild im Rokokosaal des alten Landhauses in Innsbruck

Theodor Freiherr von Kathrein (* 25. März 1842 in Salurn, Südtirol; † 2. Oktober 1916 in Innsbruck) war österreichischer Politiker (Konservative Partei) und Landeshauptmann des Kronlandes Tirol von 1904 bis zu seinem Tod.

Biografie

Theodor Kathrein wurde in Salurn als Sohn eines aus dem Oberinntal stammenden Lehrers geboren und besuchte in Bozen und Trient das Gymnasium. Danach studierte er an der Universität Innsbruck Jus. Seit 1865 war er Mitglied der katholischen Studentenverbindung AV Austria Innsbruck. 1878 eröffnete er als Advokat (so die damalige Bezeichnung für Rechtsanwalt) seine Kanzlei in Hall in Tirol, wo er 1895 zum Bürgermeister gewählt wurde.

Kathrein gelangte am 22. Jänner 1884 als Ersatz für einen zurückgetretenen Tiroler in das Abgeordnetenhaus des Reichsrats.[1] Vom 6. April bis zum 26. Oktober 1897 (Rücktritt) fungierte er als gewählter Präsident des Abgeordnetenhauses.[2][3] Er trat in einer Phase vom Präsidentenamt zurück, in der im Abgeordnetenhaus heftig, unter anderem um die Geschäftsordnung, gestritten wurde: In der Folge kam es zu Tumulten, zum Einschreiten der Sicherheitswache und zum zeitweiligen Ausschluss einiger Abgeordneter. Am 28. November 1897 wurde der Reichsrat vom Kaiser bis auf weiteres vertagt. Kathrein blieb bis 1907 Reichsratsabgeordneter; er gehörte dem Haus in fünf Legislaturperioden bzw. neun Sessionen an.

Er hat wie kaum ein anderer Tiroler Politiker Einfluss auf die Wiener Zentralbürokratie und selbst auf Kaiser Franz Joseph genommen. Als Landtagsabgeordneter seit 1883 und Tiroler Landeshauptmann von 1904 bis zu seinem Tod setzte er sich erfolglos für die Autonomie Welschtirols ein und für den Ausgleich zwischen den Konservativen und den Christlichsozialen.[4]

1907 wurde er als Nichtadeliger vom Kaiser auf Lebensdauer in das Herrenhaus des Reichsrats berufen.[5] Am 22. Jänner 1910 wurde ihm vom Kaiser aus Anlaß der Jahrhundertfeier in Tirol der Freiherrnstand verliehen.[6]

Kathrein starb in seiner Amtszeit als Landeshauptmann während des Ersten Weltkriegs am 2. Oktober 1916 in Innsbruck.

Einzelnachweise

  1. Stenographische Protokolle. Haus der Abgeordneten. 320. Sitzung der IX. Session am 22. Jänner 1884, S. 11073
  2. Stenographische Protokolle. Haus der Abgeordneten. 3. Sitzung der XII. Session am 6. April 1897
  3. Michael Forcher, Hans Karl Peterlini: Südtirol in Geschichte und Gegenwart. Haymon, Innsbruck 2010, ISBN 978-3-85218-636-8, S. 206–207
  4. Universitätsverlag Wagner, besucht am 2. Oktober 2010
  5. Österreichische Nationalbibliothek - Bildarchiv Austria, besucht am 2. Oktober 2010
  6. Allerhöchste Entschließung vom 22. Jänner 1910, in: Tageszeitung Wiener Zeitung, Wien, Nr. 20, 26. Jänner 1910, S. 1, Amtlicher Teil

Literatur

  • Richard Schober: Theodor Freiherr von Kathrein. (1842–1916). Landeshauptmann von Tirol. Briefe und Dokumente zur katholisch-konservativen Politik um die Jahrhundertwende (= Veröffentlichungen des Tiroler Landesarchivs. 7). Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 1992, ISBN 3-7030-0243-3.
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