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vom 16.05.2018, aktuelle Version,

Vier Pfoten

Vier Pfoten International
Gründung 1988, Wien
Gründer Helmut Dungler
Sitz Wien
Personen Helmut Dungler (Präsident), Josef Pfabigan (Geschäftsführer)
Aktionsraum weltweit
Schwerpunkt Tierschutz für Wild-, Haus- und Nutztiere
Methode Direkthilfe, Kriseneinsatz, Lobbyismus, Öffentlichkeitsarbeit, Richtlinienentwicklung
Motto Mehr Menschlichkeit für Tiere
Website www.vier-pfoten.org

Vier Pfoten International gemeinnützige Privatstiftung ist eine international tätige, österreichische Tierrechts- und Tierschutzorganisation mit dem Anspruch, über Kampagnen und Projekte Tieren zu helfen. Sie finanziert sich überwiegend aus Spenden.

Geschichte

Die Organisation wurde am 4. März 1988 von Helmut Dungler in Wien als eingetragener Verein gegründet und umfasst heute neben der Dachorganisation in Wien Länderbüros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Ungarn und der Ukraine.

In allen Ländern wurde der Verein inzwischen in eine Stiftung umgewandelt.

Projekte

Bären

Vier Pfoten betreibt fünf Bärenschutzzentren in Europa und eines in Asien. Die Zentren sind so gestaltet, dass die Bären Gelegenheit haben, sich zurückzuziehen, um den Parkbesuchern und auch einander aus dem Weg zu gehen. Zudem ist die ihnen zur Verfügung stehende Fläche sehr naturbelassen gestaltet. Viele der Braunbären haben in den Schutzzentren zu ihrem natürlichen Verhalten zurückgefunden und sind zum ersten Mal in Winterruhe gegangen.

Das erste Projekt für Bären war der Bärenwald Arbesbach in Niederösterreich, der 1998 eröffnet wurde. Dort leben heute auf 14.000 Quadratmetern sieben Braunbären. Auch Mabu, Österreichs letzter Tanzbär, wurde in Arbesbach untergebracht.[1]

In Deutschland leben im 2007 gegründeten Bärenwald Müritz [2] bei Stuer im Jahr 2018 insgesamt 16 Braunbären auf 16 Hektar Platz. Die Tiere wurden von Vier Pfoten aus Zirkussen, schlechter privater Haltung oder aus Zoos im In- und Ausland gerettet.[3] Einer der bekanntesten Bewohner war Braunbärin Hanna aus dem Zoo Wolgast, die lange für Hannes, also ein Männchen gehalten wurde.[4][5]

Ein weiteres Projekt ist der Tanzbärenpark Belitsa in Bulgarien, der im Jahr 2000 von Vier Pfoten gemeinsam mit der Brigitte-Bardot-Stiftung eröffnet und 2004 erweitert wurde. Die letzten drei Braunbären konnten 2007 in den Bärenpark übersiedeln. Mit der Übernahme aller bulgarischen Tanzbären und nach Gesprächen mit der bulgarischen Regierung gelang es Vier Pfoten die Tanzbärenhaltung in Bulgarien zu beenden.

Im 2013 gegründeten Bärenwald Prishtina in der Republik Kosovo haben 13 sogenannte "Restaurantbären" Platz gefunden. Die Braunbären wurden neben Restaurants in engen Metallkäfigen gehalten, um Touristen anzulocken. Die Stadt Prishtina hatte das Land für den Bärenpark zur Verfügung gestellt. So konnte das gesetzliche Verbot der privaten Bärenhaltung, das bereits 2010 in Kraft getreten war, 2013 endlich durchgesetzt werden.[6]

Im Bärenwald Domazhyr in der Ukraine finden Bären eine Zuflucht, die für illegale Hundekämpfe missbraucht wurden.

Der Bärenwald Ninh Binh in Vietnam wurde 2017 eröffnet, er bietet speziell Kragenbären Schutz, die auf Gallebären-Farmen in winzigen Gitterkäfigen gehalten werden. [7]

In der Schweiz befindet sich das Bärenland Arosa im Aufbau. Die Eröffnung und der Einzug des ersten Bärens ist für Mitte 2018 geplant. [8]

Sonstige Projekte

Kritik

Eine kritische Stellungnahme zu Vier Pfoten findet sich in einem im Mai 2008 von Stefan Loipfinger veröffentlichten Artikel Aggressive Tierschutzwerbung – Zu wenig Geld für Projekte von Vier Pfoten.[9]

Im März 2010 kritisierte Alex Reichmuth in einem Artikel der Schweizer Weltwoche Vier Pfoten: Ehemalige Mitarbeiter warfen der Schweizer Sektion der Organisation Ineffizienz und Intransparenz vor, so würden fachlich wenig kompetente Mitarbeiter eingestellt. Weiters würde ein großer Teil der Spendengelder für ihrer Meinung nach ineffiziente Kampagnen verwendet, anstatt in nachhaltigen Tierschutz investiert zu werden. Ebenso würden andere Tierschutzorganisationen Vier Pfoten kritisch beurteilen. Unter anderem würde in Frage gestellt, ob die Organisation mit ihren Methoden den Tieren nachhaltig nützen könne. Bei der Organisation stehe «das Spektakel vor der Sache».[10] Die Organisation wies diese Vorwürfe unter Androhung rechtlicher Schritte zurück.[10][11]

In Deutschland untersuchte die Stiftung Warentest im November 2013 zahlreiche Organisationen aus den Bereichen Tier- und Naturschutz. Vier Pfoten Deutschland wurde dabei als unwirtschaftliche Organisation eingestuft. „Nicht einmal die Hälfte der Ausgaben floss laut Geschäftsbericht 2012 in Projekte und Kampagnen“ der Organisation.[12] Dem widersprach Vier Pfoten Deutschland in einer Pressemitteilung und wies darauf hin, dass mehr als 65 Prozent der Ausgaben für den Satzungszweck aufgewendet würden und damit das Kriterium der Wirtschaftlichkeit erfüllt sei.[13]

Einzelnachweise

  1. News-Bericht den Bärenwald Arbesbach
  2. Josefine von Zastrow: Der Bärenwald Müritz wird „Brunos“ neues Zuhause In: Lübecker Nachrichten vom 18. Mai 2011, S. 11
  3. Thomas Hahn: Problembären. In: sueddeutsche.de. 19. August 2016, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 11. Mai 2018]).
  4. WELT: Bärenwald Müritz verliert Bärin Hanna. In: DIE WELT. 9. Mai 2018 (welt.de [abgerufen am 11. Mai 2018]).
  5. Berlin: Nach 22 Jahren erfuhr Bär Hannes, dass er eine Hanna ist. In: bild.de. (bild.de [abgerufen am 11. Mai 2018]).
  6. Christiane Flechtner: Die Hölle für Braunbären hinter Käfiggittern. (derwesten.de [abgerufen am 11. Mai 2018]).
  7. Grausames Video: „Vier Pfoten“ enthüllt schockierende Aufnahmen aus Gallebär-Farmen. In: Berliner-Kurier.de. (berliner-kurier.de [abgerufen am 11. Mai 2018]).
  8. Serbischer Zirkusbär zieht ins Bärenland von Arosa ein | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 15. April 2018, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 11. Mai 2018]).
  9. Stefan Loipfinger: Aggressive Tierschutzwerbung - Zu wenig Geld für Projekte von Vier Pfoten auf charity-watch.de
  10. 1 2 Alex Reichmuth: Pfoten auf Abwegen. In: Die Weltwoche Ausgabe 12/10 vom 24. März 2010; http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2010-12/artikel-2010-12-pfoten-auf-abwegen.html (Memento vom 27. März 2010 im Internet Archive)
  11. Vier Pfoten weist Kritik energisch zurück
  12. Spendenorganisationen im Test der Stiftung Warentest In: test 12/2013, S. 11 und test.de vom 26. November 2013.
  13. Pressemitteilung von Vier Pfoten vom 30. November 2013