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vom 10.03.2017, aktuelle Version,

Waidhofener Verband

Bünde des Waidhofener Verbandes

Der Waidhofener Verband der wehrhaften Vereine Deutscher Studenten in der Ostmark (WV) war ein Korporationsverband deutsch-völkischer Studentenverbindungen in Österreich. Er bestand von 1890 bis 1938 und war maßgeblich an der Entstehung und Formulierung des antisemitischen Waidhofener Prinzips beteiligt. Mit dem Bund deutscher Studenten bestand bis 2004 ein Nachfolger.[1]

Geschichte

Geschichte des Waidhofener Verbandes mit Vorgänger- und Nachfolgeorganisationen

Im ideologischen Umfeld Georg von Schönerers gründete sich 1885 der Vereins-Delegierten-Convent als Zusammenschluss von Wiener Studentenvereinen.[A 1] In den Folgejahren traten weitere Vereine bei, spalteten sich in einen eigenen Verband ab und schlossen sich schließlich am 24. Mai 1890 in Waidhofen an der Ybbs im Waidhofener Verband der wehrhaften Vereine deutscher Studenten in der Ostmark zusammen.[2] Im März 1896 führte der WV das Waidhofener Prinzip ein, an dessen Formulierung verschiedene Mitgliedsvereine des WV maßgeblich beteiligt waren. Als Reaktion wurde im Mai 1896 der Verband durch die staatlichen Behörden aufgelöst.[3] Im Jahr 1912 wurde der WV mit dem Landsmannschaftlichen Verband wehrhafter Vereine deutscher Studenten aus den Sudetenländern zusammengeführt, trennte sich 1913 wieder, um sich 1919 erneut zusammenzuschließen, diesmal unter dem Namen Deutsche Vereinsstudentenschaft in der Ostmark. Es folgten weitere Umbenennungen und Abspaltungen, die am 17. Juni 1927 in der Wiederbegründung als Waidhofener Verband mündeten. Im Jahr 1931 fusionierte der WV mit der Deutschen Grenzmannschaft, war ab 1936 wieder eigenständig und löste sich schließlich am 17. März 1938 auf, wenige Tage nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich.

Mitglieder

Personen der Waidhofener Zeit

Mitgliedsverbindungen und -vereine

Dem WV gehörten folgende Verbindungen und Vereine an:[2]

Brünn

  • V.D.St. „Sudetia“
  • V.D.St. „Cheruscia“
  • V.D.St. „Zips“

Graz

  • Graecensia
  • Oberösterreicher und Salzburger Studenten (später Burschenschaft Ostmark in der DBÖ, 1956 vertagt)
  • Tauriska (heute: Akademische Sängerschaft Tauriska zu Klagenfurt im VTaK)
  • Techniker-Club (aufgegangen in der Akademischen Burschenschaft Allemannia Graz in der DB)
  • Tiroler Hochschüler (heute: fusioniert mit der Grazer akademischen Burschenschaft Cheruskia in der DB)

Innsbruck

Leoben

  • Cruxia (heute: Leobner akademische Burschenschaft Cruxia in der DB)
  • Deutscher Leseverein, ab 1902 VDSt Erz (heute: Corps Erz im KSCV)

Prag

Saxonia Prag
  • Asciburgia (heute: Verein deutscher Studenten Asciburgia zu Mainz)
  • Böhmerwald (heute: Alte Prager Landsmannschaft Böhmerwald zu Linz im CC)
  • Egerländer Landtag (fusioniert mit Oppavia Prag zu Alte Prager Landsmannschaft Egerländer Landtag et Oppavia im CC, seit 1998 vertagt)
  • Franken (aufgegangen in der Burschenschaft Arminia, der heutigen Münchener Burschenschaft Arminia-Rhenania)
  • Grube (Verein Deutscher Hochschüler an der Bergakademie Příbram, zum Teil aufgegangen im Verein Deutscher Studenten Aachen-Breslau II im VVDSt)
  • Nordmährer zu Prag u. Wien (nach der Fusion mit dem Verein Deutscher Studenten Sudetia heute Verein Deutscher Studenten Sudetia zu Wien und München im VTaK)
  • Oppavia zu Prag u. Wien (fusioniert mit Egerländer Landtag zu Alte Prager Landsmannschaft Egerländer Landtag et Oppavia zu München im CC, seit 1998 vertagt)
  • Ostschlesier-Sudetia zu Prag u. Wien (heute durch Fusion in: Alte Prager Landsmannschaft Hercynia zu Frankfurt im CC)
  • Saxonia (heute: Bund deutscher Studenten Saxonia Prag zu Nürnberg)
  • Sudeten zu Tetschen-Liebwerd
  • Zips

Wien

  • Aldania (heute: Burschenschaft Aldania Wien in der DB)
  • Arminia (1955 als Burschenschaft Alania in der DB mit der Burschenschaft Ostmark in der DBÖ fusioniert, 1972 vertagt)
  • Asciburgia (heute: Verein deutscher Studenten Asciburgia zu Mainz)
  • Cremsiria
  • Cheruscia (ab 1923 Corps Cheruscia im KSCV, 1989 erloschen)
  • Deutschböhmen
  • Deutsche Lesehalle an der technischen Hochschule
  • Frankonia
  • Oberösterreichische Germania (heute: Akademische Burschenschaft Oberösterreicher Germanen in Wien in der DB)
  • Gothia (heute: Wiener akademische Burschenschaft Gothia in der DB)
  • Gotia
  • Hercynia (heute durch Fusion: Akademische Grenzlandsmannschaft Cimbria zu Wien im CC)
  • Hilaritas (aufgegangen im Corps Saxonia Wien im KSCV)
  • Hohenstaufen
  • Hubertus (1936 als Burschenschaft Hubertus in der Burschenschaft Alemannia aufgegangen, 1970 vertagt)
  • Lentia
  • Merowinger
  • Nordmährer (nach der Fusion mit dem Verein Deutscher Studenten Sudetia heute Verein Deutscher Studenten Sudetia zu Wien und München im VTaK)
  • Normannia (heute durch Fusion: Akademische Grenzlandsmannschaft Cimbria zu Wien im CC)
  • Oppavia zu Prag und Wien (fusioniert mit Egerländer Landtag Prag zu Alte Prager Landsmannschaft Egerländer Landtag et Oppavia zu München im CC, seit 1998 vertagt)
  • Ostschlesier-Sudetia (heute durch Fusion in: Alte Prager Landsmannschaft Hercynia zu Frankfurt im CC)
  • Philadelphia (heute: Verein Deutscher Studenten zu Wien „Philadelphia“ im VVDSt)
  • Rabenstein (heute durch Fusion: Akademische Grenzlandsmannschaft Cimbria zu Wien im CC)
  • Salzburger (nach der Fusion mit der Akademischen Landsmannschaft der Salzburger zu Salzburg heute Akademische Landsmannschaft der Salzburger zu Salzburg (zu Wien 1884) im CC)
  • Saxo-Cheruscia
  • Scotia
  • Silvania (ab 1914 Burschenschaft Silvania, 1971 vertagt)
  • Turold
  • Waltharia (ab 1963 Landsmannschaft Waltharia im ÖLTC, 1967 vertagt)
  • Wartburg (heute: Akademische Verbindung Wartburg zu Wien im VTaK)

Bund deutscher Studenten

Am 4. Oktober 1953 wurde der Verband farbentragender Vereine deutscher Studenten gegründet, der sich 1960 in Bund deutscher Studenten (BdSt) umbenannte. In seinen Grundsätzen erklärte sich der BdSt ausdrücklich als Nachfolgeorganisation des WV. Abgelehnt wurde durch den BdSt allerdings die durch das Waidhofener Prinzip zum Ausdruck gekommene radikal-völkische und antisemitische Orientierung.[4] Der Verband war farbentragend und lehnte die Bestimmungsmensur ab. Er gestattete aber die Besprechungsmensur, war also fakultativ schlagend. Als die Mitgliedsverbindung Asciburgia Mainz im Jahr 2004 beschloss, Ausländer und Frauen aufzunehmen, löste sich der BdSt auf.[5]

Mitglieder

Mitgliedsverbindungen

Asciburgia Mainz
  • Verein deutscher Studenten Asciburgia Wien zu Mainz (ehem. WV)
  • Verein deutscher Studenten Markomannia Regensburg und München (1962 fusioniert mit Sudeten Tetschen-Liebwerd, s. WV)
  • Landsmannschaft Masovia Nürnberg
  • Bund deutscher Studenten Saxonia Prag zu Nürnberg (ehem. WV)
  • Verein Deutscher Studenten Sudetia Brünn zu Wien und München (ehem. WV)
  • Akademische Landsmannschaft Suevia Augsburg
  • Akademische Verbindung Tauriska Graz (ehem. WV)
  • Sudetendeutsche Akademische Landsmannschaft Zornstein Leoben

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. Paulgerhard Gladen: Die deutschsprachigen Korporationsverbände. WJK-Verlag, Hilden 2007, ISBN 978-3-933892-28-7, S. 438.
  2. 1 2 Michael Wladika: Hitlers Vätergeneration. Die Ursprünge des Nationalsozialismus in der k. u. k. Monarchie. Böhlau, Wien/ Köln/ Weimar 2005, ISBN 3-205-77337-3, S. 226; Liste der wehrhaften Vereine in Paulgerhard Gladen, Kurt U. Bertrams: Die deutsch-völkischen Korporationsverbände. Deutsche Wehrschaft, Waidhofener Verband u. a. WJK-Verlag, Hilden 2009, ISBN 3-933892-11-2. S. 55 ff.
  3. Paulgerhard Gladen, Kurt U. Bertrams: Die deutsch-völkischen Korporationsverbände. Deutsche Wehrschaft, Waidhofener Verband u. a. WJK-Verlag, Hilden 2009, ISBN 3-933892-11-2. S. 34.
  4. Paulgerhard Gladen, Kurt U. Bertrams: Die deutsch-völkischen Korporationsverbände. Deutsche Wehrschaft, Waidhofener Verband u. a. WJK-Verlag, Hilden 2009, ISBN 978-3-933892-11-9, S. 110 ff.
  5. Paulgerhard Gladen, Kurt U. Bertrams: Die sudetendeutschen Studentenverbindungen. WJK-Verlag, Hilden 2011, ISBN 978-3-940891-48-8, S. 218.

Anmerkungen

  1. Dem Vereins-Delegierten-Convent gehörten nach seiner Umwandlung zum Verband deutscher Vereine zwischen 1885 und 1890 folgende Wiener Vereine an: Athenaia, Cremsiria, Deutschböhmen, Deutsche Lesehalle an der Technischen Hochschule, Düringbund, Frankonia, Lentia, Nordmähren, Oberösterreichische Germania, Oppavia, Ostmark, Ostschlesier, Philadelphia, Rabenstein, Salzburger und Wartburg.