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vom 22.05.2017, aktuelle Version,

Waluliso

Waluliso in der Inneren Stadt, Wien (1982)

Ludwig „Wickerl“ Waluliso geb. Weinberger (* 2. Juli 1914 in Wien; † 21. Juli 1996 ebenda) war ein Wiener Stadtoriginal sowie Umwelt- und Friedensaktivist.

Leben

Waluliso wurde in ärmliche Verhältnisse geboren, erlernte das Buchbinderhandwerk und arbeitete als selbstständiger Handelsvertreter für Werbemittel und Stempel.[1] In den 1970er Jahren sammelte er erfolgreich Unterschriften für die Erhaltung der Wiener Donauinsel als Naherholungsgebiet, in den 1980er Jahren demonstrierte er für die Abrüstung und den Frieden. Durch sein Motto Wasser, Luft, Licht und Sonne (aus den jeweils ersten beiden Buchstaben bildete er sein Pseudonym) und seine eigenwillige Kleidung, die aus einer weißen Toga, einem Stirnkranz aus Olivenzweigen, einem Hirtenstab und einem Apfel bestand, wurde er zu einem Wiener Original, das in der Wiener Innenstadt am Stephansplatz oder auf dem Wiener Naschmarkt regelmäßig Ansprachen an die Bevölkerung hielt, bei denen er in eindringlicher Sprechweise Gott und Natur als Eines ansah und sich auf Visionen berief. Er war ein überzeugter FKK-Anhänger und erschien im Sommer oft nur mit einem Schurz bekleidet in der Öffentlichkeit. Seinen Nachnamen ließ Weinberger amtlich auf Waluliso ändern.

Ab 1944 wohnte Weinberger in der Wehrgasse in Wien-Margareten auf nur neun Quadratmetern. Bei seinem letzten öffentlichen Auftreten in der Wiener Kärntner Straße verteilte er Geld mit dem Hinweis: „Charakter zählt und nicht Geld. Politiker sind Spekulanten.“

Grab Walulisos

Sein von ihm selbst erworbenes Grab liegt auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 30E, Reihe 1, Nummer 27). Die Grabgestaltung wurde von Waluliso selbst entworfen.[2]

Am 7. Juni 1998 wurde zu seinen Ehren die Walulisobrücke (auch: Waluliso-Brücke), eine Pontonbrücke, als Fuß- und Radbrücke über die Neue Donau in der Nähe des Kraftwerks Freudenau freigegeben.[3] Damit wurde einem langjährigen Wunsch Walulisos entsprochen, im Bereich des FKK-Geländes – der sogenannten Hirscheninsel – eine Verbindung von der Donauinsel über die Neue Donau zum Hubertusdamm am nordseitigen Ufer zu schaffen.

Literatur

  • Adolf Katzenbeisser: Waluliso – Analyse eines ungewöhnlichen Lebens. Wien 2003.
  Commons: Waluliso  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Kurt Bauer (Hrsg.): Faszination des Fahrens: Unterwegs mit Fahrrad, Motorrad und Automobil. Band 50 von Damit es nicht verlorengeht. Böhlau, Wien 2003, S. 299.
  2. Das Grab von Waluliso auf: knerger.de.
  3. Wiener Rathauskorrespondenz: Eröffnung der Walulisobrücke. (Memento vom 7. März 2016 im Internet Archive) 7. Juni 1998.