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vom 23.04.2017, aktuelle Version,

Wiener Skisprungschanzen

Lageplan der Wiener Skisprungschanzen 1931–1980

Im 20. Jahrhundert bestanden mehrere Wiener Schisprungschanzen, wobei die letzte bestehende Schanze (Himmelhofschanze) 1980 abbrannte. Das nicht verwirklichte Projekt für die Wiedererrichtung der Cobenzl-Schanze wurde 1948 mit einer Olympischen Goldmedaille in der Disziplin Kunstwettbewerb für Architektur ausgezeichnet. Die größten Weiten, die jemals in Wien erzielt wurden, sah man vermutlich in den 1930er und 1940er Jahren auf den Schanzen in Hadersdorf-Weidlingau, auf denen Sprünge bis zu 70 Metern möglich waren.

Schanzen

Himmelhofschanze

Kohlezeichnung der Himmelhofschanze

Die Himmelhofschanze befand sich in Hietzing auf der Himmelhofwiese gegenüber dem Bahnhof Wien Hütteldorf. Bereits in den 1930er Jahren hatte man die Errichtung einer Schanze am Himmelhof überlegt, verwirklicht wurde dieses Vorhaben aber erst zwischen 1948 und 1949. Bauherr der aus Holz errichteten Schanze, deren kritischer Punkt (K-Punkt) bei 45 Metern lag, war die Ski-Union Wien.[1] Das Eröffnungsspringen fand am 9. Jänner 1949 statt.[2]

Die bestbesuchte Veranstaltung an dieser Schanze war die Wiener Meisterschaft am 12. Jänner 1953 vor 20.000 Besuchern. Tagesbester wurde (aus der Gästeklasse) der Semmeringer Sepp Heher mit zwei Mal 36,5 Metern, Wiener Meister wurde der Ober St. Veiter Franz Rabensteiner mit 36 und 36,5 Metern.[3]

Mit 42 Metern Weite wurde 1960 von Klaus Fichtner aus Tirol der Schanzenrekord aufgestellt. Die rechnerisch erreichbaren 45 Meter wurden lediglich einmal während des Trainings von Hans Rinnhofer im Jahr 1978 erreicht und sogar überboten.

Die immer schneeärmeren Winter, die veraltete Anlage und die fehlende Infrastruktur führten zur Einstellung des Sprungbetriebs. Am 1. Juni 1980 wurde die Schanze durch Brandstiftung derart beschädigt,[4] dass sie in der Folge abgetragen werden musste.[2]

Cobenzl-Schanze

Die erste Cobenzl-Schanze befand sich auf dem Nordhang des Latisberges.[5] Sie wurde ab 1919 geplant[Anm. 1] und ab 1928 gebaut[6]. Vom Wiener Arbeiter Turnverein wurde 1931 auf der Cobenzl-Schanze ein internationales Schispringen veranstaltet. Ungefähr 20.000 Zuseher beobachteten den Wettbewerb mit Sprüngen bis zu 38 Metern.[7] Zwischen 1933 und 1940 wurde die Schanze immer wieder umgebaut.[Anm. 2] Sprünge bis zu 60 Metern waren nun möglich[6] (siehe auch diese Archivaufnahmen von 1935[8] und o. A.[9]).

Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte eine neue Schanze auf dem Cobenzl errichtet werden. Zu diesem Zweck veranstaltete der Wiener Arbeiter Turnverein einen Architektenwettbewerb. Diesen gewann ein Projekt des Architekten Adolf Hoch aus Wien. Der Entwurf sah eine 60-Meter-Schanze mit etwa 25.000 amphitheaterartig angeordneten Plätzen vor. In der warmen Jahreszeit sollte die Anlage für Freilichtaufführungen, Boxveranstaltungen und Konzerte genutzt werden.[10] Adolf Hoch gewann mit diesem Projekt bei den Olympischen Sommerspielen 1948 in London in der letztmals ausgetragenen Disziplin Kunstbewerb/Architektur die Goldmedaille.[11] Das Projekt wurde jedoch nie verwirklicht.

Hadersdorf-Weidlingau

Die erste Sprungschanze in Hadersdorf-Weidlingau wurde 1932 im Kasgraben gebaut. Die sogenannte „Carsten-Dagfin-Schanze“ erlaubte Sprünge über 50 Meter.[6] 1936 wurde dann in der Nähe die „Wienerwaldschanze“ errichtet. Im Winter 1937/38 sprang auf dieser Schanze Walter Reinhart aus Bischofshofen[12] mit 65 Metern den Schanzenrekord. Die im Wald gelegene Schanze erfreute sich großer Beliebtheit bei den Zuschauern (siehe auch diese Archivaufnahme von 1938[13]). 1940 wurde die Sprungschanze in Hadersdorf-Weidlingau umgebaut, um Sprünge bis zu 70 Metern zu ermöglichen.

Einige schneearme Winter ließen 1969 die Idee aufkommen, auf dem Gelände der verfallenen alten Schanze eine neue 50-m-Anlage zu errichten und diese mit dem auf der Hohe-Wand-Wiese erzeugten Kunstschnee zu präparieren. Zur Verwirklichung dieser Idee kam es aber nie.[14]

Projekte

Beim Ingenieurpreis 2002 gewannen Studenten der TU Wien mit einer von ihnen für das Areal auf dem Himmelhof geplanten und den FIS-Richtlinien entsprechenden 90-Meter-Schanze.[15]

Der 2005 gegründete Skisprungclub „Wiener Stadtadler“ spricht sich seit 2014 für den Bau von Mattenschanzen aus. Vorgeschlagen werden drei Schanzen (15 m, 30 m, 60 m) in der Nähe der Hohe-Wand-Wiese, also in der Nähe der historischen Schanzen in Hadersdorf-Weidlingau.[16]

Literatur

  • Österreichischer Skiverband: Rechen-Tafeln nebst Anleitung zur Sprungbewertung und Anweisung zur Notenberechnung. Beilage zur Wettlaufordnung des Österreichischen Skiverbandes. Selbstverlag Österreichischer Skiverband, Wien 1932, OBV.
  • Hans Thirring: Der Schwebelauf. Deutscher Verlag für Jugend und Volk, Wien 1939, OBV.
  • Sepp Bradl: Mein Weg zum Weltmeister. 2. Auflage, vermehrter Inhalt. Schlüsselverlag, Innsbruck 1952, OBV.
  • Andreas Hans Peyerl: Skispringer und ihre Schanzen. Technischer Verlag – Sportbuchabteilung, Salzburg 1949, OBV.

Einzelnachweise

  1. Oliver Weeger: Sprungschanze am Himmelhof. In: skisprungschanzen.com. 2002–2010, abgerufen am 18. März 2015.
  2. 1 2 hojos: Wintersport in Ober St. Veit. In: 1133.at. 2001 und 2009, abgerufen am 18. März 2015.
  3. Sepp Bradl gewinnt die Springertournee. (…) 20.000 bei der Hütteldorfer Schanze. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 13. Jänner 1953, S. 8, oben links.
  4. Brandstiftung auf Himmelhofschanze. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 2. Juni 1980, S. 5.
  5. Der Ausbau der Kobenzlsprungschanze. Abgerufen am 18. März 2015.
  6. 1 2 3 Historische Schanzen in Wien (Seite des Skisprungclubs „Wiener Stadtadler“). Abgerufen am 18. März 2015.
  7. Oliver Weeger: Cobenzl. In: skisprungschanzen.com. 2002–2010, abgerufen am 18. März 2015.
  8. ÖNB-Bildarchiv: Cobenzl-Schanze 1935. Abgerufen am 18. März 2015.
  9. Cobenzl-Schanze (ca. 1935). Abgerufen am 18. März 2015.
  10. Gina Galeta: Wien 1948: Berichte vom April 1948. 29.4.1948: Internationale Skisprungschanze auf dem Kobenzl. In: wien.at. Stadt Wien, abgerufen am 18. März 2015.
  11. Marcus Hudec (Red.): Biographien. Adolf Hoch setzte Österreichs Tradition im Kunstbewerb fort und gewinnt Gold. In: oeoc.at. Abgerufen am 18. März 2015.
  12. Skispringer Walter Reinhardt. Abgerufen am 18. März 2015.
  13. Schispringen in Wien. In: austria-forum.org. Abgerufen am 18. März 2015. Wienerwald-Schanze in Hadersdorf-Weidlingau 1938.
  14. Wiener Skiverband: Sprungschanze in Wien. In: wienski.at. Abgerufen am 18. März 2015.
  15. Felix Friembichler, Frank Huber: Ingenieurpreis der österreichischen Beton- und Zementindustrie 2002. Aus: Zement und Beton. Merkblätter und Informationen der Bauberatungsstelle der österreichischen Zementindustrie. Heft 1/2003, S. 10. Text online (PDF; 255 KB).
  16. Wiener Skispringer wollen Schanze. In: ORF.at. 20. Januar 2014. Abgerufen am 18. März 2015.

Anmerkungen

  1. Im Herbst 1919 war auf Seiten des Sportklubs Kobenzl die Planung zum Bau der ersten Sprungschanze von Wien weit fortgeschritten. Vertreter betroffener Behörden hatten das vorgesehene Terrain bereits in Augenschein genommen und sich positiv geäußert. – Siehe: Wintersport. Neue Sprungschanze. Ein großzügiges Projekt. – Die erste Skisprungschanze in Wien. In: Illustriertes Sportblatt, Nr. 44/1919 (XV. Jahrgang), 1. November 1919, S. 10. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/ios.
  2. Im Jänner 1934 wurde die Schanze vom Freiwilligen Arbeitsdienst fertiggestellt und Ende 1936 Gegenstand eines (für vier Monate einhundert Arbeitsplätze schaffenden) Erweiterungsprojekts. – Siehe: Der Ausbau der Kobenzlsprungschanze. In: Neue Freie Presse, Abendblatt, /Nr. 25958 A/1936, 15. Dezember 1936, S. 1 unten. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.