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vom 07.11.2016, aktuelle Version,

Wiener Trinkbrunnen

W - Wien und Wasser

Die Wiener Trinkbrunnen wurden und werden von der Wiener Stadtverwaltung aufgestellt, um Einwohnern und Touristen die Möglichkeit einer kostenlosen Erfrischung zu bieten.

Typen

Trinkbrunnen auf dem Schwarzenbergplatz

Im Stadtbild von Wien finden sich drei Haupttypen von Trinkbrunnen, insgesamt handelt es sich dabei um rund 720 Brunnen.[1] Betreut werden diese ebenso wie 45 Denkmalbrunnen von der Magistratsabteilung 31 - Wiener Wasserwerke.[2]

„Altstadttrinkbrunnen“

Die Gestaltung des aus Sphäroguss hergestellten „Altstadttrinkbrunnen“ mit einer Höhe von 1,14 Metern über dem Straßenniveau entspricht dem eines seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert hergestellten Brunnentyps.

Das Wasser fließt nur, solange der an der Rückseite befindliche Hebel niedergedrückt wird. Die meisten dieser Brunnen verfügen über ein zusätzliches Auffangbecken, das zwar als Abfluss fungiert, aber auch gleichzeitig die Funktion einer Tiertränke übernimmt.[3]

Seiner „altmodischen“ Form wegen werden diese Brunnen vor allem in Stadtteilen mit überwiegendem Altbaubestand eingesetzt.

Auf dem Schwarzenbergplatz neben dem Hochstrahlbrunnen wurde anlässlich der Verlegung des dreimillionsten Rohrmeters im Netz der Wiener Wasserversorgung ein derartiger Brunnen - allerdings an Stelle der sonst üblichen schwarzen Farbe goldfarbig und daher „goldener“ Brunnen genannt - im Juni 1988 aufgestellt.

Edelstahltrinkbrunnen

Edelstahlbrunnen

Die modernste Form der in Wien eingesetzten industriell gefertigten Trinkbrunnen ist der so genannte Edelstahltrinkbrunnen. Entwickelt wurde dieser Trinkbrunnen vor allem für die Aufstellung in neu erschlossenen Stadtteilen mit modern gestaltetem Umfeld. Die Gestaltung wurde sowohl vom Österreichischen Institut für Formgebung als auch vom Industrieforum Design Hannover ausgezeichnet.

Der Edelstahltrinkbrunnen besteht aus einem glatten Stahlrohr von rund 1,12 Metern Höhe über dem Straßenniveau. An der Rückseite des Auslaufrohres befindet sich ein Hebel, der während der Betätigung den Wasserfluss freigibt. Darunter sitzt auf einer aus Rippen und Ringen bestehenden Ummantelung des Stahlrohres die Auffangschale mit einem Durchmesser von rund 72 Zentimetern auf.

In den Boden versenkt findet sich eine ringförmige Auffangschale, die auch als Tränke für Tiere dient [4]

Trinkhydrant

Eine Neuerung bei den Trinkbrunnen in Wien stellt der neu entwickelte Trinkhydrant dar.

Durch eine Änderung der Leitungsanschlüsse im Hydrantengehäuse kann bei den in Wien gebräuchlichsten Feuerhydrantenmodellen „Altstadt“, „Edelstahl“ und „Industrie“ ohne Grabungsarbeiten zusätzlich ein entsprechender Aufsatz mit der Bedienungsarmatur und dem Auslaufrohr installiert werden.[5] Von rund 12.000 Feuerhydranten im Raum Wien könnten etwa 700 auf die neue Doppelfunktion umgerüstet werden.[6]

„Wiener Trinkbrunnen“

Einer der Muhr-Trinkbrunnen

Hans Muhr gestaltete einen Wiener Trinkbrunnen, auch Muhr-Brunnen genannt, der in den letzten Jahren in großer Zahl von der Wiener Stadtverwaltung unter Mithilfe von Sponsoren im gesamten Stadtgebiet aufgestellt wird. Als Freundschaftsgeschenk findet dieser Brunnentyp seinen Weg aber auch weit über die Grenzen Österreichs hinaus, beispielsweise nach

Der knapp 1,5 m hohe „Muhr-Brunnen“ besteht aus der Kombination eines etwa 1,3 Meter hohen Natursteines - beispielsweise verschiedene Marmorarten - sowie Gussteilen aus Bronze.

Zuoberst sitzt ein Gussteil, der an ein kleines Henkelkörbchen erinnert. Darinnen entspringen aus zwei Düsen 3 kleine Wasserstrahlbögen, die zusammen ein dem Henkel eingeschriebenes „W“ formen.

Der größte Gussteil bildet als Brunnenvorderseite in einem Stück den Auslauf für das Wasser, ein darunter befindliches kleines Becken, das in ein Ablaufrohr übergeht und das Wasser in ein kleines bodennahes Auffangbecken leitet, das als Tiertränke dient.

Der Steinblock sitzt auf vier Bronzefüßen auf und der Deckel am Boden dahinter, der den Schacht zu den Armaturen abdeckt, trägt Angaben über den Sponsor des jeweiligen Brunnens.

Im Gegensatz zu den anderen Trinkwasserbrunnen läuft bei diesem Brunnentyp das Wiener Hochquellwasser während der warmen Jahreszeit ununterbrochen. Dank seiner Konstruktion ohne Bedienungselemente ist er vandalismussicher und muss im Winter auch nicht eingehaust werden.

Die Stadt Berlin revanchierte sich für den Wiener Trinkbrunnen mit einem eigenen Trinkbrunnen, ebenfalls einem Entwurf von Muhr. Dieser befindet sich im 15. Wiener Gemeindebezirk Rudolfsheim-Fünfhaus in der Wiener Wasserwelt.

Wie sowohl der ORF[8] als auch eine österreichische Tageszeitung[9] im Jahr 2008 meldeten, sollten allerdings zahlreiche dieser Muhrbrunnen aus der Innenstadt von Wien entfernt werden.

Mobile Trinkbrunnen in Wien

Mobiler Trinkbrunnen

Basierend auf einer internen Initiative des Fachbereichs Wasserverteilung entwickelten die Wiener Wasserwerke gemeinsam mit einer Metallbaufirma einen mobilen Trinkwasserbrunnen für Großveranstaltungen in der Stadt. Erstmals eingesetzt wurde dieser Brunnentyp bei der in Österreich und der Schweiz gemeinsam durchgeführten Fußball-Europameisterschaft 2008, weshalb er auch Euro-Brunnen genannt wird. Insgesamt 10 dieser fast drei Meter hohen und damit weithin sichtbaren Trinkbrunnen wurden während dieser Zeit in der Fan-Zone auf der Wiener Ringstraße und an anderen prominenten Plätzen der Stadt aufgestellt.

Der Brunnen besteht aus einer Säule aus glattem, halbmattem Niro-Blech, deren kreisförmiger Querschnitt sich im Durchmesser - an der Basis etwa 80 bis 90 cm - nach oben um etwa 20 % verjüngt. Dank dickem Bodenring und 500 kg Masse steht er stabil. Zwei schräge Flächen bilden ein markantes Satteldach. Ebenfalls vorne und hinten weist der Brunnen im mittleren Höhendrittel je eine Einbuchtung mit Becken und Wasserspender auf. Sparsam sprudelt eine kleine Wasserfontäne nur während des Drückens eines Knopfs unterhalb der Nische.

Oben an einer Seite weist der Brunnen feine Düsen auf, die knopfausgelöst eine Zeitlang einen feinen Sprühregen liefern, der Kopf und Körper befeuchtet um sich mit Verdunstungskälte äußerlich kühlen zu können.

Der Brunnen wird per Kran als Ganzes über einen Hydranten - Typ Über- oder Unterflur - gehoben. Sein Inneres ist durch eine seitliche Tür per Kantschlüssel zugänglich, um den Wasseranschluss per flexiblem Schlauch herzustellen aber auch der Feuerwehr weiterhin rasch den Zugang zum Hydranten zu erlauben.

Mit Stand Juni 2015 betreibt Wiener Wasser 11 Stück dieser Brunnen. Sie werden temporär bei verschiedenen Großveranstaltungen in der Stadt wie etwa dem Donauinselfest oder beim Vienna City Marathon eingesetzt oder stehen in der wärmeren Saison etwa von März bis Oktober an Plätzen mit großem Touristenaufkommen, wie etwa am Heldenplatz oder Praterstern.[10][11]

Siehe auch

Fußnoten

  1. http://wien.orf.at/stories/266513/
  2. http://www.wien.gv.at/vtx/rk?S=020050331020
  3. http://www.gratz-boehm.at/PDF/Trinkbrunnen/2.01%20Altstadttrinkbrunnen.pdf
  4. http://www.gratz-boehm.at/PDF/Trinkbrunnen/2.03%20Edelstahltrinkbrunnen.pdf
  5. BASSENA Mitarbeiterinforation der Wiener Wasserwerke, 24. Ausgabe, Oktober 2010
  6. http://www.wien.gv.at/rk/msg/2010/0423/005.html
  7. http://www.wien.gv.at/vtx/vtx-rk-xlink?DATUM=20010320&SEITE=020010320018
  8. http://wien.orf.at/stories/289801/
  9. http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/395186/index.do?from=rss
  10. http://www.wien.gv.at/vtx/vtx-rk-xlink?SEITE=%2F2008%2F0327%2F015.html Sima: Wiener Wasser für Fußball-Fans, Rathauskorrespondenz Wien, 27. März 2008. Abgerufen 22. Juni 2015.
  11. Wien: Neue mobile Trinkbrunnen am Graben und am Praterstern in: Der Standard vom 24. Mai 2011.
  Commons: Wiener Trinkbrunnen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Porträt #

über den Wasserbildhauer Hans Muhr, der die "Wiener Trinkbrunnen" erschaffen hat. Rund 80 seiner Skulpturen stehen im öffentlichen Raum:

© Stadt Wien/Bohmann Verlag

Weiterführendes#