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vom 16.05.2017, aktuelle Version,

Wilhelm Dreßler

Wilhelm Dreßler

Wilhelm Dreßler (* 9. März 1893 in Tannwald; † unbekannt) war ein sudetendeutscher Politiker (NSDAP).

Leben und Wirken

Nach dem Besuch der Volksschule und der Bürgerschule absolvierte Dreßler eine kaufmännische Lehre in der Porzellanfabrik Hermann Scholz in Tiefenbach an der Desse. Seit seiner Schulzeit war Dreßler Turner. Später wurde er Oberturnwart im Turnverein Ober-Tannwald. 1914 ging Dreßler zur Festungsartillerie in Przemyśl in Galizien, mit der er am Ersten Weltkrieg teilnahm. Am 23. März 1915 geriet er bei der Eroberung der Festung in russische Kriegsgefangenschaft. In dieser verblieb er bis ins Jahr 1918. Als Kriegsgefangener arbeitete Dreßler im russischen Postbüro, außerdem war er Führer einer Turnriege und Mitglied des Lagerorchesters. 1918 wurde er von der tschechischen Legion zum Wachdienst ausgehoben. In dieser Eigenschaft tat er acht Monate lang bis zu seiner Heimkehr Dienst.

1920 kehrte Dreßler in die Firma Scholz in Tiefenbach zurück, in der er 1936 zum Prokuristen ernannt wurde. Außerdem übernahm er die Leitung der Turnvereins Ober-Tannwald. In den folgenden Jahren tat er sich als Organisator des großen Gauturnfestes hervor. Politisch gehörte Dreßler nach eigenen Angaben seit dem 1. Januar 1924 der DNSAP an.

Am 4. Oktober 1933 wurde Dreßler von Konrad Henlein als Bezirksleiter mit dem Aufbau des Sudetendeutschen Heimatfront und später der Sudetendeutschen Partei (SdP) im Bezirk Tannwald beauftragt. In den folgenden Jahren war Dreßler verstärkt in die Konflikte der deutschsprachigen Minderheit mit dem tschechoslowakischen Staat verwickelt: Von Weihnachten 1937 bis Neujahr 1938 wurde er im Kreisgericht Reichenberg in Haft gehalten. Später bezeichnete er sich als Geisel Nr. 1 im Bezirk Tannwald. 1935 wurde er in den böhmischen Landtag gewählt. Als Landtagsabgeordneter dieses Parlamentes fiel Dreßler auf, als er am 19. Mai 1938 als letzter Sprecher seiner Partei vor dem Auszug ihrer Abgeordneten aus dem Parlament vor dessen Plenum als Redner auftrat.

Nach der Annexion der Sudetengebiete durch das Deutsche Reich im Herbst 1938 wurde Dreßler anlässlich der am 4. Dezember 1938 abgehaltenen Ergänzungswahl zu dem im April 1938 gewählten Reichstag auf Reichswahlvorschlag als Abgeordneter für die Sudetengebiete in den nationalsozialistischen Reichstag entsandt, dem er bis zum Ende der NS-Herrschaft im Frühjahr 1945 angehörte.

Im Oktober 1938 wurde er zum Kreisbeauftragten berufen und von Anfang 1939 bis 1945 war er Kreisleiter des Kreises Gablonz und dortiger Hauptabschittsleiter.

Literatur

  • Erich Stockhorst: 5000 Köpfe. Wer war was im 3. Reich. Arndt, Kiel 2000, ISBN 3-88741-116-1 (Unveränderter Nachdruck der ersten Auflage von 1967).
  • Joachim Lilla: Die Vertretung des „Reichsgaus Sudetenland“ und des „Protektorats Böhmen und Mähren“ im Grossdeutschen Reichstag. In: Bohemia. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der böhmischen Länder, Band 40, Ausgabe 2, 1999, S. 456.