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Reichenbach, Karl von#


* 12.02.1788, Stuttgart

† 19.01.1869, Leipzig


Chemiker, Naturforscher, Philosoph und Industrieller


Karl von Reichenbach
Karl von Reichenbach
Aus: Wikicommons, unter PD

Karl Ludwig Reichenbach wurde am 12. Februar 1788 als Sohn eines Bibliothekars und Archivars in Stuttgart geboren.

Nach dem Besuch des Gymnasiums absolvierte er an der Universität Tübingen ein Studium der Naturwissenschaften und der Nationalökonomie und promovierte 1821 zum Doktor der Philosophie.

Während seiner Studienzeit gründete Carl Ludwig Reichenbach 1806 in Tübingen eine Geheimgesellschaft zur Errichtung einer (deutschen) Kolonie auf Tahiti in der Südsee (Otaheiti-Gesellschaft). Er gewann damit viele Anhänger; allerdings wurde die Gesellschaft Ende 1808 von der Polizei entdeckt und die meisten ihrer Mitglieder wegen des Verdachts auf Hochverrat verhaftet. Reichenbach war für einige Monate auf der Festung Hohenasperg inhaftiert.

Nach seinem Studium und kurzer Tätigkeit im Staatsdienst unternahm er 1816 bis 1818 verschiedene Reisen – u.a. nach Steiermark, Mähren und Schlesien – um sich im Eisenhüttenwesen, das ihn besonders interessierte, weiterzubilden.

1818 entwickelte er in Hausach (Baden) eine verbesserte Anlage zur Holzverkohlung; von 1822 bis 1840 war er als Gutsverwalter und Leiter der Holzverkohlungs-, Berg- und Hüttenbetriebe des Grafen Salm-Reifferscheidt in Blankso (Mähren) tätig und beteiligte sich in der Folge an verschiedenen geschäftlichen und industriellen Unternehmungen (u.a. eine Rübenzuckerfabrik).

Seine Beschäftigung mit der Holzverkohlung führte ihn 1830 zur Entdeckung des Paraffins, 1832 des Kreostos und einer Reihe anderer chemischer Stoffe.

Ab 1835 besaß er außer dem Gut Reisenberg (Cobenzl bei Wien) auch die Güter Gutenbrunn und Raidling (beide NÖ) sowie Nisko (Galizien). 1854 beteiligte er sich an einem Eisenwerk, das er – ab 1857 Alleinbesitzer – "Ternitzer Eisenwerk" nannte (später musste er es an das Bankhaus Schöller verkaufen).

Er legt eine bedeutende Meteoritensammlung an und war der Begründer der – sehr umstrittenen – Lehre vom "Od", einer angeblich von ihm entdeckten Kraft (von sensitiven Menschen ausgehende Ursache für Phänomene chemischer Umwandlungen, Hypnose und Magnetismus).


Karl Ludwig Reichenbach war ungemein vielseitig interessiert, erwarb sich ein beachtliches Vermögen und wurde 1839 vom König von Württemberg in den Freiherrnstand erhoben.

In seinen späteren Lebensjahren bewohnte er Schloss Reisenberg bei Wien (als "Schloss Cobenzl" bekannt), übersiedelte aber 1867 nach Leipzig, wo er 1869 starb.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Wien, 1848
  • Ehrendoktorat der Universität Tübingen, 1858

Werke (Auswahl)#

  • Untersuchungen über die Dynamide Magnetismus, Elektrizität, Wärme und Licht in ihren Beziehungen zur Lebenskraft, 2 Bde., 1850)
  • Odischmagnetische Briefe, 1852
  • Der sensitive Mensch und sein Verhalten zum Ode, 2 Bde., 1854-56
  • Die Pflanzenwelt in ihren Beziehungen zur Sensitivität und zum Ode, 1858
  • Aphorismen über Sensitivität und Od, 1866
  • Die odische Lehre und einige Bewegungserscheinungen als neuentdeckte Formen des odischen Prinzips in der Natur, 1867

Weiterführendes#

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl