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Tarmann, Paul R.#


*16.5.1976, Klagenfurt


Philosoph und Sprachwissenschaftler

Hochschulprofessor, Didaktiker und Herausgeber einer Schriftenreihe


Paul R. Tarmann
Paul R. Tarmann
Foto: P. Diem

Paul R. Tarmann (*16.5.1976 in Klagenfurt) ist Philosoph, Sprachwissenschaftler und Hochschullehrer. Seit 2025 ist er Inhaber der Hochschulprofessur für Menschenrechtspädagogik, Bildung für nachhaltige Entwicklung und gesellschaftliche Transformation an der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich. Außerdem ist er Senior Research Fellow an der Universität Wien.

Paul R. Tarmann studierte Philosophie, Ethik, Romanistik, Theologie und Psychologie in Wien und erwarb einige Lehramtsabschlüsse. Seine fundamentaltheologische Diplomarbeit behandelt den interkulturellen Dialog und trägt den Titel: Christliche Evangelisation in einer postmodernen Fragmentierung. Der Ansatz Lesslie Newbigins (1999) und sein Philosophiestudium schloss er mit der Arbeit: Die Person des Menschen als Begründung von Ethik, Menschenrechten und Friedenssicherung. Einige Konsequenzen der personalistischen Philosophie bei Karl Lugmayer ab.

2006 promovierte er in romanistischer Sprachwissenschaft mit der Dissertation: Die Waldenser und deren Armutsbegriff im Mittelalter und zur Reformationszeit. Eine semantische Analyse. Im Jahr 2012 promovierte er in Philosophie mit der Dissertation: „Ohne Freiheit aber ist das Verderben gewiss.“ Zur Grundlegung einer politischen Ethik bei Karl Jaspers. Er habilitierte sich im Oktober 2024 für Philosophie und theologische Grundlagenforschung in Basel. Die Habilitationsschrift trägt den Titel: Menschlichkeitsideale begründen und vermitteln. Religionsphilosophische Annäherungen an die Gedankenwelt eines „Austrohumanismus“.

Von 1999 bis 2016 wirkte Tarmann als Lehrer, Betreuungslehrer bzw. Mentor und Erwachsenenbildner in Wien und Niederösterreich. Seit 2013 lehrt er am Institut für Philosophie und seit 2017 am Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Wien. Von 2014 bis 2025 lehrte und forschte er an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Niederösterreich. Er ist Senior Research Fellow an der Universität Wien und seit 2025 Hochschulprofessor an der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich.

Tarmann ist Herausgeber und Vorsitzender im Editorial Board der „edition Widerhall“, Schriftenreihe mit dem Schwerpunkt „Ethos und Bildung“, die besonders dem wissenschaftlichen Nachwuchs zugute kommen soll. Außerdem engagiert er sich als Vorstandsmitglied der „Internationalen Friedensmission Bertha von Suttner“, der „Initiative Weltethos Österreich“ sowie des „Dr. Karl Kummer-Instituts – Verein für Sozial- und Wirtschaftspolitik“. Für sein Buch Menschenrecht, Ethik und Friedenssicherung erhielt er einen Leopold-Kunschak-Wissenschaftspreis. Zu seinen Forschungsinteressen gehören philosophische, linguistische, geistesgeschichtliche sowie didaktische Themen. Er ist verheiratet und hat drei Töchter.

Werke (Auswahl)#

Monographien

Herausgeberschaften

  • Jakob, Jennifer / Tarmann, Paul R. (Hrsg.) (2024): Begriffe und Diskurse zu Nachhaltigkeit.
  • Bader, Erwin (2023): Friede – Gerechtigkeit – Gottvertrauen. Aufsatzsammlung anlässlich des 80. Geburtstags (= edition Widerhall Bd. 10), hrsg. von Paul R. Tarmann, Perchtoldsdorf.
  • Wimmer, Sophie / Haunschmidt, Katharina (2022): Über Religion im Ethikunterricht sprechen? Analyse und Umsetzung der österreichischen Lehrpläne (= edition Widerhall Bd. 8), hrsg. von Paul R. Tarmann, Perchtoldsdorf.
  • Maier, Bernhard (2022): Dictionarium der Sportethik (= edition Widerhall Bd. 7), Redaktion und Mitarbeit: Paul R. Tarmann, mit Beiträgen von Markus Bammer, David Müller und Paul R. Tarmann, Perchtoldsdorf.
  • Bader, Erwin / Tarmann, Paul R. (Hrsg.) (2021): Um Mensch und Recht. Zum 50. Todestag des humanistischen Rechtsphilosophen und Publizisten René Marcic (= edition Widerhall Bd. 6), Perchtoldsdorf.
  • Tarmann, Paul R. (Hrsg.) (2020): Wort und Schrift. Christliche Perspektiven (= edition Widerhall Bd. 2), Perchtoldsdorf
  • Ernst Karl Winter (2019): Die Geschichte des österreichischen Volkes, hrsg. und kommentiert von Paul R. Tarmann, Perchtoldsdorf, 2. Aufl. (1: Aufl.: 2018).
  • Tarmann, Paul R. (Hrsg.) (2019): Krisenfest durch Nachhaltigkeit, in: Gesellschaft und Politik. Zeitschrift für soziales und wirtschaftliches Engagement, Dr. Karl Kummer-Institut, Sozial- und Wirtschaftspolitik, Wien, H 3.
  • Tarmann, Paul R. (Hrsg.) (2017): Datenschutz. ‚Big Data' als gesellschaftliche und politische Herausforderung, in: Gesellschaft und Politik. Zeitschrift für soziales und wirtschaftliches Engagement, Dr. Karl Kummer-Institut, Sozial- und Wirtschaftspolitik, Wien, H. 2.
  • Tarmann, Paul R. (Hrsg.) (2015): Ethik in der Bildung, in: Gesellschaft und Politik. Zeitschrift für soziales und wirtschaftliches Engagement, Dr. Karl Kummer-Institut, Sozial- und Wirtschaftspolitik (Doppelnummer), Wien, H 4/14-1/15.
  • Tarmann, Paul R. (Hrsg.) (2014): Die Bedeutung der christlichen Soziallehre für ethisches Handeln, in: Gesellschaft und Politik. Zeitschrift für soziales und wirtschaftliches Engagement, Dr. Karl Kummer-Institut, Sozial- und Wirtschaftspolitik, Wien, H. 2.
  • Tarmann, Paul R. (Hrsg.) (2013): Wirtschaftsethik angesichts von Krisen, in: Gesellschaft und Politik. Zeitschrift für soziales und wirtschaftliches Engagement, Dr. Karl Kummer-Institut, Sozial- und Wirtschaftspolitik, Wien, H. 1.

Literatur#

Quellen:#


Austrohumanismus#

Buchbesprechung#

Der Wiener Philosoph und Sprachwissenschaftler Paul R. Tarmann geht in seinem neuesten Werk der Frage nach, ob es „eine spezifisch österreichische Anschauung“ gibt, die dem Ideal des Humanismus entspricht. (S. 96) Dabei baut er auf die ursprünglich vom renommierten Wiener Verfassungsjuristen, Rechtsphilosophen und Politikwissenschaftlers Manfried Welan (1937–2024) geäußerte These auf, die lautet:

„Die Wissenschaften haben den Austromarxismus untersucht und es wird noch immer nach dem Austrofaschismus gesucht. Aber die Suche nach einem Austrohumanismus beginnt erst. Was ist überhaupt Humanismus und wohin kann man sich wenden?“ (S. 19)

Welans Anliegen war es, „zahlreiche außergewöhnliche und vielfach unterschätzte Menschen zu rehabilitieren und aus der Vergessenheit zu holen“ (Walter Hämmerle: Ehrenrettung für die „Austrohumanisten“, in: Wiener Zeitung vom 24.10.2014)

Tarmanns zentrale Forschungsfrage lautet daher:

  • Angenommen, es gab bzw. gibt diese Gedankenwelt eines „Austrohumanismus“, wie müsste diese per definitionem aussehen? (S. 33)

Die sich daraus ergebenden Unterfragen sind Tarmann zufolge:

  • Was müsste überhaupt (lexikalisch, begrifflich) unter einem „Austrohumanismus“ verstanden werden?
  • Welche großen inhaltlichen Bestandteile müsste dieser „Austrohumanismus“ aufweisen? – Mit anderen Worten: Wer könnte womöglich einen Beitrag zu einem solchen „Austrohumanismus“ leisten bzw. schon geleistet haben?
  • Unter welchen Voraussetzungen wäre es möglich, dass dieses Konzept eines „Austrohumanismus“ zu einer sich breiter Zustimmung erfreuenden Haltung, einer „Weltanschauung der Zukunft“ werden könnte?“ (S. 34)

Nach einer methodischen und definitorischen Klärung beschreibt er historische Hintergründe und bietet einen Überblick über all jene Menschen, die – soweit der Kenntnisstand es zulässt – als „Austrohumanistinnen“ bzw. „Austrohumanisten“ bezeichnet werden können.

In den Hauptkapiteln seines Buches geht Tarmann vertieft auf folgende Personen ein, um an ihnen „austrohumanistische“ Prinzipien in prosopographischen Skizzen zu veranschaulichen:

  • Marie von Ebner-Eschenbach
  • Marianne Hainisch
  • Bertha von Suttner
  • Hugo von Hofmannsthal
  • Martin Buber
  • Stefan Zweig
  • Ferdinand Ebner
  • Hermann Broch
  • Johannes Messner
  • Karl Lugmayer
  • Zyrill Fischer
  • Richard Coudenhove-Kalergi
  • Ernst Karl Winter
  • August M. Knoll
  • Irene Harand
  • Ludovica Hainisch-Marchet
  • Günther Anders
  • Karl R. Popper
  • Leo Gabriel
  • Viktor E. Frankl
  • Hans Groll
  • Leopold Kohr
  • H. Christof Günzl
  • Friedrich Heer
  • René Marcic
  • Norbert Leser

Tarmann räumt ein, dass diese Liste unvollständig ist und einen Anfang für weiteres Forschen darstellt. Daher bietet er zahlreiche Verweise auf andere Personen und Gruppen, die noch weiter hinsichtlich ihres möglichen „Austrohumanismus‘“ untersucht werden sollen. Auch werden im Buch andere entsprechende wissenschaftliche Untersuchungen vorgestellt und mit dem Projekt, einen „Austrohumanismus“ zu begründen, in Verbindung gebracht.

Unter der Überschrift „Austrohumanismus – eine kompakte Ertragsammlung“ meint Tarmann, dass laut bisher erzieltem Forschungsertrag festgestellt werden kann:

1. Beim „Austrohumanismus“ handelt es sich um eine vielschichtige Tendenz, die einer Gruppe gemeinsam ist. Daraus folgt, dass „Austrohumanismus“ kein weiterer „Ismus“ sein kann: Es handelt sich nicht um eine Ideologie, um die Vergegenständlichung einer Idee, um die Verabsolutierung eines philosophischen Vorschlags bzw. eines politischen Angebots. Nicht sollen vergangene Erkenntnisse, Erfolge oder Errungenschaften in Stein gemeißelt und Mitmenschen bzw. künftigen Generationen als klar definiertes, starres Programm oktroyiert werden.

2. Diese Tendenz wurde bei einer Gruppe mit unmittelbarem Österreich-Bezug nachgewiesen. Damit ist keine inhaltliche Wertung oder eine Abgrenzung von anderen Erscheinungsformen des Humanismus verbunden, vielmehr handelt es sich um eine rein geographische Feststellung mit einer zeitlichen Eingrenzung. Die Untersuchung der österreichischen Variante des Humanismus ergibt sich aufgrund der Quellenlage und der sich daraus ergebenden Forschungsfrage. Zu Humanismen anderer Provenienz bzw. Ausrichtung sowie zu möglichen Parallelen und anderen Schwerpunktsetzungen wurde hier nicht geforscht, weitere Untersuchungen mögen zu entsprechenden Erkenntnissen beitragen.

3. „Austrohumanismus“ ist eine Haltung, die sich durch gelebte Menschlichkeit äußert. Menschlichkeit wird umgesetzt in friedlichem und demokratischem Miteinander. Die Grundlage für diese Haltung ist das Bekenntnis zur unabdingbaren und unveräußerlichen Menschenwürde, die sich in Menschenrechten und Menschenpflichtenäußert, sowie zum respektvollen, lernbereiten Dialog.

4. „Austrohumanismus“ ist eine Aufgabe an einen bzw. eine selbst und ein Angebot an Andere. „Austrohumanismus“ bietet eine Offenheit für sich Ankündigendes. Nicht die Lösung gestriger Probleme soll helfen, die Probleme von morgen zu bewältigen. Vielmehr gilt es, durchdachte und erprobte Prinzipien dankbar zu übernehmen, um sie für künftige Herausforderungen nützen zu können.

5. Daraus folgt, dass die Form gegeben, die Inhalte unter Berücksichtigung dieser Prinzipien jedoch immer wieder neu zu entwickeln sind. Die umfangreiche Denk- und Wirktradition des „Austrohumanismus“ bietet die Form. Die Inhalte müssen heute angesichts der regionalen Probleme wie auch der großen geopolitischen Herausforderungen immer wieder neu und in Abstimmung mit überlieferter Erkenntnis und Weisheit gesucht werden.

6. Aufgrund der strukturellen Offenheit und der Fülle an Bezugsquellen könnte der „Austrohumanismus“ als Orientierung gebende und ermutigende Weltanschauung für eine zivilcouragierte Gesellschaft in Frage kommen. Die ihm innewohnende Überzeugungskraftdurch Authentizität und Milde kann dazu beitragen, dass dieses Konzept mit einer struktur- und gesinnungsverändernden „Sprengkraft“ in Verbindung gebracht wird. (S. 498f.)

Redaktion: P. Diem

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