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Wertheim, Franz Freiherr von#


* 12. 4. 1814, Krems an der Donau (Niederösterreich)

† 3. 4. 1883, Wien


Industrieller


Wertheim, Franz Freiherr von
Franz Freiherr von Wertheim. Lithographie von J. Kriehuber, 1868
© Ch. Brandstätter Verlag, Wien, für AEIOU

Franz Wertheim wurde am 12. April 1814 in einer kleinen Kaufmannsfamilie in Krems an der Donau geboren.

Nach seiner Schulzeit begann er eine Handelslehre in Wien, zog als Wanderbursche durch Deutschland, Frankreich und England, kehrte dann nach Österreich zurück und war als Händler von ausländischen Werkzeugen tätig.

1842 erwarb er die Werkzeugschmieden des Industriellen Anton Gruber und trat bereits 1845 mit seinen eigenen Erzeugnissen auf der Gewerbeproduktenausstellung auf, wo mit seiner Mustersammlung er den ersten Preis gewann. Durch Verwendung des ausgezeichneten steirischen Stahls erreichte er international angesehene Qualität. 1847 trat Franz Wertheim als Gesellschafter in die Papierfabrik seines Schwiegervaters Wilhelm Knepper ein, wo ihm mit der Herstellung von Zigarettenpapier ein großer Wurf gelang.

1848 kam er durch einen Einbruch in seinem Büro auf die Idee, einbruchsichere Kassen zu erzeugen. 1851 sah er auf der Londoner Weltausstellung ein Modell einer deutschen Firma und erwarb für dieses die Patentrechte für Österreich. Schon 1852 nahm er, als erster in der Habsburger-Monarchie, die Erzeugung von einbruchsicheren und "feuersicheren Cassen" mit 85 Arbeitern auf.

Öffentliche Feuerprobe mit einer Kassa der Firma F. Wertheim aus Wien am 10. Juli 1857 in Konstantinopel. Gemälde, © Privatbesitz, für AEIOU
Öffentliche Feuerprobe mit einer Kassa der Firma F. Wertheim aus Wien am 10. Juli 1857 in Konstantinopel. Gemälde
© Privatbesitz, für AEIOU


(1853 führte er am Wiener Stadtrand drei seiner neuen Panzerschränke dem staunenden Publikum auf einem brennenden Scheiterhaufen vor, um deren Feuerfestigkeit unter Beweis zu stellen, worauf die Steuerämter, die Nationalbank und die wenigen Geschäftsbanken Aufträge an Wertheim erteilten. 1857 fand eine derartige Vorführung in Konstantinopel statt. Ab nun exportierte die Firma in das Osmanische Reich und nach und nach in südosteuropäische Länder, nach Russland, Italien, Persien und Japan. )

Eine Reihe von Patenten und Erfindungen zeichneten seinen Betrieb aus und brachten internationale Erfolge. Bald erhielt er derart viele Aufträge, dass er seine Werkstätte zum "Wertheimhof" erweitern musste; 1872 folgte die Umwandlung der Firma in eine Aktiengesellschaft, 1873 kaufte Wertheim nach dem Börsenkrach die Aktien zurück und wählte als Gesellschaftsform die Offene Handelsgesellschaft. Nach Plänen von Heinrich Ferstel ließ er sich am Schwarzenbergplatz ein Palais errichtet (das "Wertheimpalais"). Zu den Feierlichkeiten anlässlich des Verkaufs des 20.000sten feuerfesten Tresors am 17. Februar 1869 komponierte Josef Strauss die Polka "Feuerfest“.

Franz Wertheim galt als Pionier des "neuzeitigen Werbewesens" - alles war ihm recht, wenn es nur die Aufmerksamkeit auf ihn und seine Erzeugnisse lenkte. Er förderte auch die Künstlerschaft durch wohlbezahlte Aufträge und errichtete 1872 in seinem Palais ein kleines Theater.

Auch am kaiserlichen Hof war er sehr geschätzt: 1869 durfte er als persönlicher industrieller Experte Kaiser Franz Josef I. zur Eröffnung des Suez-Kanals begleiten. Außerdem war Wertheim Abgeordneter des Niederösterreichischen Landtags, Gemeinderat von Wien, Vizepräsident der Wiener Handels- und Gewerbekammer, Präsident des Niederösterreichischen Gewerbevereins und Kurator des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie.

Die Weiterentwicklung der Widerstandsfähigkeit seiner "Stahl-Panzerkassen" und die Produktion eigener Sicherheitsschlösser führten ihn zu einer Reihe von Ausstellungen, u.a. zur Weltausstellung in Wien (1873), Internationalen Ausstellung in Kapstadt (1877), Weltausstellung in Paris (1878) und Weltausstellung in Sydney (1879).

Als Franz Freiherr von Wertheim am 3. April 1883 in Wien starb, besaß er neben seinen vielen Auszeichnungen und Orden den Titel eines kaiserlichen Rats und den Rang eines kaiserlichen Truchseß'; er war Ehrenbürger der Städte Krems, Scheibbs und Steyr, sowie des Marktes Neustift. Sein industrieller Besitz bestand aus den Werkzeugfabriken in Krems und in Neuberg bei Scheibbs, aus den Sensenwerken Himmelau und Wasserleit sowie aus seiner Wiener Kassenfabrik.

Das Unternehmen ist bis heute mit der Produktion von Tresoren und banktechnischen Einrichtungen auf den europäischen Märkten erfolgreich. Zur Absicherung der Marktposition und Erschließung neuer Geschäftsfelder wurde das Produktsortiment in den letzten Jahren laufend angepasst und erweitert, so dass der heutige Firmenverband Wertheim auch Bank- und Objekteinrichtungen produziert.

Literatur#

  • 100 Jahre Wertheim 1852-1952, 1952

Quellen#

Redaktion: I. Schinnerl