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Wiesenthal, Simon#

* 31. 12. 1908, Buczacz (Ukraine)

† 20. 9. 2005, Wien


Architekt und Verfolger von nationalsozialistischen Verbrechen


Simon Wiesenthal
Simon Wiesenthal um 2000.
Foto: Horego. Aus: Wikicommons unter CC

Simon Wiesenthal wurde am 31. Dezember als Sohn von Asher und Rosa Wiesenthal in Buczacz, nahe Lemberg, geboren. Buczacz ist zu jener Zeit ein kleines Städtchen mit überwiegend jüdischer Bevölkerung, das in Galizien liegt.

1915, nach dem Tod des Vaters, zog die Mutter mit Simon und dem jüngeren Bruder Hillel nach Wien und kehrte erst nach dem Rückzug der Russen aus Galizien nach Buczacz zurück. Als junger Mann studierte er in Prag Architektur und gründete dann ein kleines Büro in Lemberg, der größten Stadt Galiziens. 1936 heiratete er Cyla Müller.

1939 wurde Galizien unter sowjetische Hoheit gestellt, Wiesenthals Stiefbruder wurde erschossen und sein Stiefvater starb in einem sowjetischen Gefängnis. Simon Wiesenthal gelang es, für sich und seine Frau Papiere für die Flucht zu bekommen. 1941 wurde er doch noch von SS-Truppen aufgegriffen und verbrachte insgesamt vier Jahre in verschiedenen Konzentrationslagern.

Cyla Wiesenthal hatte den Krieg teilweise im polnischen Untergrund überlebt, insgesamt haben die Wiesenthals während des nationalsozialistischen Regimes 89 Mitglieder ihrer Familien verloren.

Nach der Befreiung aus dem KZ Mauthausen widmete sich Simon Wiesenthal der Suche nach Naziverbrechern und arbeitete von 1945 bis 1947 für das U. S. War Crimes Office. 1947 gründete er das Jüdische Dokumentationszentrum in Linz (ab 1961 Sitz in Wien).

Simon Wiesenthal setzte sich stets dafür ein, dass NS-Verbrechen gesühnt und nicht vergessen werden, er ist Träger zahlreicher internationaler Auszeichnungen (2000 höchster Orden der USA: Presidential Medal of Freedom).

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • 18 Ehrendoktorate von Universitäten auf der ganzen Welt (davon sind sieben rechtswissenschaftliche Fakultäten)
  • Jerusalem-Medaille, 1985
  • Großes Bundesverdienstkreuz, 1985
  • Ritter der Ehrenlegion, 1986
  • National Hero Award, New York, 1991
  • Otto-Hahn-Friedensmedaille, 1991
  • Ehrenmedaille der UNESCO und der Stadt Paris, 1992
  • Erasmuspreis, 1992
  • Ritterkreuz des Ordens Polonia Restituta
  • Ehrendoktorwürde der Jagiellonen-Universität in Krakau (als erster Jude überhaupt), 1994
  • Menschenrechtspreis der Karl-Franzens-Universität Graz, 1994
  • Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln, 1995
  • Mahnmal gegen Krieg und Faschismus auf dem Albertinaplatz in Wien
  • Ehrenbürger der Stadt Wien, 1995
  • Ehrendoktorwürde der Ben-Gurion-Universität des Negev in Beerscheba, Israel
  • World Tolerance Award, 2000
  • Presidential Medal of Freedom, 2000
  • Medal of Honor der Internationalen Vereinigung der Staatsanwälte (IAP) in Wien, 2002
  • Knight Commander of the Order of the British Empire (KBE), 2004
  • Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, 2005

Werke (Auswahl)#

  • KZ Mauthausen, 1946
  • Groß-Mufti - Groß-Agent der Achse, 1947
  • Ich jagte Eichmann, 1961
  • Verjährung, 1964
  • Doch die Mörder leben, 1967
  • Die Sonnenblume, 1969
  • Segel der Hoffnung, 1973
  • Der Fall Krystyna Jaworska, 1975
  • Max und Helen, 1982
  • Flucht vor dem Schicksal, 1988
  • Jeder Tag ein Gedenktag, 1988
  • Recht, nicht Rache, 1988
  • Denn sie wußten, was sie tun, 1995
  • Projekt: Judenplatz Wien, 2000 (Hg.)

Weiterführendes#

Literatur#

  • M. Sporrer und H. Steiner (Hg.), S. Wiesenthal, 1992
  • A. Levy, Die Akte Wiesenthal, 1995
  • H. Pick, S. Wiesenthal. Eine Biographie, 1998

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl