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Peter Laufer: Der Traum der Schildkröte#

Peter Laufer: Der Traum der Schildkröte / Meine Freundschaft mit einem besonderem Geschöpf seiner Art, Terra Mater, 2018 / Rezension von Maurer Hermann

Schildkroete
Buchumschlag
Das Buch erzählt über das Leben der Schildkröten, die es schon vor 200 Millionen Jahren gab, lange bevor Menschen auftauchten. Das Schicksal der unzähligen Schildkrötenarten ist (Zitat) „untrennbar mit dem ökologischen Schicksal der Meere und dem Klimawandel verknüpft. Es ist ein Aufruf, für die Zukunft unseres Planeten einzutreten“.

In diesem Sinn lernt man mehr als nur über die Vielfalt und die verschiedenen Lebensmuster der über 300 Arten. Sie haben sich den unterschiedlichsten ökologischen Nischen angepasst. Das reicht von den mediterranen Landschildkrötenarten, Gopher- oder Wüstenschildkröten und den besonders zahlreichen, kleineren Wasserschildkrötenarten über groß werdende Fluss-Schildkröten in Südamerika, Riesenschildkröten auf einigen Inselgruppen, Weichschildkröten in Asien und Schlangenhalsschildkröten in Australien bis hin zu den größten, den Lederschildkröten. Ein interessantes und lehrreiches Buch aber unterhaltsam?

Ja, auch, durch einen genialen Trick. Der Autor – er erzählt in Ich Form – kauft sich auf den Rat eines kubanischen Priesters, der als Heiler verehrt wird und der die Langsamkeit der Schildkröten dadurch erklärt, dass sie so viel denken und dadurch viel Geheimes wissen - eine Schildkröte als Haustier.

Seine Schildkröte nennt er Fred, und trotz der „anerkannten“ Tatsache, dass Schildkröten nie auf einen Namen hören und sich nie eine emotionale Bindung zwischen Tier und Besitzer entwickelt, versucht der Autor über lange Zeit, Fred nicht nur als bescheidenes Haustier (einmal Futter alle vier Tage genügt) sondern als Freund zu gewinnen. Dabei wird ein netter typographischer Trick verwendet: Schrift auf weiß überall, wo Geschichten und Fakten über Schildkröten erzählt werden, aber Passagen, die mit Fred zu tun haben sind grau unterlegt.

Vielleicht geht es auch anderen Leser wie mir so: Nach der Hälfte des Buches habe ich zunächst alle verbleibenden Teile über Fred gelesen und war so gerührt wie sein Besitzer, als Fred das erste Mal Reaktionen zeigte wie einen Blick von Aug zu Aug, oder eine langsame Drehung des Kopfes in die Richtung, aus der wieder einmal „Fred“ zu hören ist, oder ein Salatblatt gereicht wird.

Ohne diese „Rahmenhandlung“ mit Fred wäre das Buch voll von durchaus interessanten Fakten und kuriosen Geschichtchen, aber ohne Fred –wer weiß - hätte ich nicht alle anderen Teile des Buches gelesen.

Es steht dafür das Buch zu lesen. Langweilig wird es nicht, und man kommt aus dem Staunen nicht heraus, was die Natur alles gemacht hat und man nichts davon wusste, ähnlich wie es mir bei dem Buch Ozeanopädie ergangen ist.