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Beate Bollmann: Qualitäten kleiner (Heimat-)Museen#

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Beate Bollmann: Qualitäten kleiner (Heimat-)Museen. Ein Leitfaden. Verlag Waxmann Münster 2017. Reihe Neue Heimatmuseen, Band 4, 76 S., 14,90 €

Allein in Niederösterreich sind 700 Museen öffentlich zugänglich, darunter viele kleine. In Wien vereint die ARGE der Wiener Bezirksmuseen an die 30, früher Heimatmuseum genannte, Sammlungen, dazu kommt eine Reihe privater Institutionen. In fast allen sind zahlreiche ehrenamtliche MitarbeiterInnen tätig. Rechnet man das österreichweit hoch, sind es wohl mehrere tausend Personen, die mit Ortskenntnis und Engagement ihr Wissen weitergeben. Die Zielgruppe für den Leitfaden ist also auch hierzulande nicht zu gering.

Die Publikation ist aus dem Projekt "Neue Heimatmuseen als Institutionen der Wissensproduktion" hervorgegangen, an dem sich vier deutsche und ein Schweizer Museum beteiligt hatten. Die Ergebnisse lassen sich 1:1 auf Österreich übertragen. Die ForscherInnen hatten den Eindruck gewonnen, dass regionale Sammlungen oft "Qualitäten aufweisen, die mit den bisher im Museumsbereich angewendeten Qualitätsmaßstäben nicht zu greifen sind". Seit 2013 können sich Sammlungen bei ICOM für das Museumsgütesiegel bewerben. Mit mehr als 1900 Mitgliedern ist ICOM Österreich, das Nationalkomitee des International Council of Museums (ICOM), die größte heimische Organisation der Museen und Museumsfachleute. Rund 250 Sammlungen wurden ausgezeichnet, darunter auch viele kleine. Das Austria-Forum stellt sie vor.

Ehrenamtlich geführte Museen, in die Amateure ihr Erfahrungswissen einbringen, verfügen meist über eine Atmosphäre und Gestaltungsästhetik, die BesucherInnen auf eigene Art und Weise ansprechen. Als Orte der lokalen kulturellen Verständigung erfüllen sie eine wichtige gesellschaftliche Funktion, stellt die Autorin fest, "indem sie materielles und immaterielles Kulturerbe vor dem Verschwinden bewahren, historische, kulturelle und naturräumliche Entwicklungen regional verorten und Identität repräsentieren." Andererseits herrsche noch immer das Vorurteil, Heimatmuseen seien "verstaubte Rumpelkammern" oder "private Spielwiesen kleiner Gruppen von Heimatbewegten".

Die Archäologin Renate Bollmann unterrichtet als Lehrbeauftragte an der Universität Oldenburg im Studiengang „Museum und Ausstellung" und berät Museen bei Projektentwicklung, Management und Ausstellungskonzeption. Mit diesem Leitfaden verfolgt sie das Ziel, museale AkteurInnen bei der Einschätzung ihrer Fähigkeiten und Leistungen für die lokale Gemeinschaft zu unterstützen und ihnen einen Anstoß zu geben, sich durch Veränderungs- und Quali¬fizierungsprozesse für zukünftige Anforderungen besser aufzustellen. Sie lernen, ihre Einrichtungen in vier ausgewählten Bereichen – Museumsräume und ihre Atmosphäre, Einsatz von Erfahrungswissen, Museum als Pionierorganisation sowie als zivilgesellschaftliche Organisation – richtig einzuschätzen. Kurze theoretische Einführungen und methodische Hinweise helfen dabei.

Die Autorin motiviert auch zum Storytelling. Sie teilt die Erfahrung, dass Erfahrungswissen am besten durch Geschichtenerzählen vermittelt werden kann. Geschichten prägen sich leichter ein als Fakten, sind leicht verständlich, erlauben, sich auf die ZuhörerInnen einzustellen und sie emotional anzusprechen. So rückt die letztgenannte der musealen Grundaufgaben - Sammeln, Bewahren, Erforschen, Ausstellen und Vermitteln - in den Vordergrund und trägt zudem zur Partizipation des Publikums bei.