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Helmut W. Malnig: Historische, technische Notizen in rot-weiß-rot#

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Helmut W. Malnig: Historische, technische Notizen in rot-weiß-rot. NWV Verlag Wien - Graz. 322 S., ill., € 38,-

Der 1848 gegründete Österreichischen Ingenieur- und Architekten (ÖIAV) ist der drittälteste Ingenieurverein der Welt, sein Sitz, das 1870 errichtete Palais Eschenbach, das erste, das Bauingenieure für ihre eigenen Kollegen errichteten. Sein Architekt Otto Thienemann (1827-1905) plante u. a. auch das Dianabad und (gemeinsam mit Otto Wagner) den repräsentativen Grabenhof. Franz Melnitzky schuf die Fassadenplastiken. Das Gebäude mit der Adresse Wien 1, Eschenbachgasse 9-11, Nibelungengasse 9, Getreidemarkt 12 war sowohl für den ÖIAV als auch für den niederösterreichischen Gewerbeverein gedacht. In seiner Gestaltung präsentiert sich das Doppelhaus als maßvolle Palastarchitektur mit großem Formenreichtum. Es umfasst elf Tagungsräume für Veranstaltungen bis 270 Personen. "Der ÖIAV ist eine öffentliche Gesellschaft mit dem Ziel, die technischen Wissenschaften zum Vorteil der Menschheit zu empfehlen und anzuwenden", schreibt Helmut W. Malnig. Er studierte an der Technischen Universität Wien Maschinenbau und war als Manager auf dem Energiesektor, in der Wehrtechnik, in der Luft- und Raumfahrt tätig. In der Zeitschrift des ÖIAV und anderen Publikationen veröffentlichte er zahlreiche Artikel, von denen rund 20 im vorliegenden Buch vereint sind.

Alle haben eine einheitliche, klare Gliederung. Einer Zusammenfassung folgen die Entwicklungsgeschichte und das historisches Umfeld der Pionierleistung. Dann wird die Erfindung beschrieben und deren Nutzen und Weiterentwicklung analysiert. Am Ende stehen biografische Skizzen, Literatur- und Bildnachweise sowie eine Zusammenfassung in englischer Sprache. Der Autor behandelt fünf Themenkreise, am Anfang Allgemeines über "Technik im Zeitgeschehen" und den ÖIAV.

Im zweiten Abschnitt, "Expeditionen/Entdeckungen", (zwei Beiträge) geht es um die österreichisch-ungarischen Arktis-Expeditionen. Die Teilnehmer der der Nordpolexpedition mit der "Admiral Tegetthoff" entdeckten im November 1873 das Kaiser-Franz-Josefs-Land, die letzte unbekannte Landmasse der Welt. Der 20.720 km² große Archipel umfasst ca. 160 Inseln . Im folgenden Mai mussten die Forscher die "Admiral Tegetthoff" aufgeben und im August von einem russischen Schiff gerettet werden. Nahe an einer Katastrophe vorbei, verhalfen die k.u.k. Offiziere Julius Payer und Carl Weyprecht der Seemacht Österreich-Ungarn zu internationaler Geltung in der Polarforschung.

Das dritte Kapitel, "Forschung/Wissenschaft", (zwei Beiträge) beschäftigt sich mit Max Mauermann (1868-1929) der als erster den rostfreien Stahl der Öffentlichkeit präsentierte. Langjährige Prozesse mit den Krupp-Werken in Essen, die das Patent einreichten aber geheim hielten, waren die Folge. Die Urteilsverkündung zu Gunsten des österreichischen Pioniers Max Mauermann erfolgte wenige Tage nach seinem Tod.

Im vierten Abschnitt, "Militärtechnik/Marine", (sechs Beiträge) lernt man zunächst die k.(u.) k Kriegsschiffe auf der Donau kennen. "Kein anderer Wasserweg der Welt durchfließt so viele Staaten und verbindet so viele Völker wie der Donaustrom. Was auf der einen Seite Verbindungs- und Handelsweg darstellt, das ist auf der anderen Seite aber auch Grenze und Militärweg", beginnt das Kapitel, in dem auch noch von U-Booten, Luftkissenfahrzeugen, Torpedos und Panzerkampfwagen die Rede ist.

"Verkehrswesen/Antriebe" ist das fünfte Kapitel (sechs Beiträge). Es beginnt mit "Erfolg und Missgeschick des Josef Ressel" (1793-1857), Erfinder der Schiffsschraube. "Seine Pioniertaten bewegten im wahrsten Sinn des Wortes die moderne Schifffahrt der Welt", aber: "Josef Ressel ging seines Patentes, seines verdienten Triumphes und seiner Benefizien verlustig." Erfolg hatte hingegen der Erbauer der Semmeringbahn, Karl Ritter von Ghega (1802-1860), über den der Autor schreibt: "Wenn man von einem Genie sprechen kann, dann war dies Ghega zweifelsohne und dies dürfte auch anerkannt gewesen sein, da seine Ideen stets durchgesetzt wurden." Wenige Erfindungen führten zu so vielen Kontroversen und nationalen Emotionen wie jene des internen Verbrennungsmotors und des Automobils. Dabei ist es das Natürlichste, dass überall in Gesellschaften gleicher Zivilisation und mit ähnlichem Zivilisationsstand … auftretende Probleme ähnlich und fast gleichzeitig ihre Lösung finden." Siegfried Marcus (1831-1898) besaß 38 österreichische und rund 100 ausländische Patente, u. a. für Telegraphen, dazu kamen nicht patentierte Erfindungen, wie das Auto.

Das vorliegende Buch entstand zum 170-Jahr-Jubiläum des Österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins. Die Thematik wird in erster Linie Militärhistoriker und Techniker ansprechen. Die einprägsamen Erläuterungen und zahlreichen Illustrationen, wie Fotos, Dokumente und Konstruktionszeichnungen sind auch für Nicht-Experten interessant. "Von wenigen überragenden Persönlichkeiten abgesehen, sind die meisten Protagonisten dieses Buches heute fast vergessen", resümiert Helmut W. Malnig. "Ich habe versucht, diese Pioniere wenigstens kurzzeitig der Vergessenheit zu entreißen." Das ist ihm gelungen.