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Ilse Retzek - Erich Weidinger: Attersee#

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Ilse Retzek - Erich Weidinger: Attersee. Kostbares, Sehenswertes, Wanderbares. Kral-Verlag Berndorf. 272 S., ill., € 19,90

Der Attersee ist zweifellos ein Sehnsuchtsort. Gustav Klimt und Gustav Mahler waren von der Gegend ebenso fasziniert wie unzählige Gäste, die bis heute die einzigartige Natur und die kulturellen Sehenswürdigkeiten bewundern. Niemand könnte die Region besser beschreiben als dort lebende Autoren. Die Journalistin und Marketingexpertin Ilse Retzek wohnt und arbeitet seit fast 20 Jahren in Litzlberg. Sie betreibt einen Salzkammergut-Blog und kürzlich ist im Kral-Verlag ihr Stadtführer Bad Ischl erschienen. Die Leidenschaft für ihre (Wahl-)heimat teilt sie mit dem Buchhändler Erich Weidinger aus Seewalchen. Gemeinsam haben sie den vielfältigen Ausflugs-Erlebnis-Führer Attersee herausgebracht.

Wenn 2024 Bad Ischl und 20 weitere Salzkammergutgemeinden "Europäische Kulturhauptstadt" werden, wird Steinbach am Attersee dabei sein. Das "Bergsteigerdorf" ist die flächenmäßig größte Gemeinde im Bezirk Vöcklabruck. Illyrer, Kelten, Römer und Bajuwaren zogen durch das Weißenbachtal in den Ort, den die Autoren als "eigentlichen Nabel des Sees" bezeichnen. Zu Zeiten der Habsburger war die Holzbringung zu den Sudpfannen im Inneren Salzkammergut wirtschaftlich bedeutend. Der "Hallhofaufzug" überwand den Höhenunterschied nach Ebensee, wo man zur Salzaufbereitung viel Holz benötigte. Ein Modell befindet sich im Heimathaus, in dem damals die Holzknechte wohnten. Der Aufzug war von 1722 bis 1871 in Betrieb und beförderte drei Millionen Raummeter. Weltberühmt wurde Steinbach durch Gustav Mahler. In seiner 2. und 3. Symphonie verdichtete er die Landschaft seiner Sommerfrische zu einem unverwechselbaren Klanggebilde… Kaiser Franz Joseph schätzte die Jagdgründe im Weißenbachtal. Im dortigen Forsthaus wohnte auch Gustav Klimt und malte es mehrfach. Der Pianist Friedrich Gulda fand auf dem Steinbacher Friedhof seine Ruhestätte.

Noch vieles ist über die Gemeinde zu erfahren, die das Buch wie weitere sechs Attersee-Orte und den Attergau umfassend vorstellt. Dabei folgen die Autoren einer benutzerfreundlichen Gliederung: Geschichte erfahren erläutert die kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten. Erleben informiert über Attraktionen. Originell bei Originalen stellt regionsspezifische Produkte und ihre Hersteller vor. Einkehr und Unterkunft bietet eine Auswahl an kulinarischen Raststätten und Unterkünften. Gut zu wissen sind viele Geheimtipps wie Seezugänge, Sportmöglichkeiten oder Eventlocations. Die schönsten Touren kann man zu Fuß oder auf dem Bike-Sattel unternehmen. Die Routenbeschreibungen - 30 Touren im Detail - sind informativ, reich illustriert und mit Karten versehen. Am liebsten würde man gleich loswandern.

Die Reise beginnt in Seewalchen, wo zwei Fundstellen von Pfahlbausiedlungen Eintrag in die UNESCO-Weltkulturerbeliste gefunden haben. Untrennbar verbunden ist der Ort mit der Erinnerung an Gustav Klimt, der hier mehrere Sommer verbrachte und so berühmte Werke wie die beiden Atterseegemälde oder ein Blumenbild schuf, das 2017 bei einer Versteigerung 56 Millionen Euro erzielte.

Nachdem sich der Meister 1900 bis 1907 in Seewalchen aufgehalten hatte, weilte er in den folgenden Jahren in Kammer-Schörfling zur Sommerfrische. Da 45 seiner 50 Landschaftsbilder am Attersee entstanden, würdigt man den Künstler hier ganz besonders. In Schörfling hat man ein Gustav-Klimt-Zentrum eingerichtet, ein Themenweg zeigt die Schauplätze seiner Motive. 1910 wurde zur Belebung des Fremdenverkehrs in Schörfling die Rekonstruktion eines Pfahlbaudorfes errichtet. 1922 musste das erste Freilichtmuseum Europas für die Dreharbeiten zum Film "Sterbende Völker" spektakulär abbrennen.

In Weyregg befand sich um 200 n. Chr. eine großzügige Villa samt Hafen 1972 fand man einen Teil des Fußbodens - Anlass für eine moderne Römerausstellung, die auch ein 3D-Modell der Anlage und aufschlussreiche Video-Simulationen präsentiert. Ein beliebtes Ausflugsziel ist die Gahberg-Kapelle. Wie seit 300 Jahren finden mehrmals jährlich Wallfahrten statt. Ebenfalls auf dem Gahberg befindet sich eine Sternwarte mit zahlreichen Teleskopen. "Gut zu wissen", dass man in Weyregg nicht nur Wassersport betreiben, sondern auch Golfen, Beachvolleyball und Kegelspielen kann.

Die Gemeindegrenzen von Unterach berühren den Attersee und den Mondsee. Um die Jahrhundertwende reisten Touristen mit der (Pferde-)eisenbahn nach Schörfling und schifften sich nach Unterach ein. Ischler Kurgäste ließen sich in Sänften oder auf Eseln durch das Weißenbachtal zum See bringen und dann nach Unterach rudern. An prominenten Bewohnern sind die Opernsängerin Maria Jeritza und der Erfinder der Schaufelturbine, Viktor Kaplan, zu nennen. Er lebte hier mit Familie und Menagerie und ist in Unterach begraben. Wie könnte es hier anders sein, ist auch ihm ein Themenweg gewidmet.

Die Pfarrkirche von Nussdorf hat einen seltenen Patron, den hl. Mauritius (Moritz). Der Angehörige der römischen Anführer der Thebaischen Legion wird nicht, wie sonst üblich, als Mohr, sondern mit weißer Hautfarbe dargestellt. Ungewöhnlich ist auch eine Mariendarstellung aus dem Jahr 1892. Ihr Modell war Emma Adler, die mit ihrem Mann Viktor, dem Gründer der sozialdemokratischen Partei Österreichs, zur Sommerfrische an den Attersee kam. Zur Advent- und Weihnachtszeit kann man außerhalb, beim Musikpavillon, die Nußdorfer Dorfkrippe bewundern. Gut ein Jahrhundert nach der Adler-Madonna dienten Ortbewohner als Vorbilder für die überlebensgroßen Figuren.

Pfahlbauten, die Römer und die Natur sind auch im Ort Attersee Themen der beschilderten Landschaft. Ein wohltuender Blickfang ist aber die im Sommer 2018 errichtete hölzerne Römerbank entlang der gesamten Promenade. In Glaskästen sind direkt auf der Sitzfläche historische Daten integriert. Sie wird auch als längste Bank im Salzkammergut beworben. Zu den empfohlenen "schönsten Touren", zählt hier eine kombinierte Wanderung und kurze Fahrt mit der elektrischen Lokalbahn, die Vöcklamarkt bzw. die Westbahn mit dem Attersee verbindet. Der Fachwerkbau des Bahnhofs Attersee erinnert an die Pionierzeiten der Erbauung, als 1913 die 13,4 km lange Strecke in nur acht Monaten hergestellt wurde.

Schließlich bietet der Attergau, eine Ferienregion nordwestlich des Sees mit St. Georgen, Straß, Berg und Weißenkirchen - lohnende Ausflugsziele. Das Buch enthält zudem einige Spezialkapitel, wie Geschichte, Klimt, Mahler, "am und im Wasser". Der Werbetext verspricht: Absolut unverzichtbar für alle, bei denen der Attersee das Herz zum Klingen bringt! und das ist nicht einmal übertrieben.

hmw