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Michaela Vocelka - Karl Vocelka: Österreichs Geschichte in 100 Fragen & Antworten#

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Michaela Vocelka - Karl Vocelka: Österreichs Geschichte in 100 Fragen & Antworten. Von der Urzeit bis zur Gegenwart - Alles, was Sie wissen müssen. Ueberreuter Verlag Wien. 220 S., ill., € 22,-

Österreichs Geschichte in 100 Fragen und Antworten zusammenzufassen, ist schwierige Aufgabe. Michaela und Karl Vocelka haben sie - wie könnte es bei dem erfolgreiche Autorenehepaar auch anders sein ? - bravourös gemeistert. Em. Univ. Prof. Dr. Karl Vocelka ist einer der bekanntesten Historiker des Landes. Neben seinem Wirken als Vorstand des Instituts für Geschichte an der Universität Wien und international tätiger Vortragender hat er große Ausstellungen wissenschaftlich geleitet und zahlreiche Bücher verfasst, wie 2013 "Multikonfessionelles Österreich". Mag. Michaela Vocelka ist ebenfalls Historikerin, Autorin und Kuratorin. Sie war u.a. langjährige Leiterin des Simon Wiesenthal Archivs.

Ihr jüngstes gemeinsames Werk handelt von der Urzeit bis zur Gegenwart, gegliedert in fünf Kapitel: Allgemeines und Ereignisse (64 Fragen und Antworten), Wirtschaft (5), Soziales (7), Religionen (6), Kunst und kulturelles Erbe (18). Nach einer Zusammenfassung wird das Thema eingehender erörtert. Als erste Frage drängt sich auf: Was heißt Österreich ? Die erste Antwort beginnt: Österreich ist ein Begriff, der zu verschiedenen Zeiten der Geschichte verschiedene Gebiete meinte und auch heute nicht in Österreich liegende Territorien mit einschloss. … Von Österreich als einem "Staat" kann man - mit vielen Einschränkungen - erst ab der Herrschaft der Babenberger (976) sprechen.

Frage 3 Gibt es eine eigene österreichische Urgeschichte ? wird verneint: Von einer österreichischen Urgeschichte kann man nicht sprechen, lediglich von einer Urgeschichte in Österreich, wobei dabei die Grenzen des heutigen Österreich in eine Vergangenheit projiziert werden, in der sie allerdings nicht existiert und keine Rolle gespielt haben. in den nächsten Kapiteln erfährt man Wissenswertes über die Venus von Willendorf und Ötzi, die Hallstattkultur - kein spezifisch österreichisches Phänomen - Kelten und Römer, die Völkerwanderung (375-568 n. Chr.) und die darauf folgende Besiedlung des Landes: In die von den Romanen verlassenen Gebiete drangen Alemannen, Bayern und Slawen ein, welche die Besiedlung Österreichs langfristig prägen sollten.

Stichworte zum Mittelalter sind u.a. die Babenberger, die Ostarrichi-Urkunde, das Privilegium minus und die Habsburger. Ihrer Bedeutung gemäß trifft man sie in vielen Kapiteln wieder. Chronologisch folgt die Renaissance mit Maximilian I., Karl V., Ferdinand I., der Schlacht von Mohács, den osmanischen Belagerungen, Luthers Lehre, Maximilian II., Rudolf II. in Prag bis zur Gegenreformation. Barockzeit und Aufklärung werden eher kurz abgehandelt. Zwischen dem Wiener Kongress und der Revolution von 1848 taucht Frage 36 auf: Wieso wurde der "steirische Prinz" Erzherzog Johann so populär ? Dies ist nicht nur auf sein politisches und kulturelles Wirken zurückzuführen. In der Steiermark gehen viele Institutionen auf Erzherzog Johann zurück, der eine sehr segensreiche Tätigkeit im Lande entfaltete. Sein Mythos hängt aber stark mit seiner Liebesbeziehung und Ehe mit einer Bürgerlichen zusammen, die romantisch verbrämt wurde. Auch andere Kultfiguren Kaiser Franz Joseph, Sisi und Kronprinz Rudolf werden, neben politischen Themen und z.B. der Ringstraße, behandelt.

Die Tour d’Horizon führt über das Ende der Monarchie, Erste Republik, Austrofaschismus , Anschluss, Weltkrieg und Wendepunkte in der Zweiten Republik zur Situation Österreichs als EU-Mitglied: Der Beitritt Österreichs zur EU im Verein mit dem Fall des Eisernen Vorhangs hat die Situation der Republik zweifellos verändert, wobei viele Vorteile und einige Nachteile dieser neuen Situation aufgezeigt werden können. … Ausstiegsszenarios für Österreich aus der EU, wie sie etwa die FPÖ immer wieder angedacht hat, scheinen jedenfalls unrealistisch, schreiben die Autoren.

Das zweite große Kapitel widmen sie der Wirtschaft. In Frage 65 geht es um die Entwicklung der Bevölkerungszahlen: Nach einer langsamen Bevölkerungszunahme bis ins 18. Jahrhundert kam es in der Zeit danach zu einem raschen Anstieg der Bevölkerungszahlen. Neben den steigenden Geburtenraten war und ist dafür auch die Zuwanderung ein wesentlicher Faktor.Im 13. Jahrhundert lebten 700.000 bis 900.000 Menschen im Gebiet des heutigen Österreich. 1527 wurde die Bevölkerung auf 1,5 Millionen geschätzt, bei der ersten Volkszählung unter Maria Theresia, 1754, kam man auf 2,7 Millionen. Bis 1869 wuchs die Bevölkerung auf 4,5 Millionen und vermehrte sich bis 1918 auf 6,6 Millionen. Der Erste Weltkrieg brachte mit 190.000 Kriegsgefallenen und einem Geburtendefizit von ca. 42.000 im Jahr große Ausfälle. Im Zweiten Weltkrieg verzeichnete Österreich 247.000 Gefallene und 24.000 Ziviltote. Dazu kommen noch die tragischen Folgen der Shoah … Bei der letzten Zählung 2021 wurde die Zahl mit 8,969.068 Menschen angegeben, für 2050 wird eine Bevölkerung von 9,8 Millionen prognostiziert.

Im dritten Kapitel geht es um Soziales - von der Feudalgesellschaft bis zur Emanzipation der Frauen. Dazu heißt es: Schon im 19. Jahrhundert entstanden bürgerliche und sozialdemokratische Gruppen, die eine Emanzipation der Frauen anstrebten. Schritt für Schritt verbesserte sich die Situation der Frauen, verstärkt seit den 1970er-Jahren, doch blieb noch so manches Ziel unerreicht. Das Ziel der bürgerlichen Bewegung mit der Galionsfigur Marianne Hainisch (1839-1936) war der Zugang zu höherer Bildung. Seit 1878 durften Frauen zwar maturieren, aber erst gegen Ende der 1880er-Jahre die Universität besuchen. Die erste Frau, die ein medizinisches Doktorat erwarb, war 1897 Gabriele Possanner von Ehrenthal (1860-1940). Sie hatte in Zürich und Genf studiert und 1894 promoviert. In Wien musste sie alle 21 Rigorosen wiederholen. 1907 wurde die Romanistin Elise Richter (1865-1943) "gnadenhalber" als erste Privatdozentin in Österreich zugelassen. Eine volle Hochschulberechtigung wie auch viele andere Rechte wurden Frauen erst 1919 in der Republik zugestanden.

Für die Religionen ist das 4. Kapitel reserviert - von der Christianisierung Österreichs- vermutlich seit dem 2. Jahrhundert - reichen die Themen über Reformation und Gegenreformation bis zu Judentum und Islam. Erst mit der Annexion Bosnien-Herzegowinas 1908 gab es eine größere Zahl von Muslimen in der Habsburgermonarchie. In der Republik Österreich waren sie nur eine winzige Minderheit, erst ab den 1960er-Jahren mit der Zuwanderung aus Jugoslawien … sowie der Türkei und seit dem letzten Jahrzehnt mit den Flüchtlingen aus muslimischen Ländern wuchs ihre Zahl stark an. … Die Zahl der Muslime in Österreich lag bei der letzten Volkszählung 2021 bei rund 746.000 Menschen, was einem Anteil von 8,3 Prozent der Bevölkerung entspricht.

Schließlich würdigt das Buch Kunst und kulturelles Erbe. Dazu zählen Universitäten, Klöster und Bibliotheken ebenso wie die kulturelle Bedeutung der Habsburger. Man lernt Beipiele mittelalterlicher Kunst, Meisterwerke der Renaissance, herausragende barocke Werke, die Musik der Wiener Klassik, Biedermeierkultur und Ringstraßenstil kennen, wie auch Leistungen der bildenden Kunst, Musik und Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts. Die 100. Frage lautet: Was ist "Austropop" ? und die Antwort: Ab den 1960er-Jahren entfaltete sich eine spezifisch österreichische Popmusik mit Texten im Dialekt, die auch eine starke Wirkung auf die österreichische Identität hatte . Weiter heißt es: Mit dem Lied "I am from Austria" schuf Rainhard Fendrich so etwas wie eine "inoffizielle Hymne" des Landes, die neben dem alten Donauwalzer identitätsstiftend für das Österreich der Zweiten Republik wurde.

hmw