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ELISABETHKIRCHE#

Elisabethkriche
Ansicht der St. Elisabethkirche Foto: Ingrid-Charlotte Graupp

Mit dem Bau der Kirche wurde im Jahr 1859 auf der Weyringer Sandg'stätten begonnen. Das Gotteshaus wurde nach den Plänen des aus Prag gebürtigen Architekten Hermann Bergmann errichtet. Bereits im Jahr 1857 hatte das Kultusministerium den Kirchenbau angeordnet, der aus dem Religionsfonds finanziert wurde.

In der Presse findet man im Juni 1865 folgende Notiz : „Die Elisabethkirche, welche auf der Wieden gebaut wird, ist in allen Teilen, mit Ausnahme des Turmes, bis zum Dachstuhle vollendet. Im Jahr 1866 werden nur noch die Einwölbungen, der Turmbau und die Anbauten herzustellen sein, so dass der ganze äußere Ausbau bis Ende des Jahres 1866 in Vollendung gebracht sein wird.“

In der Neuen Freien Presse gab es im Juli 1865 weitere Nachrichten über die Elisabethkirche:“Der längst projektierte Bau einer Kirche in Fünfhaus wird erst nach Vollendung der im Bau begriffenen Elisabethkirche auf der Sandstätte in Angriff genommen. Der Bau der Kirche in Breitenfeld, der künftigen Kirche zum heiligen Franz Seraph, wird begonnen werden, sobald die Grundkompensationen zwischen Militär Aerar und Kommune ausgetragen sein werden. Der Bau der Kirche unter den Weißgärbern wird definitiv Ende August d. J., noch in Angriff genommen werden, da man bis dorthin die Offert-Verhandlungen mit den Bauunternehmern beenden zu können hofft. Im heurigen Jahr muss noch der Grund, der im Verhältnis zur Kirche in einer ansehnlichen Tiefe fundiert wird, ausgebaut werden.“

Auch der Zwischenakt meldet am 10. Oktober 1865: „Der Bau der Elisabethkirche auf der Wieden, ober dem Theresianum, ist in diesem Jahr, begünstigt durch das anhaltend schöne Wetter, welches noch immer die Steinsetzung erlaubt, ungemein rasch fortgeschritten. Die Hauptmauern und Strebepfeiler sind bis zur Dachhöhe aufgeführt, und es wird im nächsten Frühjahr die Einwölbung beginnen. Auf dem Bauplatz selbst wurde in diesem Frühjahr eine ausgedehnte Steinmetz Hütte hergestellt, in welcher die Werksteine unmittelbar bei der Kirche vorgerichtet werden. Der Rohbau dürfte mit Ende des nächsten Jahres fertig sein.“

Im April 1866 erfährt man aus der Neuen Freien Presse einen ausführlichen Bericht über die Elisabethkirche: „In der Bauhütte der Elisabethkirche wird fleißig an den Versetz Stücken für den Turm gearbeitet. Für die Kircheneinrichtung im gotischen Stil hat der Architekt Oberingenieur Bergmann folgende Entwürfe gezeichnet, die genehmigt werden dürften. Einen Hauptaltar, ganz aus Eichenholz geschnitzt, dessen Vergoldung nur in den Ornamenten und teilweise in den Gliederungen, dessen Bemalung nur in einigen Hohlkehlen projektiert ist. Die Nische über dem Tabernakel ist reich mit Maß- und Laubwerk versehen. Darüber kommt das Altarbild selbst, die heilige Elisabeth, auf Goldgrund gemalt, und über demselben in den gotischen Bogen erscheinen im Basrelief, verschlungen in Ornamenten, die drei göttlichen Tugenden, die Krönung bildet ein aus dem Dreieck ins Sechseck geformter Baldachin mit dem Gekreuzigten. Das Kreuz sowohl, wie die beiden Heiligen in den schmalen Flügeln des Altars sollen aus weißen Lindenholz geschnitten werden. Zwei Seitenaltäre, gleichfalls mit Statuen und Gemäldeschmuck. Die Kanzel an einem der unteren Vierungspfeiler bildet ein Sechseck. Die vier sichtbaren Flächen der Kanzel sind mit Basreliefs – die vier Evangelisten – mit Spitzbögen und Krönungen geziert. Der Schalldeckel ist aus dem Zwölfeck konstruiert und in seiner oberen Pyramide ganz durchbrochen. Unter demselben ist die Statue des guten Hirten aufgestellt.

Foto: Graupp
Elisabeth Kirche

Ferner die Orgel, nur teilweise aus Eichenholz, und der Taufbrunnen aus hartem Kalkstein; das Becken des letzten, ein Achteck, ruht auf einem achteckigen Fuß; dann Opferstock und Weihbrunnkessel ebenso aus Kalkstein, vier einfach konstruierte Beichtstühle, dann Betstühle, deren dreißig einfache im Hauptschiffe aufgestellt werden sollen; endlich Partikel Kreuz aus Bronze und Leuchter für den Hochaltar. Mit der Ausführung dieser Gegenstände ist für die Haupteinrichtung der Kirche gesorgt. Nun geht Architekt Bergmann an die Zeichnungen für die kleineren Altäre in der Taufkapelle und im heiligen Grab, für die Chorstühle, Kredenz und Kronleuchter, für Lampen, Luster und das Apostelkreuz usw.“

Dieselbe Zeitung im Mai 1866: „Die Elisabethkirche soll nun endlich am 19. November, also am Namenstag Ihrer Majestät der Kaiserin, vollendet sein und eingeweiht werden. Die Kirche ist im gotischen Stil erbaut, erhält drei Schiffe mit bedeutend erhöhtem Mittel- und Kreuzschiff und einem Langhaus. Der am Westende aufgeführte Turm erhält eine Höhe von 80 Meter, dessen Helm aus Stein in Verbindung mit einer Galerie hergestellt wird. Die Seitenaltäre stehen genau in der Achse der Seitenschiffe. Die Kirche hat nur ein Hauptfenster im Turm mit zwei Pfosten, sechs Fenster im Langhaus und zwei Fenster im Kreuzschiffe.“

Die „Debatte“ desselben Tages beobachtet den Baufortschritt kritischer: „Da allem Drängen zum Trotze und ungeachtet mehrfacher Interpellationen der Bau der Elisabethkirche nicht recht vorwärts schreiten wollte, so nahm endlich Kardinal Rauscher selbst die Angelegenheit in die Hand und seiner tatkräftigen Einwirkung ist es zu danken, dass der seit einem Zeitraume von zehn Jahren sich hinschleppende, aus den Geldern des Religionsfonds hergestellte Kirchenbau im Laufe dieses Sommers so rasch betrieben werden wird, dass die Elisabethkirche im Spätherbst und am Namensfeste Ihrer Majestät der Kaiserin Elisabeth (19. November) wird eingeweiht werden können.“

Die Kommune fällte endlich eine Entscheidung, Bergmann wurde seines Postens enthoben und durch den ungarischen Architekten Josef Lippert Ritter von Granberg ersetzt. Dazu die Neue Freie Presse im Juni 1866: „Die innere Ausstattung der von Bergmann erbauten Elisabethkirche ist von der Kommune dem bekannten Architekten Lippert übertragen worden. Lippert hat durch die geschmackvolle Restauration der Kapelle des Deutschen Ordens erst vor Kurzem den Beweis geliefert, wie vortrefflich er es versteht, die Ausschmückung eines gotischen Bauwerkes mit Altären, Kanzel, Leuchtern usw. zu bewerkstelligen.“

Für viele war die Abberufung des Architekten Bergmann mehr als überfällig. Nun hofften sie, dass der Nachfolger das Wunder vollbrachte und die Kirche bis zum 19. November 1866 fertig sei. Besonders die Neue Freie Presse war sehr an der Elisabethkirche interessiert und informierte die Leserschaft über jedes Detail. So auch im Oktober:“Die Bauarbeiten an der Elisabethkirche sind nunmehr gänzlich vollendet und werden soeben im Innern die Gerüste entfernt. Die Bildhauerarbeiten sind gleichfalls fertig; dieselben wurden von den Bildhauern Seitz und Stürmer ausgeführt. An den vier Hauptpfeilern der Kirche sind die Attribute der vier Evangelisten angebracht. Bei den Emporen werden die Statuen der Apostel Petrus und Paulus aufgestellt. Gegenwärtig ist noch die Pflasterung der Kirche und die innere Einrichtung herzustellen. Die Fenster erhalten an den Maßwerken farbige Gläser. Der Bau des Turmes schreitet gleichfalls der Vollendung entgegen und ist bereits bis zur Höhe von 26 bis 27 Klaftern gediehen. Der Turmhelm wird aus Holz mit Schiefereindeckung hergestellt. Bei günstiger Witterung wird der Bau des Turmes noch diesen Herbst vollendet. Die Einweihung der Kirche wird ohne Rücksicht auf die Vollendung des Turmes vorgenommen und dürfte wahrscheinlich am 19. November erfolgen.“ Einen Tag später meldete sich das Fremdenblatt zu Wort und scheint die Situation kritischer zu beurteilen: „Zur Besetzung der neu kreierten Pfarre an der Elisabethkirche wurde vom fürsterzbischöflichen Konsistorium bereits der Konkurs ausgeschrieben. Nach dem gegenwärtigen Baustande dürfte jedoch die Elisabethkirche wie die „Korresp. Gall“ entgegen der von uns gestern nach einer andern Lokal-Korrespondenz gebrachten Mitteilung berichtet, schwerlich vor dem nächsten Frühjahr eingeweiht werden. Die drei Schiffe der Kirche stehen von Außen wohl vollendet da; im Innern der Kirche dürften aber die Maurer- und Verputz-Arbeiten noch längere Zeit in Anspruch nehmen. Der Turm, welche eine Höhe von 35 Klaftern erhält und eine hübsche Fernsicht gewähren wird, ist erst bis zur Anlage der Hauptgiebeln gediehen. Über diese soll erst eine über Eck gestellte achteckige Steinpyramide gebaut werden, welche im oberen Teil mehrmals unterbrochen ist und daher auch noch einige Arbeit erfordert. Die Kirche ist im gotischen Stil im Rohbau ausgeführt, mit bedeutend erhöhtem Mittel- und Kreuzschiffe und einem in gleicher Höhe mit dem Chor stehenden Langhaus. Der Hauptreichtum des Baues ist auf Triumphbögen und Presbyterium gerichtet. Der Vorzug der ganzen Anlage im Innern beruht mehr auf großen Massen und schönen Verhältnissen als auf den Details und Ornamenten. Das Hauptportal hat einen Mittelpfeiler mit einer kleinen Säule, auf welche die Statue der heiligen Elisabeth zu stehen kommt. Die Kirche wurde nach dem Plan des Oberingenieurs Bergmann gebaut.“

Mitte Oktober verkündete das Fremdenblatt: „Vorgestern Mittags sind bereits die fünf für die Elisabethkirche bestimmten Glocken aus der Gießerei des k.k. Hofglockengießers Ignaz Hilzer in Wiener Neustadt hier angelangt. Dieselben wurden auf Wägen, die mit Tannenbäumchen und bunten Bändern reich geschmückt waren, geführt und waren desgleichen die Pferde mit Bändern. behangen und die Hüte der Fuhrleute mit Sträußen geziert.Eine ungeheure Menschenmenge folgte dem Zuge. Die Glocken wurden vorläufig auf dem Bauplatz der Kirche untergebracht. Dieselben haben ein Gewicht von zirka 50 Zentnern und sind mit bronzierten gusseisernen Helmen versehen.

Einige Tage später im Oktober meldet das Fremdenblatt:“Der Bau des Turmes der Elisabethkirche auf der Wieden ist bis auf die Kreuzrosen beendet und wird in kürze die Aufstellung des Turmhelmes beginnen. Der Turm erhält eine Höhe von 37 Klaftern und wird daher nach dem Stephansturm der höchste Turm unter den Türmen Wiens sein. Derselbe ist gegenwärtig schon von dem Glacis aus sichtbar. Die Aufstellung der Glockenstühle hat begonnen und werden die Glocken in einigen Tagen aufgezogen werden. Im Innern der Kirche ist vom Hochaltar der Bau der Mensa aus Stein bereits ausgeführt und wird nun an der Legung des Pflasters und der Herstellung der inneren Einrichtung mit Eifer gearbeitet. Die Kirche ist streng im gotischen Stil gehalten und kommen bei den Gewölben der Kirche keine Eisenverbindungen vor.

Am 8. November 1866 um 8 Uhr wurden die für die Elisabethkirche bestimmten Glocken in der Stephanskirche von dem Weihbischof Dr. Kutschker in feierlicher Weise geweiht. Die Glocken erhielten der Größe nach die Namen: Salvator, Maria, Franziska, Josepha, Elisabeth. Sie wurden mit Blumen und Laub bekränzt, auf festlich geschmückten Wagen von aufgeputzten Pferden gezogen und von einer großen Menge begleitet zur Metropolitankirche und nach der Weihe in gleicher Weise wieder zur Elisabethkirche gebracht, wo sie auf ihre bestimmten Räume in die Glockenstube aufgezogen wurden. (Fremdenblatt).

Was kaum jemand für möglich gehalten hätte wurde am 18. November 1866 Wirklichkeit: Die Einweihung der Elisabethkirche fand statt. Dazu die Presse: „Die Einweihung der Elisabethkirche auf dem Carolinenplatz der Vorstadt Wieden hat heute Vormittag um 9 Uhr in feierlicher Weise und unter Anwesenheit einer großen Anzahl von Andächtigen stattgefunden. Der Weihe-Akt wurde durch den Herrn Weihbischof Dr. Kutschker unter Assistenz zahlreicher Geistlichkeit und unter Anwesenheit vieler Domherren der Wiener Erzdiözese vorgenommen. Außerdem waren der Bürgermeister Dr. Zelinka, die Bezirksvorstände, viele Gemeinderäte und die Pfarrgeistlichkeit der Vorstadt Wieden erschienen. Die Hauptfront der Kirche gegen die Belvederegasse zu war mit Festons aus Tannenreisig, Kränzen und vielen Fahnen in den kaiserlichen und den Landesfarben, sowie auch mit Fahnen in den bayerischen Farben geschmückt. Für den feierlichen Umgang, der mit dem Weihe Akte verbunden war, hatte man rings um die Kirche einen Bretterweg angelegt und für das Publikum eine Tribüne errichtet. Der Weihe folgte ein Hochamt, und um 5 Uhr nachmittags fand eine Festpredigt statt. In den nächsten Tagen werden um 7 und 10 Uhr vormittags heilige Messen daselbst gelesen und täglich um 5 Uhr nachmittags ein heiliger Segen abgehalten.“

Das Altarbild hat eine Höhe von 9 Meter und stellt die heilige Elisabeth inmitten der Armen dar. Der Künstler ist ein Jahr darauf gestorben.

Die notwendigen Gegenstände zur Einrichtung der Kirche beliefen sich auf 50.000 Gulden.

Das Meßkleid istGeschenk des Kaiserpaares, mit eigenhändiger Stickerei der Kaiserin Elisabeth

Foto: Graupp
Prof. Franz Dobyaschofsky
Foto Graupp
Messkleid
vom Kaiserpaar
vom Kaiserpaar

Die Wiener Zeitung berichtet: „Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin haben der neu erbauten Elisabethkirche zum bleibenden Angedenken ein Gold gesticktes vollständiges Messkleid mit den von Ihrer Majestät eigenhändig gestickten Namens Chiffern, eine Stola, wertvollen mit Bildnissen der heiligen Namenspatrone der kaiserlichen Familie gezierten Kelch, Patene, Tasse mit zwei Kannen gespendet.“

Außer dem Kaiserpaar gab es noch weitere namhafte Spender: Fürstin Hohenlohe 100 Gulden, Franz Ritter von Wertheim hatte für die Sakristei eine Einbruch sichere eiserne Kassa gespendet. Zahlreichen Hausbesitzer zeigten sich außergewöhnlich großzügig und spendeten reichlich.

Im Februar 1867 beschäftigte sich der Gemeinderat mit der Herstellung einer Turmuhr für die Elisabethkirche welche von der Finanzsektion befürwortet wurde, doch der Sektions Antrag wurde mit 30 gegen 24 Stimmen abgelehnt.

Im März wurde die Elisabethkirche mit der Favoritenstraße zugewandten Seite ein großes, aus weißem Sandstein bestehendes Basrelief eingemauert, welches Christus am Ölberg in dem Momente vorstellt, in dem ihm der Engel den Leidens Kelch bringt. (Franz Melnitzky)

Ein 52 Jahre alter reicher Israeli ließ sich im April 1867 in der Elisabethkirche taufen. Der Grund, er will sich mit einem sehr schönen, aber armem Mädchen vermählen.

15. Juni 1867 in der Neuen Freien Presse

Der k. k. Hoffotograf trauerte um seine Mutter die in der Elisabethkirche eingesegnet wurde.

Eine weitere kirchliche Feier erfuhr die Elisabethkirche im August 1867 mit der Einweihung und Aufziehung des Kreuzes.

Am 19. Jänner 1868 kam eine neue Messe in C des Kirchenmusikers Franz Joseph Zierer in der St. Elisabethkirche zur Aufführung.

Über die feierliche Einweihung der neuerbauten Elisabethkirche die im Oktober 1868 in Anwesenheit des Kardinals Rauscher und der beiden Prälaten Holzinger und Angerer stattfand. Der Dechant der Elisabethkirche hielt um 11 Uhr ein Hochamt, zu welchem auch der Statthalter von Weber, der zweite Bürgermeister-Stellvertreter und weitere Gemeinderäte erschienen. Die eigentliche feierliche Schlusssteinlegung in Kirche und Pfarrhaus sollte am 19. November stattfinden. (N Wr TgBl.)

Wie das Morgenblatt am 15. März 1869 über die im Bau befindlichen Kirchenbauten berichtet muss ein wahrer Boom ausgebrochen sein, den man sich heute gar nicht vorstellen kann.“Der Bau neuer Kirchen hat in euer Zeit eine bedeutende Ausdehnung erhalten. So wurden in den letzten Dezennien die Johanneskirche in der Praterstraße, die Kirche zu Meidling, die Alt Lerchenfelder Kirche, die Lazaristen Kirche auf dem Schottenfeld und die Elisabethkirche auf der Wieden neu gebaut. In dieser Zeit wurden ferner der Stephansturm zweimal aufgebaut und der Bau der Giebel an der Kirche ausgeführt, ebenso die beiden Türme an der Piaristenkirche ausgebaut, die Karlskirche vollständig restauriert, die Hietzinger Kirche erweitert. Von Bauten der nicht katholischen Kulten sind zu verzeichnen: Die griechische Kirche am Fleischmarkt, die protestantische Kirche in Gumpendorf, der neue israelitische Tempel in der Leopoldstadt, ferner wurde die protestantische Garnisonskirche bei den Schwarzspaniern in der Alster Vorstadt eröffnet. Den größten Aufschwung hat jedoch das Kirchenbauen in der neuesten Zeit genommen. Während nämlich in den früheren Jahrhunderten Jahrzehnte vergingen, bis der Bau einer neuen Kirche in Angriff genommen wurde, sind gegenwärtig nicht weniger als vier Kirchen zugleich im Baue begriffen, nämlich die Votivkirche, die Weißgärber Kirche, die Kirche in der Brigittenau und die Fünfhauser Kirche. Und schon sind wieder Verhandlungen wegen des Baues einer neuen Kirche in Breitenfeld im Zuge.“

Schon damals sind über Wien orkanartige Stürme hinweggefegt und hinterließen enorme Schäden . Im November 1869 erlebte Wien wieder einen derartigen Orkan der sehr böse Folgen nach sich zog. Beim Verlassen einer Fleischhauer Hütte nächst der Elisabethkirche wurde die Kassierin von einem herabstürzenden Türmchen das den großen Turm zierte, getroffen. Die 5 bis 6 Zentner schwere Steinmasse trafen die Unglückliche die mit gebrochenen Gliedern und zerschmetterten Kopf auf dem Platz liegen blieb. Weitere Bausteine waren auf das Dach der Kirche krachend nieder gedonnert und schreckten die Andächtigen in der Kirche derart auf, dass diese aus dem Gotteshaus stürmten, in dem Gedränge stürzte eine alte Frau und es hätte bald noch ein Unglück gegeben. In der Neuen Freien Presse war noch von weiteren Todesfällen durch Ziegelsteine zu lesen.

Aus einer Grazer Zeitung erfuhr man weitere Details. Auf dem Karolinenplatz wurde gerade ein Markt für Fleisch und Gemüse abgehalten, Eben hatte der Fleischhauer Braun Wällischgasse in Erdberg sich zur Abfahrt gerüstet und die Kassierin, die 16jährige Maria Thomandl aus Linz zum Wagen begeben als sie von den herabstürzenden Steinmassen getroffen wurde.

Nachdem das Unglück geschehen: So der Titel des Morgenblattes am 19. November 1869: „Der Vorstand des Bezirkes Wieden hat gestern an den Gemeinderat eine Eingabe gerichtet, in welcher der gerechten allgemeinen Entrüstung darüber Ausdruck gegeben wird, dass ein erst kürzlich mit bedeutenden Kosten ausgeführtes monumentales Bauwerk – nämlich die Elisabethkirche – eben so rasch in einen baufälligen, reparaturbedürftigen Zustand geraten konnte. Nur einem besonders glücklichen Zufalle ist es zu danken gewesen, wenn bei dem sonntägigen Sturmwetter die herabstürzenden Steinmassen, unter deren Wucht ein blühendes Menschenleben begraben ward, nicht auch das nur vier Zoll starke Kirchengewölbe eingeschlagen haben, wodurch eine noch viel unheilvolle Katastrophe herbeigeführt worden wäre. - Im Interesse der öffentlichen Sicherheit verlangt die dortige Bezirksvertretung eine strenge Untersuchung des gegenwärtigen Baustandes, ferner Kirche, da durch die bekannten unglücklichen Ereignisse die Besorgnis erweckt wurde, es sei die Bauführung an der Elisabethkirche nicht in der gewissenhaftesten und den Offert Bedingungen entsprechenden Weise hergestellt worden. Der Bezirksausschuss spricht hierbei den allerdings berechtigten Wunsch aus, bei der zu führenden Untersuchung durch Delegierte vertreten zu sein, - Zur Orientierung in dieser Sache fügen wir hinzu, dass die Elisabethkirche erst im Jahr 1867 vollendet wurde, und dass der Mag Ober Ingenieur Bergmann den Bau der Kirche leitete Die einzuleitende Untersuchung wird wohl ergeben, ob Anlass zu einem weiteren strafgerichtlichen Vorgehen geboten ist, oder nicht.“

In Wien wurde mit Vorliebe Lotto gespielt, besonders dann wenn sich Außergewöhnliches ereignet hatte. Sothen durfte sich freuen, denn die tragischen Ereignisse bezüglich der Elisabethkirche veranlasste die Wiener dementsprechende Nummern zu setzen und so mancher durfte sich über einen Gewinn freuen.

Anfang Jänner 1870 wurden die beiden Bezirksvorsteher von Wieden, Burg und Frankenberg die Ende Dezember 1869 plötzlich verstorben waren zu Grabe getragen und in der Elisabethkirche eingesegnet.

Eine weitere Einsegnung in der Elisabethkirche fand im März 1870 statt. Der bekannte Prof. der Chemie, Dr. Joseph Redtenbacher wurde unter großer Teilnahme von Assistenten, Studenten, Mitglieder der Akademie der Wissenschaften, Sektionschef Glaser, Fürst Colloredo, die Professoren der Universität und Technik auf dem Matzleinsdorfer Friedhof beigesetzt.

Seit dem Jahr 1864 ist der Kommunalsäckel für kirchliche Zwecke stark in Anspruch genommen, so berichtet das Fremdenblatt im August 1870. An freiwilligen Beiträgen lieferte der Gemeinderat für den Turmbau der Lazaristen Kirche 10.000 Gulden,für die Restaurierung der Stephanskirche bereits durch mehrere Jahre je 15.000 Gulden, zum Ausbau der Votivkirche eine Summe von 150.000 Gulden. Zur Beitragsleistung verpflichtet war die Gemeinde zum Baue der Elisabethkirche mit 20.000 Gulden, jenem der Brigitta Kirche mit vorläufig 30.000 Gulden und betragen außerdem die jährlichen Auslagen für Kultuszwecke eine Summe von 19.990 Gulden.

Ende Oktober 1870 wurde Wien neuerlich von einem Orkan heimgesucht und große Schäden verursachte. So wurden alle Fenster der Elisabethkirche eingedrückt, Teile des Schieferdaches flogen durch die Luft zum Fenster in eine fremde Wohnung hinein.

Am 20. November 1871 ereignete sich in der Elisabethkirche wieder etwas Ungewöhnliches. Der Organist Alois Vogel spielte wie immer auf der Orgel. Doch plötzlich verstummte die Königin der Instrumente. Als man Nachschau hielt fand man den toten Organisten der einen Schlaganfall erlitten hatte. Er wurde in die Totenkammer des Allgemeinen Krankenhauses gebracht.

Im Juni 1874 war in der Elisabethkirche wieder eine Einsegnung. Karl Mallmann, Direktor des böhmischen Waldindustrie-Vereines wurde anschließend unter großer Beteiligung auf dem Matzleinsdorfer Friedhof zu Grabe getragen.

Über ein Unglück das böse enden hätte können berichtete die Morgen Post am 1. Juli 1874: „Bekanntlich ist vor einiger Zeit in der St. Elisabethkirche ein drei Zentner schwerer Kristallluster durch Riss des Seiles in die Tiefe gestürzt und nur durch Zufall wurden zahlreiche Menschen gerettet, die nahe daran waren vom Luster erschlagen zu werden. Der Statthalter hat infolge dessen durch das technische Departement der Statthalterei sogleich die nötigen Erhebungen pflegen lassen und es stellte sich heraus, dass die Luster Schnüre aus ¾ Zoll dicken rot übersponnenen, aber schlechten ungenügend gedrehten Material bestanden, also eine liederliche Arbeit des betreffenden Geschäftsmannes waren. Die Statthalterei hat nunmehr die Beistellung

entsprechend starker, gut gearbeiteter Seile für die beiden Luster angeordnet. Für jeden derselben ist eine Seillänge von 20 Klaftern erforderlich und müssen die neuen Seile nach der Aufmachung einer Belastungsprobe auf das doppelte Gewicht der Luster durch mindestens acht Tage unterzogen werden.“

Mit einen anderen unliebsamen Vorfall beschäftigte sich die Deutsche Zeitung am 3. Juli 1874: „Die in der Theresianumgasse Nr. 5 wohnhafte 24 jährige Haushälterin Leopoldine Wittek, die sich unter den Andächtigen in der Elisabethkirche befand, sprang plötzlich von ihrem Sitze auf, näherte sich einem Seitenaltar, warf die auf demselben stehenden Leuchter und Blumentöpfe herab, wollte von einer Marien-Statue den Kranz herunternehmen und ein Messingkreuz einstecken. Es kostete viel Mühe, die Irrsinnige von weiterer Zerstörung abzuhalten. Sie wurde auf das Beobachtungszimmer des allgemeinen Krankenhaus gebracht.“

Im Neuigkeits Weltblatt vom 5. Juli 1874 wurden die Baukosten der Elisabethkirche nochmals erörtert: „Laut der vom Baurat Trojan der Statthalterei vorgelegten Rechnung beziffern sich die auch vom Ministerium für Kultus und Unterricht genehmigten Kosten für den Bau der Elisabethkirche auf der Wieden für den Fundamentalbau auf 58.887 Gulden 32 Kreuzer, für den Oberbau auf 395.479 Gulden 87 Kreuzer, im Ganzen mit 453.867 Gulden 19 Kreuzer, wovon auf den n.ö .Religionsfonds 354.228 Gulden 73 Kreuzer, auf die Kommune Wien 99.688 Gulden 46 Kreuzer entfielen. Da von der Gemeinde Wien im Jahr 1869 der Betrag von 40.000 Gulden und im Jahr 1870 der Betrag von 20.000 Gulden bereits eingezahlt worden ist, so hat dieselbe nun noch den Betrag von 89.683 Gulden 46 Kreuzer zu erlegen, welche Summe laut Auftrags der Statthalterei „ungesäumt“ an die n.ö. Landeshauptkasse abzuführen wäre.“

All diese Begebenheiten und Ereignisse spielten sich rund um den Bau der St. Elisabethkirche ab.

Quellen: Zeitungen der ÖNB Fotos: Archiv GRAUPP Weiterführend: Elisabethkirche Wien Geschichte WIKI Pfarrkirche St. Elisabeth Wikipedia

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