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OTTO BENNDORF#

Archäologe
Otto Benndorf

Am 2. Jänner 1907: Ein Gelehrter der sich die aller größten Verdienste um die archäologische Forschung in Österreich erworben hat, aber auch ein Archäologe von europäischem Ruf. Sektionschef Professor Dr. Otto Benndorf ist heute hier gestorben... so beginnt das „Neue Wiener Tagblatt“ ihren Nachruf

Benndorf war eine Zierde der Wiener Universität, ein Kenner der Antike, offenen Auges für alle Erscheinungen der modernen Kunst, einer von jenen seltenen Männern, die immer beweisen, dass es weder eine alte noch neue Kunst gibt, sondern nur eine Kunst.

Der Schliemann von Ephesus, wie man Benndorf zu nennen pflegte, wurde am 13. September 1838 in Greiz im Voigtland geboren, studierte in Erlangen, später in Bonn, führte in den 60er Jahren archäologische Reisen nach Italien und Griechenland durch und habilitierte sich dann als Dozent für Archäologie und Philologie in Göttingen. Später wurde er ordentlicher Professor der Archäologie in Zürich und Prag, Honorarprofessor in München.

1877 folgte Benndorf dem Ruf der archäologischen Lehrkanzel der Wiener Universität und gründete später die Schule der österreichischen Archäologen, die ab da, höchst erfolgreiche Forschungsreisen durch die Österreichisch-ungarische Monarchie, die Balkanhalbinsel und Kleinasien unternahmen und wertvolle Funde nach Hause schafften. Einige dieser Forschungsreisen wurden von Benndorf selbst durchgeführt, so auch jene im Jahr 1881 die sie in das südwestliche Kleinasien führte und zwei Jahre später wurde diese Gebiet abermals aufgesucht die dann äußerst bedeutungsvoll wurde, denn sie konnten zu ihrer großen Freude das Grabdenkmal von Gjölbaschi erwerben und mit Hilfe von Kunstfreunden nach Wien transportiert werden. Mit seinem treuen Mitarbeiter Georg Niemann ordnete man den kostbaren mitgebrachten Fund. Im Jahr 1898 verlor die Wiener Universität zum Leidwesen ihren hervorragenden und besten Lehrer der deswegen schied, um Direktor des Österreichischen Archäologischen Institut zu werden. Benndorfs aufopfernde, nimmermüde Tätigkeit ist es zu danken, dass das Institut alsbald Weltruf erlangte. Trotzdem setzte Benndorf seine Expeditionen und Arbeiten fort. Seine besondere Aufmerksamkeit galt vor allem den österreichischen Grabungen in Ephesus die er teils selbst, teils Prof. Heberdey und die Architekten Wilberg und Niemann leiteten. Mit den Ausgrabungen begann man im Jahr 1895, in dem sie sich an früher zumeist von Engländern unternommenen Ausgrabungen anschlossen; es wurden sehr viele und sehenswerte Objekte zutage befördert. Die Ausgrabungen wurden von Benndorf inauguriert; die reichen Kunstschätze die wieder ans Tageslicht befördert, welche als Geschenke des Sultans für unseren Kaiser in Wien neben der Modernen Galerie untergebracht sind.

Benndorf
Archäologisches Institut

Die literarischen Arbeiten Benndorfs sind sehr zahlreich und behandeln all die Forschungsarbeiten und Expeditionen der letzten Zeit. Die Enquete über den Bauzustand des Diokletianpalastes in Spalato, die im Frühjahr 1903 stattfand, stützte sich auf ein Gutachten Benndorfs, wie der Gelehrte überhaupt immer eifrig um die Erhaltung der Baudenkmäler der Monarchie bemüht war. Speziell Wien hat ihm in dieser Hinsicht viel zu verdanken.

Viele Jahre war Benndorf auch als Referent im Unterrichtsministerium tätig, als Kurator des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie hatte er Gelegenheit, sein außerordentlich entwickeltes ästhetisches Empfinden in den Dienst der öffentlichen Kunsttätigkeit zu stellen. Seine Vorträge im Museum waren Kunstwerke; einzelne wurden auch in Druck gelegt, wie der Vortrag über antike Gesichtshelme und Sepulkralmasken, welche unter dem Eindruck der mykenischen Funde von Schliemann gehalten wurde.

Ausgrabungen
Ephesus

Benndorf ist ein Schwager des berühmten Nationalökonom Adolf Wagner. Er hinterlässt drei Kinder, einen Sohn Hans, Professor der Physik in Graz, und zwei Töchter, deren eine mit dem verstorbenen Direktor des Archäologischen Instituts in Athen, Reichel, vermählt war und die jetzt Oberin des Rudolfinerhauses ist, und Fräulein Kornelia Lehrerin beim Beamtentöchterlyzeum. Vor einem Jahr wurde Benndorf zum Sektionschef ernannt. Er hat eine große Schule gegründet, die Archäologie mächtig gefördert und die Wiener Kunstschätze um kostbare Kollektionen bereichert. Seine bezaubernde Persönlichkeit, seine glänzende Suada, und sein feines, ruhiges Urteil in Kunstfragen werden jedem unvergesslich sein, welcher das Glück hatte, zu seinen Schülern zu zählen.

Sektionschef Hofrat Benndorf erfreute sich früher bester Gesundheit. Als Pionier der Wissenschaft vertrug er auf verschiedenen Reisen das ungesunde Klima Süditaliens und die rauhen Stürme auf den Bergen Kleinasiens. Vor etwa sechs Jahren erkrankte er unter nervösen Symptomen, es stellten sich die Erscheinungen einer leichten Zuckerkrankheit ein. Der Zustand besserte sich wieder. Doch im Vorjahr im Dezember erlitt er einen Schlaganfall mit Lähmungserscheinungen. Es gelang seinem Hausarzt Prof. von Frisch, und das zärtliche Zutun seiner Gattin und Tochter eine Besserung der sehr ernsten Krankheitserscheinung herbei zu führen, so dass er seine Amtsgeschäfte wieder aufnehmen konnte. Seine geistigen Kräfte versagten allmählich, Vizedirektor Schneider musste die Leitung übernehmen. In der Nacht ereilte ihn eine plötzliche Herzschwäche jede Hilfe war aussichtslos.

Auf ausdrücklichen Wunsch des Verblichenen werden Kranzspenden dankend abgelehnt. Das Leichenbegängnis findet vom Sterbehaus, Wien 9. Pelikangasse Nr. 18 statt.

QUELLE: Neue Freie Presse, 2.Jänner 1907, S 6, Neues Wiener Journal, 2. Jänner 1907. S 3. Arbeiter Zeitung 3. Jänner 1907 S 5, und Bild, ANNO Österreichische Nationalbibliothek

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