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Katharina von Siena#

Kirchenlehrerin und Europa-Patronin

1347 - 1380


Statue der hl.Katharina von Siena von Bildhauer Josef Papst, Geistliches Forum Katharina von Siena, Wien,
Statue der hl.Katharina von Siena von Bildhauer Josef Papst, Geistliches Forum Katharina von Siena, Wien
Leben und Wirken

Katharina von Siena (1347 – 1380) hat als große Mystikerin keine systematische Theologie betrieben. Ihre Lehre ist mehr, sie ist von „oben“ eingegossene Wissenschaft. Katharina hat im 14.Jahrhundert gelebt - zur Zeit der Avignon-Päpste und des Schismas. Ihren Interventionen ist es wesentlich zu verdanken, dass Papst Gregor XI. von Avignon nach Rom zurückgekehrt ist. Von Katharina sind außergewöhnlich dichte, ja sehr persönliche Aufzeichnungen erhalten, die ursprünglich auf ihren Cousin und Ziehbruder Tommaso dalla Fonte zurückgehen, der mit Katharina aufgewachsen ist und später in den Dominikanerorden eingetreten ist. Wir können deshalb davon ausgehen, dass die Berichte über Katharina durchwegs authentisch sind.

Schon als kleines Kind entwickelt Katharina eine außergewöhnliche Spiritualität, so dass man sie, in Betrachtung versunken, immer wieder über Treppen schweben sieht. Sechsjährig erlebt sie auf dem Heimweg von der sienesischen Dominikanerkirche ihre erste Vision, die ihr weiteres Leben entscheidend prägen wird: Sie sieht Christus, mit päpstlichen Gewändern bekleidet. Und schon damals beschließt und gelobt sie, ihr Leben ganz Gott und der Kirche, repräsentiert durch den Papst, zu weihen.

Gerade erst zwölfjährig wehrt sie sich dagegen, verheiratet zu werden. Um sie „zur Vernunft zu bringen“, wird Katharina zu Hause zu Magddiensten eingeteilt und dafür gesorgt, dass sie nie mehr alleine ist. In dieser Zeit lernt sie, sich in ihre eigene, „innere Zelle“ zurückzuziehen Dort kann sie mit Gott auch in größter Betriebsamkeit immer alleine sein: Ein wesentlicher Schritt in ihrer mystischen Entwicklung.

Schließlich kann Katharina durchsetzen, schon als junges Mädchen von den "Mantellatinnen", in den Dritten Orden der Dominikaner, aufgenommen zu werden. Wieder überrascht sie ihre Umwelt: Sie weiß, dass einem wirklich fruchtbaren, äußeren Wirken innere Einkehr, Gebet und Fasten voranzugehen haben: Drei volle Jahre schließt sie sich zu Hause in eine kleine Kammer ein und verlässt das Haus nur, um in die Kirche zu gehen. In dieser Zeit empfängt sie die außergewöhnliche Gabe, den Schlaf zu bezwingen, so dass sie sich bald oft nur mehr für eine halbe Stunde zur Ruhe begibt. Bereits aus dieser Zeit stammen atemberaubende Berichte über Visionen, gipfelnd in der „mystischen Vermählung“ mit Christus. Und sie schaut endzeitliche Dinge und Zusammenhänge, die „gewöhnlichen“ Christen verborgen bleiben.

Schließlich erhält Katharina von Christus selbst den Auftrag, in das tägliche Leben zurückzukehren und ein öffentliches Wirken zu beginnen. Sie, die tägliche Entrückung gewohnt ist, tut sich anfangs sehr schwer, diese Sendung zu akzeptieren, bis ihr Christus seine fortbestehende, spürbare und sichtbare Nähe zusagt.

Katharina beginnt eine überaus aufopfernde Tätigkeit unter den Armen und Kranken in ihrer Heimatstadt. Auf Grund ihrer außerordentlichen Heilungsgabe scheut sie auch nicht vor jenen zurück, die sie hinterrücks verleumden. Sie wird bald zu DER Hoffnung der Bedrängten, Berichte über unerklärliche Heilungen und Bekehrungen machen die Runde, sie wird zum Gegenstand einerseits der Bewunderung, andererseits aber auch des Anstoßes und der Anfeindungen.

Bald beginnen AnhängerInnen sich um Katharina zu scharen, Priester, Ordensleute und Laien. Diese Gruppe, „famiglia“ genannt, sollte in der Kirchengeschichte einzigartig bleiben! Sie, die keine Schule besucht hat, zieht eine „Familie“ von Schüler/innen an, die, häufig selbst an Jahren wesentlich älter, sie ihre „Mamma“ nennen. Die Mitglieder treffen einander zum Gebet, hören Katharina zu und unterstützen und schützen ihre öffentliche Tätigkeit. Sekretäre kümmern sich um ihre diktierten Briefe (385 sind in Abschriften erhalten), schreiben Katharinas ekstatische Zwiesprachen mit Gott nieder und fertigen konsequent Abschriften an. Katharinas bedeutendstes Werk ist ihr "Buch", der "Dialog von der göttlichen Vorsehung".

Bald wird Katharina auch an andere Orte berufen - etwa Florenz und Pisa, wo sie auch die Wundmale (Stigmata) empfängt, die ihrem Wunsch nach unsichtbar bleiben. Selbstverständlich geht die Ausweitung der Tätigkeit Katharinas nicht ohne Widerstände vor sich. Schließlich muss der Dominikanerorden ein Generalkapitel einberufen, um ihre Wirksamkeit zu prüfen. Die Versammlung endet mit einer ausdrücklichen und einzigartigen Ausnahmegenehmigung für Katharina, als Frau öffentlich zu wirken und zu predigen.

Bis ins Erwachsenenalter hinein Analphabetin, erlangt Katharina durch Christus selbst die Fähigkeit des Lesens auf geheimnisvolle Weise: Christus selbst unterweist sie. Bald erfasst sie die Bedeutung der Wörter und der Sätze, liest Psalmen und ganze Bücher, vermag aber keine einzelnen Buchstaben zu benennen!

Es wird Katharina neben weiteren Charismenvon Gott die Gabe der Seelenschau zuteil. Diese Gabe geht so weit, dass später einer ihrer Sekretäre vor dem Heiligsprechungsprozess aussagen wird: „Wir konnten vor ihr nichts verbergen, vielmehr offenbarte sie uns, was wir als unsere Geheimnisse angesehen hatten.“

Darüber hinaus erhält Katharina auch die Gabe der Prophetie : Immer wieder sagt sie Zukünftiges voraus, sowohl den Menschen ihrer Umgebung, als auch spätere Fakten von kirchenpolitischer Bedeutung. So „riecht“ Katharina die Sünden am päpstlichen Hof von Avignon bis Siena. Und sie weissagt auch die drohende Kirchenspaltung, das Schisma, etliche Jahre, bevor es dazu kommen würde.

In den letzten Jahren wird sie zu einem lebendigen Zeichen, das für uns heute auch überaus aktuell ist: Sie ernährt sie sich jahrelang nachweislich nur mehr von der täglichen Eucharistie und klarem Wasser! An ihr ist das Wort Jesu zeichenhaft sichtbar geworden: „Mein Fleisch ist eine wahre Speise und mein Blut ist ein wahrer Trank.“ (Joh 6,55). Gott hat zugelassen, dass Katharina zu einem lebendigen Zeichen für die Einzigartigkeit, Unersetzbarkeit und Unverzichtbarkeit des Empfanges der Eucharistie geworden ist.


Kirchliche Würdigungen Katharinas

1411 beginnt der als Vorbereitung für eine Kanonisierung(Heiligsprechung) angestrengte „Prozess von Castello“ (ein Informativprozess, benannt nach dem Ortsteil von Venedig, in dem zu dieser Zeit die Bischöfe residieren), in dem noch einige, inzwischen betagte Augen- und Ohrenzeugen Katharinas unter Eid aussagen können. Um die Sammlung des dafür zusätzlich erforderlichen Materials, Biographien (vor allem die „Legenda Major“ von Raimund von Capua, Katharinas Beichtvater) und weitere schriftliche Zeugenaussagen, ist vor allem der Dominikaner und ehemalige Schüler Katharinas, Tommaso Caffarini, bemüht. Das Prozessende ist mit Juli 1416 festgelegt, doch verzögern das Schisma und das darauf folgende Konzil von Konstanz (1414 - 1418) die Heiligsprechung.

1461 erfolgt schließlich die Heiligsprechung durch Papst Pius II., der selbst aus Siena stammt.

Erst vierhundert Jahre später, im Jahr 1866, ernennt Papst Pius IX. Katharina zur Mitpatronin von Rom.

1939 proklamiert sie Papst Pius XII. zusammen mit Franz von Assisi zur Patronin Italiens.

1970 erfolgt, zusammen mit Teresa von Avila, die Erhebung zur Kirchenlehrerin durch Papst Paul VI. (Später sollten noch Therese von Lisieux und Hildegard von Bingen als bisher weitere, weibliche Kirchenlehrerinnen folgen.)

1999 wird Katharina zusammen mit Birgitta von Schweden und Edith Stein von Papst Johannes Paul II. zur Patronin Europas erklärt.

2008 wurde im Karmelzentrum Wien von * Prof. Irene Heise das "Geistliche Forum Katharina von Siena" als Neue geistliche Gemeinschaft in der Erzdiözese Wien und Teilnehmerin am internationalen Netzwerk "Together for Europe" ("Miteinander für Europa") gegründet. 2014 wurde das Forum erweitert zum "Spirituell-theologischen Zentrum Katharina von Siena". Den Bemühungen des Spirituell-theologischen Zentrums Katharina von Siena ist es u.a. zu verdanken, dass Katharina am 28.April 2014 von den Diözesanbischöfen Alois Schwarz und Manfred Scheuer zur Wegbegleiterin und Patronin der Katholischen Frauenbewegung Österreichs ernannt worden ist.


Quellen:


Literatur:

  • Mein persönliches Katharina von Siena Buch. Information - Reflexion - Meditation - Gebet - mit Katharina-ABC, ISBN 978-3-9500649-9-5
  • Caterina von Siena – Gebt ihnen zu essen! Die mystisch-theologische Kompetenz der Kirchenlehrerin und Patronin Europas als Schlüssel für eine befreiende Sakramentenpraxis, ISBN 978-3-9500649-6-4
  • Zeitschrift "Aufatmen mit Caterina", Dreimonatsblatt , seit 2013
  • Erzdiözese Wien, Spirituell-theologisches Zentrum Katharina von Siena