Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Botschaft geht nur an das Administrator Team. Danke fürs Mitmachen, das zur Verbesserung des Systems oder der Inhalte beitragen kann. Ihre Nachricht (optional mit Ihrer E-Mail):
unbekannter Gast

David - Michelangelos geniales Kunstwerk#

Von Ernst Zentner

Nach einer Reihe züchtig bekleideter Heiliger für den Dom zu Siena hatte Buonarotti Michelangelo Lust auf etwas Neues. Er stand im 20. Lebensjahr und in Rom reizte ihn das Kunstgeschehen schon lange nicht mehr. Er ging nach Florenz. Dort hatten die Spitzen der Republik von seinen bildhauerischen Fähigkeiten gehört. Offenbar war der Ruf der "Pieta" im Vatikan bis nach Florenz gelangt. Michelangelo sollte eine Statue einer alttestamentarischen Figur schaffen: "David". Jener hatte der Überlieferung zufolge den Riesen Goliath von Got erschlagen und enthauptet. Eine im Louvre erhaltene Federzeichnung, wohl um 1501 entstanden, zeigt einen leicht sitzenden David - zu seinen Füßen das bärtige Haupt des Riesen - und seitlich eine Armstudie. Buonarroti dachte wohl eine Bronzefigur zu schaffen, aber wie es halt mit Künstlern ist, suchen sie noch schwerere und kompliziertere Aufgaben. In Florenz lagerte seit vierzig Jahren ein riesiger Marmorblock. Damals hätte ein Agostino di Duccio einen David meißeln sollen, scheiterte jedoch. Für Michelangelo eine unwiederholbare Gelegenheit einen von traditionellen Konventionen losgelöste David-Skulptur zu kreieren. Er nahm Meißel und Hammer und begann 1501. Anfang 1504 wurde die monumentale Figur fertig. Sie wiegt unter sechs Tonnen, hat eine Höhe von über fünf Metern und ihre Oberfläche umspannt wohl 20 Quadratmeter. Leider haben sich Entwürfe und Skizzenzeichnungen dazu - bis auf die erwähnte nicht erhalten. Aber spätere - für andere Kunstmonumente - geschaffene Aktstudien verraten doch irgendwie die ideellen Umfänge des Davids. Zwanzig Jahre später versuchte sich der Bildhauer an einer am David orientierten kleineren Figurengruppe "Der Sieger" (Florenz, Palazzo Vecchio) Ähnliche Körperhaltung, nur drückt der Sieger einen älteren bärtigen Mann - Michelangelo? - nieder. Irgendwie lag auch ein homophiler Kontext in den Intentionen zugrunde.

Michelangelo: David, Marmor, 1501-1504; Galleria dell Accademia (Florenz)
Michelangelo: David, Marmor, 1501-1504; Galleria dell Accademia (Florenz); Detail. Auf der Schulter die Steinschleuder - Foto: Jörg Bittner Unna (2008), Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Das Universalgenie Leonardo da Vinci war von der Riesenstatue so begeistert gewesen, dass er danach Studien zu Papier brachte (1505). Jedoch seine an Michelangelo angelehnte Figur war leicht muskulöser angelegt.

Leonardo da Vinci, Studie des David von Michelangelo, Detail, 1505; The Royal Collection - Ausschnitt eines Fotos: https://www.rct.uk/collection, Wikimedia Commons - Gemeinfrei
Leonardo da Vinci, Studie des David von Michelangelo, Detail, 1505; The Royal Collection - Ausschnitt eines Fotos: https://www.rct.uk/collection, Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Irgendwie schien die Nacktheit des jugendlichen Bezwingers des Goliath einige Zeitgenossen gestört haben. Danach zumindest bis vor 1545 trug sie sogar an der Blöße vergoldete Blätter.

Vasari bewunderte den "Il Gigante" und war überzeugt, dass Michelangelos Bildhauerarbeit die Werke griechischer und römischer Bildhauer in den Schatten stelle. Erstaunlich, dass der kolossale David den berüchtigten Goliath zum "nano" degradierte. Vasari berichtete darüber u. a. folgendes: "Als das Werk festgestellt und vollendet war, deckte Michelagnolo es auf, und es ist wahr, dass es alle antiken und modernen Statuen, um ihren Ruhm brachte … in so richtigem Verhältnis, so schön und gut ist dieses Gestalt vollendet." (Vasari, Seite 125)

David im Moment einer gewissen Anspannung. Unklar, ob er vor oder nach dem Kampf steht. Die Frage steht im gedanklichen Raum: Was für ein "Kampf"? Natürlich gewagt; aber noch gewagter ist die Frage, wie groß wäre dann der Gegner geworden, falls dieser geplant war. Michelangelo verzichtete auf weitere - grausige - Details, wie etwa den Kopf des Goliath. Beim Umgehen der wirklich riesigen Statue wird das Zubehör seiner Steinschleuder ordentlich sichtbar. Bereits Vasari glaubte in der Figur die Unbeugsamkeit der Bürger der Republik Florenz zu sehen. Später wurden andere Deutungen getätigt. Auch sexuelle Orientierungen waren dabei. Sogar gab es die Möglichkeit, dass Michelangelo sich als David sah, der den Goliath, das heißt den riesigen Marmor bezwungen hatte.

Und danach wird Michelangelo die weltberühmten Fresken in der Sixtinischen Kapelle und die Kuppel des Petersdomes schaffen.

Copyright Ernst Zentner 2015

Quellen (Auswahl)

  • Frank Zöllner u. a., Michelangelo. 2014
  • Giorgio Vasari, Das Leben von Lionardo da Vinci, Raffael von Urbino und Michelagnolo Buonarroti. Hrsg. v. Roland Kanz. Stuttgart 1996, 2005

Weiterführendes

Biographisches