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Ferdinand Georg Waldmüller - Biedermeiermaler und ein Schwieriger seiner Zunft - Eine kompakte Darstellung#

Von Ernst Lanz

Der österreichische Maler Ferdinand Georg Waldmüller wurde 1793 in Wien geboren und starb 1865 in Hinterbrühl bei Mödling. Er studierte an der Wiener Kunstakademie, unternahm eine Italienreise. Danach arbeitete er als Theatermaler in Brünn und Prag. Schließlich kehrte er nach Wien zurück, wo er als Zeichenlehrer und Dekorationsmaler tätig war. Nebenher hielt er sich in Deutschland und Italien auf. Er wurde Kustos an der Wiener Akademie, lehrte Historienmalerei, leitete eine private Malerschule, stand den konventionellen Kunstformen ablehnend gegenüber.

Waldmüller: "Da die Lehrmethode in den Meisterschulen ebenfalls ganz frei sein muss, So lässt sich keine Regel darüber festsetzen, aber ich habe mich bereits oft und vielmals über das Princip ausgesprochen, nach welchem dabei vorgegangen werden müsse. Der Zweck des Unterrichtes wird ganz gewiss immer verfehlt bleiben, wenn die Schüler je in irgend einer andern Weise, als an der einzig wahren Quelle alles Schönen in der Natur beginnen und vollenden. Jede Art des Copirens, ohne Ausnahme, nach Vorlegeblättern, plastischen Werken der Antiken, oder Gemälden, ist strenge zu vermeiden, nur die Natur allein ist als Studium des Zeichnens und Malens in das Auge zu fassen. In dem Masse, wie die individuelle Fähigkeit des Schülers die Natur aufzufassen ist, liegt die Originalität, welche das vorzugsweise und unerlässliche Zeichen des Berufes ist. Zu dieser Originalität kann der Schüler nur in der vollkommensten Unabhängigkeit seiner Arbeiten gelangen. Nur durch mündliche Belehrungen darf der Meister das, natürlich anfange noch unvollkommene und mangelhafte Anschauen des Schüler regeln und leiten, ihn zur Erkenntniss bringen, wie das Verfehlte zu verbessern sei. Thätigen Antheil durch eigenhändiges Corrigiren darf der Meister niemals nehmen , diess wirkt jederzeit nur verderblich , weil der Schüler mechanisch und unbewusst dadurch zur Nachahmung des Meisters gewöhnt wird, und auf diesem Wege des ersten Erfordernisses zur wirklich künstlerischen Ausbildung, der eigenen Anschauung, Auffassung und Erkenntniss verlustig geht. Die Nachahmung ist es, wodurch die Kunst in Verfall gerieth, nur durch die Originalität kann sie wieder belebt werden. Wer einmal gewohnt ist die Nachahmung nicht für verwerflich und schädlich zu halten, wird bald auch vor dem Plagiat nicht mehr zurückgeschreckt sein, und aus ist es dann mit aller Selbstständigkeit. Es fehlt uns ja wahrlich nicht an warnenden Beispielen, wohin selbst begabte, talentirte Maler auf diesem Irrwege gerathen sind, und wie sie damit das hohe Anrecht verscherzten, Künstler genannt zu werden." (Waldmüller: Andeutungen zur Belebung der vaterländischen bildenden Kunst. Wien 1857, Seite 91-92)
Jahrelang bemühte er sich um eine Kunstunterrichtsreform, bis er nach Zerwürfnissen in den vorzeitigen Ruhestand versetzt wurde. Ein Jahr vor seinem Tod gewährte ihm Kaiser Franz Joseph eine Pension in Höhe von 800 Gulden.
Er hat still für sich fort geschaffen, Jahr aus, Jahr ein, bis an sein Lebensende. Man könnte fast sagen, er sei an der Staffelei gestorben. Mit ihm ging ein Stück Altösterreich zu Grabe, denn so wie er wird kaum mehr ein Künstler das harmlose Volksleben aufzufassen und wiederzugeben im Stande sein, auch schon deshalb nicht, weil es keine Harmlosigkeit desselben mehr gibt, meinte J. M. Aigner (Abgedruckt bei Wurzbach 52, Seite 194)
Ferdinand Georg Waldmüller schuf ausgezeichnete Landschaftsbilder voller Farbkraft und Lichtfülle. Dazu malte er noch Szenen aus dem oftmals schweren Alltag der Menschen seiner Epoche. Außerdem war er der Schöpfer vieler hervorragender Porträts des Bürgertums im Biedermeier.

Zeittafel
1792-1806 Franz II., römisch-deutscher Kaiser, dann bis 1835 Franz I., Kaiser von Oesterreich
1793 Januar 15 in der Alservorstadt bei Wien geb. und getauft (Gebäranstalt des Allgemeinen Krankenhauses Wien und Pfarre)
1807-1813 Unregelmäßiger Besuch der Akademie in Wien und war Schüler von Hubert Maurer und Johann Baptist Lampi

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Hubert Maurer, deutscher Maler, Zeichner und Zeichenlehrer an der Wiener Akademie - Wikimedia Commons - Gemeinfrei
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Johann Baptist Lampi d. Ä., österreichischer Maler - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei
1810 Gundelpreis
1811-14 Zeichenlehrer im Haus des Grafen Gyulay in Agram (Zagreb); hier lernt Waldmüller seine erste Ehefrau kennen
1814 Heirat mit Hofopernsängerin Katharina Weidner, eine Schwester des Porträtisten Joseph Weidner. Ehepaar lebte, je nach Engagement als Sängerin, in Baden bei Wien, Brünn und Prag. Waldmüller wirkte als Kulissenmaler
1814/15 Wiener Kongress
1815 Juni Schlacht bei Waterloo
1817 Engagement seiner Frau am Kärntnertortheater in Wien und seither lebt Waldmüller in Wien
1818 Unterricht bei Joseph Lange in Ölmalerei und bei Johann Nepomuk Schödlberger (1779-1853) in Landschaftsmalerei
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Joseph Lange, deutscher Schauspieler, Maler, Komponist und Schriftsteller - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei
1822 Ausstellung von Porträts bei der Akademie in St. Anna (?)
1823 Bekanntes Porträt von Ludwig van Beethoven, im Auftrag des Leipziger Verlags Breitkopf & Härtel, allerdings im Weltkrieg II zerstört
Zwischen 1825 und 1844 einige Studienreisen nach Italien
1827 Porträt Kaiser Franz I. und seither Aufträge aus Adelskreisen
1829 Erster Kustos der Gemäldesammlung der Wiener Akademie (Professor)
1830 Erste Reise nach Paris
1834 Von Bett und Tisch geschiedene Ehefrau
1835 Ordentlicher Rat der Akademie
1835-48 Kaiser Ferdinand I.
1836 Gemeinsam mit Joseph von Führich Erstellung eines Katalogs der Gemäldegalerie (Akademie?)
1848/49 Vormärzrevolte - Metternich (Schutzherr Waldmüllers) flüchtet
1848-1916 Kaiser Franz Joseph von Österreich
1850 Verlust des Akademieateliers wegen Zerwürfnis mit der Akademie - Verbot Privatunterricht in der Akademie auszuüben
1851 Heirat mit Modistin Anna Bayer
1854 Porträtausstellung im Modesalon seiner Ehefrau - Finanzprobleme
1856 Ausstellung im Buckingham Palace, London
1857 Vom Posten an der Akademie suspendiert
1861 Historische Kunstausstellung in Köln
1862 Internationale Kunstausstellung in London
1864 Kaiser Franz Joseph rehabilitiert Waldmüller
1865 August 23 in der Hinterbrühl bei Mödling gest. (Beisetzung am Matzleinsdorfer katholischen Friedhof, seit 1923 Waldmüllerpark)
1888 Waldmüllergasse in Wien-Brigittenau (zuvor Wien-Leopoldstadt)
1913 Denkmal im Wiener Rathauspark
1965 NÖ Landesausstellung in der Höldrichsmühle, Hinterbrühl (80.000 Besucherinnen und Besucher); Sonderpostmarke
1993 Ausstellungen im Belvedere und Wien Museum

Quellen (Auswahl)

Ernst Lanz 1970er Jahre?/aktualisiert 2020


Ein wenig zu kompakt, oder?
Diese nachfolgenden Abbildungen sind nur eine lose Auswahl:
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