Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Botschaft geht nur an das Administrator Team. Danke fürs Mitmachen, das zur Verbesserung des Systems oder der Inhalte beitragen kann. Ihre Nachricht (optional mit Ihrer E-Mail):
unbekannter Gast

Prinz Eugen von Savoyen in vier bis sieben Ausstellungen (1986)#

Von Ernst Zentner

Prinz Eugen
Prinz Eugen von Savoyen. Reiterdenkmal von Anton Dominik Fernkorn (Modell, Guss) und Franz Pönninger (Guss), 1860-65; Heldenplatz - Foto: Ernst Zentner (31.03.2007)

Heuer (1986) ist ein Prinz-Eugen-Jahr. Prinz Eugen von Savoyen-Carignan verstarb am 21. April 1736, das ist 250 Jahre her, in Wien. Er war ein österreichischer Feldherr und Staatsmann. Kam am 18. Oktober 1663 in Paris als Sohn eines französischen Prinzen von Geblüt zur Welt. Seit 1683 war er in Wien und nahm am Großen Türkenkrieg (1683 bis 1699), ab 1697 sogar schon als Oberbefehlshaber teil. Erreichte im Spanischen Erbfolgekrieg (1701 bis 1713/14) an der Seite John Churchill Herzog von Marlboroughs bedeutende Erfolge. Im Türkenkrieg von 1714/16 bis 1718 nahm er Belgrad ein. Von 1716 bis 1724 fungierte er als Statthalter der österreichischen Niederlande. Er diente unter drei Kaisern, Leopold I., Joseph I. und Karl VI., galt als fähigster Feldherr seiner Zeit.

Jedenfalls trugen die Republik Österreich und das Land Niederösterreich dem Gedenken an Prinz Eugen Rechnung und widmete ihm eine Großausstellung in den restaurierten Marchfeldschlössern Schlosshof und Niederweiden. Das später unter Maria Theresia später aufgestockte Schlosshof bargt die Thematik Prinz Eugen als Mensch, Politiker, Mäzen. Das an die drei Kilometer entfernte Schlösschen Niederweiden widmete sich dem gesellschaftlichen und kulturellen Gepflogenheiten im barocken Österreich. Im ersten Teil der Schau begegneten wir dem Europa zwischen 1683 und 1740, den damals regierenden Kaisern, Königen und Fürsten. Widerspiegelt auch durch die Diskrepanz zwischen Österreich, Frankreich und dem Osmanischen Reich. Die Person des Prinzen Eugen wurde dargestellt an seinen Eltern, der Familie des Hauses Savoyen und Carignan. Seine militärische Karriere im Dienst des habsburgisch-österreichischen Kaiserreiches. Der Kampf gegen die Osmanen, entscheidende Schlachten im Erbfolgekonflikt und schließlich der missglückte Polnische Thronfolgekonflikt standen im Mittelpunkt der Betrachtungen moderner Sozialhistoriker, das durch entsprechende ansehenswerten Exponaten veranschaulicht wurde Im zweiten Teil sehen wir das Leben der Menschen zwischen Hochkultur und gesellschaftlichen Elend. Mit dieser Schau wurde die Epoche des Barock in Österreich und Europa hinterlistig durchschaut.

Eine weitere Ausstellung fand sich im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien, wo die Bibliophilie des Prinzen Eugen, zumindest besteht der Hauptkern der Bibliothek aus Büchern, die sich einstmals im Besitz des edlen Savoyers befanden, mittels wertvoller Beispiele dargelegt wurde. Ein Blick auf die ausgestellten Werke, Kupferstiche zeigt, dass Eugen zwar beinahe jedes Wissensgebiet Beachtung geschenkt hatte, aber doch nur wohl eher aus tendenziösen Ursachen Interesse aufgebracht hatte.

Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien reflektierte den Feldherrn Prinz Eugen mithilfe ausgestellter Prunkmedaillen, die vom Kampf, Sieg und Triumph gegen den jeweiligen Gegner, sei die Hohe Pforte oder König Ludwig XIV. berichteten. Ergänzt um farbige Bildtafeln, auf denen die militärischen Ereignisse an denen der Prinz Eugen beteiligt, entsprechend gekennzeichnet waren.

Für bescheidene drei Wochen im Mai war das Prinz-Eugen-Winterpalais, in der Himmelpfortgasse, heute das Bundesministerium für Finanzen, dem gemeinen Publikum geöffnet. Auch hier wurde in den prachtvollen Prunkräumen – das berühmte Goldkabinett – eine kleine Sonderschau zum Leben des Prinzen eingerichtet. Hunderttausende inspizierten die Räume, in den der Prinz lebte, hohen Besuch empfang und auch dort verschieden war.

Eine Kulturausstellung, die den Charakter der Barockwelt, zeigte, war im Stift St. Florian als oberösterreichische Landesausstellung zu sehen. Doch sie war eher als Ergänzung zu den eigentlichen Prinz-Eugen-Schauen zu betrachten.

Ein anderer Aspekt war dem Reiter Prinz Eugen gewidmet. Und zwar im Unteren Belvedere, wo im Marsstall alles über die Reitkunst seiner Zeit, sei zur militärischen Pflichtübung oder bloß nur zur repräsentativen Zeitvertreib gebracht wurde. Doch leider tangierten diese Prinz-Eugen-Ausstellungen nur das Leben des Prinzen Eugen, sagen nichts eindeutiges über seine wahre Welt, sein wahres Wesen und aus vielleicht zu aktuellen Bezügen der europäischen Welt, die innerhalb zerspalten durch gesellschaftliche Ansichten, wollten die Gestalter das traditionelle Bild des Prinzen Eugen nicht hinterfragen. So bleibt uns nur das altgewohnte Bild des Prinz-Eugen-Denkmals auf dem Wiener Heldenplatz. Ein in barocker Tracht gekleideter Fürst, auf einem aufbäumenden Pferd, darunter die Insignien die niedergeworfenen Gegners. Für einen einzigen Tag war die Prinz-Eugen-Kapelle im Wiener Stephansdom geöffnet gewesen, am 18. Oktober 1986, dem 323. Geburtstag des Savoyers. Auch hier versuchte man mittels schlichter Darstellung seines Wirkens gerecht zu werden.

Zumindest wurde im 250. Todesjahr des Prinzen Eugen der Versuch gewagt, Österreichs berühmtesten Staatsmann vor Kaunitz, Raab und Figl, irgendwie zu gedenken.

Copyright Ernst Lanz 1986 (2019 bisher nicht veröffentlicht)

Vergleiche

Siehe