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Schloss Schönbrunn - Baujuwel und Ort der Geschichte ... oder Mitte des Habsburger-Reiches#

Von Ernst Zentner

"Schönbrunn, der Nahme eines eine Stunde von Wien liegenden prächtigen Gebäudes, mit einem schönen Lust= und Thier=Garten, von dem Kayser Joseph, als noch Römischen König, erbauet, allwo die Kayserl. Herrschaften sich öffters divertiren. Es ist nach Italiänischer Art ohne Dach, und ist hingegen mit vielen schönen Statuen besetzt. Im Garten sind treffliche Alleen und nach den Wald zu ist ein wunderschöner Prospect. Nach gedachten Kaysers Tode hat es dessen Gemahlin 1712 von dem Kayser Carln VI geschenckt bekommen, welche es aber 1728 wieder abgetreten, und dagegen ein Präsent von 450000 Guelden bekommen." (Zedlers Universal-Lexicon Band 35 Leipzig und Halle 1743, Spalte 765)

In der Epoche Maria Theresias malte Bernardo Bellotto - besser bekannt als Canaletto - um 1759/1760 eine Ansicht des Schlosses Schönbrunn. Ein großzügiger Ehrenhof - Corps de Logis - rundet die Anlage gegen Norden ab. Etliche Menschen tummeln sich vor der weitläufigen Schlosskomplex. Dazu fährt eine von Pferden gezogene archaische Kutsche hinaus.
Schönbrunn war bis 1918 das Zentrum der mächtigen Donaumonarchie Österreich-Ungarn.
Die Baugeschichte ist eher schlicht. Als Vorbild wurde das vom Sonnenkönig Ludwig XIV. verwirklichte Versailles betrachtet. Hietzing war vor Jahrhunderten hochfürstliches Jagdgebiet der Habsburger. Dort wo heute das Schloss steht befand sich in der ausklingenden Renaissance die Katternmühle. Kaiser Maximilian entdeckte eine Quelle mit kristallklarem Wasser - sie erhielt die Bezeichnung "Schönes Brünnl", wodurch die namentliche Sinngebung erklärt wurde. Unter Kaiser Leopold I. und seinem Sohn Joseph I. wurde von Johann Bernhard Fischer von Erlach ein Jagdschloss hochgezogen. Entwürfe zeigen bereits den Gesamtkomplex. Kaiser Karl VI. sah in dem Gebäude weniger ein Machtzentrum denn eine Absteige zur Jagdausübung. Später überließ er das Gebäude seiner Tochter, der großen Maria Theresia. Damit das Bauwerk modernisiert werden konnte nahm sie einen Kredit bei einem jüdischen Financier auf. Aber das hinderte Maria Theresia nicht dennoch gegen jüdische Untertanen einen schärferen Kurs zu führen. Die Kaiserin gab Weisung, Schönbrunn, Schloss und Park stets zu erneuern.
Weltgeschichte ruht nicht und schon gar nicht in Schönbrunn. Napoleon residierte hier gleich zweimal (Dezember 1805 und im Sommerhalbjahr 1809). Im Oktober 1809 wurde hier der Friede von Schönbrunn geschlossen. In der Zeit des Wiener Kongresses fanden hier 1815 glanzvolle Feste statt. 1918 unterschrieb Karl I. in Schönbrunn seinen Regierungsverzicht. Seither befindet sich das Schloss im Besitz der Republik Österreich. Die Schäden durch Bombentreffer (1945) an Schloss und Gloriette wurden bereinigt. Während der Besatzungszeit befand sich das Schloss innerhalb der britischen Zone. Während der Feierlichkeiten im Verlauf der Staatsvertragsunterzeichnung am 15. Mai 1955 fand im Schloss ein Staatsbankett statt. Schloss Schönbrunn war oft Sujet und Kulisse für Kino- und TV-Filme (so etwa "Kaisermanöver" 1954, "Die Fledermaus" 1961, "Radetzkymarsch" 1964, "Mayerling" 1968).
1980 fand in den Repräsentationsräumen eine große Maria-Theresia-Ausstellung statt (über 500.000 Besucher). In den Jahren 2016 und 2917 jeweils eine Schau über Kaiser Franz Joseph und nochmals über Maria Theresia (allerdings teilweise in Nebengebäuden und in niederösterreichischen Schlössern).
Seit 2004 findet im weitläufige Park das "Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker" statt.
Der Volksschullehrer Joseph Freudenreich schrieb 1873 in seinem Buch über das Lustschloss Schönbrunn folgendes: "Wird der Fremde, der Schönbrunn das erste Mal besucht, schon von der großartigen Anlage des Schlosses auf das Angenehmste überrascht, so macht der herrliche Park mit seinen kunstvollen Anlagen einen ebenso günstigen Eindruck auf ihn. Und in der That, Kunst und Natur verbreiten hier eine Fülle der kostbarsten Gaben um uns her, und darum ist der für Jedermann zugängliche Park ein Magnet, der namentlich an schönen Sommertagen auf Tausende von Besuchern seine Anziehungskraft äußert."[1] Das ist heute auch nicht anders, im Jahr besuchen Millionen Menschen aus aller Welt Schönbrunn, um die lebendige Geschichte des alten großen Österreichs zu erfahren. Das Schloss selbst war von 1849 bis 1916 die Residenz eines Monarchen alter Schule: Kaiser Franz Joseph von Österreich-Ungarn. Nur zu gerne wird verschwiegen, dass er 1914 Österreich-Ungarn in einem großen Krieg hingeführt hatte. Das gewiss nicht aus böser Absicht, eher schon durch Fehleinschätzung und Druck der am Hof verankerten Kriegspartei. Auch das ist Schönbrunn.

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"DER KHAISERLICHR LVST vnd THIERGARTEN SCHENBRVNN" - Katternburg und Gonzaga-Schloss, Topographia archiducatus Austriae Inferioris modernae 1672 von Georg Matthäus Vischer; 1683 durch die Osmanen zerstört und seit 1689 Neubau als Schloss Schönbrunn. Im Vordergrund "Wienn Fluss" - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei".
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Geplanter Entwurf für den Neubau des Schlosses Schönbrunn, 1688 - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei
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2. Entwurf für das Schloss Schönbrunn; Kupferstich, "Entwurf einer historischen Architektur"" von Johann Bernhard Fischer von Erlach - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei
Das kaiserliche Lustschloss Schönbrunn, Corps de Logis/Ehrenhofseite, gemalt von Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, 1751/61; ursprünglich im Schloss Pressburg (Posony, Ungarn, 1781); KHM, Wien - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei
Das kaiserliche Lustschloss Schönbrunn, Corps de Logis/Ehrenhofseite, gemalt von Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, 1751/61; ursprünglich im Schloss Pressburg (Posony, Ungarn, 1781); KHM, Wien - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Anmerkung

[1] Joseph Freudenreich: Das k. k. Lustschloss Schönbrunn, dessen Geschichte …. Wien 1873, Seite 3

Benützte Quellen (in Auswahl)

Ältere Quellen

  • Das k. k. Lustschlos Schönbrunn. Ein Wegweiser für Einheimische und Fremde. Von Realis. Wien 1846
  • Das k. k. Lustschloss Schönbrunn, dessen Geschichte, sowie Erläuterungen über die im Bereiche des Parkes errichteten Bau- und Bildhauerwerke, nebst einem Anhange: "Geschichtliches über Hietzing." … dargestellt von Joseph Freudenreich, Wien 1873

Vergleiche

Historische Bilder

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