Maria Theresia und ihre Schlösser#
Von Ernst LanzIN ÜBERARBEITUNG
"Residentz, ist diejenige Stadt, in welcher ein Potentat, / oder Fürst sein Hoflager hält, daselbst / auch die obern Collegia, als Regierung, Hofge= / richt, Cammer und andere, so die gemeinen An= / gelegenheiten des Landes zu besorgen haben, verbleiben." (Zedler Universallexikon 31 1742, Spalte 717)
"Residénz (v. lat. residentia), bestimmter Aufenthaltsort des Staatsoberhauptes und der höchsten Behörden, in der Regel die Hauptstadt (Residenzstadt) des Landes. Der deutsche König sowie die deutschen Fürsten des Mittelalters hatten keine festen Residenzen, sondern pflegten der Reihe nach auf ihren Schlössern zu hausen, und die Regierungsbehörden zogen meist mit dem Hof umher. Erst im 16. Jahrh. wurde dies allgemein anders. Residenzpflicht, im Kirchenrechte die durch das Tridentiner Konzil allen fungierenden Kirchendienern auferlegte Pflicht, das ihnen übertragene Amt persönlich zu verwalten und am Amtssitze zu wohnen. In gleicher Weise besteht für die Beamten eine Residenzpflicht am Amtssitze." (Meyer 16 1908, 821)
Maria Theresia regierte von 1740 bis 1780. Die 1717 geborene Habsburgerin war seit 1736 mit Franz Stephan von Lothringen, nachmals Kaiser Franz I., verheiratet gewesen. Aus der Liebesheirat entsprangen 16 überlebende Kinder. Maria Theresia wirkte als große Reformerin und stand im Konflikt mit Friedrich der Große.
In Wiener Neustadt besaß Maria Theresia die sogenannte "Neustädter Burg". Die Habsburgerin entschied ihr eine neue Funktion zukommen zu lassen. Sie gründete die Militärakademie und brachte sie dort unter. Am 14. Dezember 1751 schrieb sie: "eine eigene militäracademie auf unsere kosten zu errichten, zu solcher unsere landesfürstl. Burg in der Wiener-Neustadt mit aller zugehörde einzuräumen". Mit dieser Anordnung hatte sie das kaiserliche Militär richtiggehend aufgewertet. Feldmarschall Leopold Joseph Graf von Daun stand dieser Institution vor. Maria Theresia: "Mach’ er mir tüchtige Offiziere und rechtschaffene Männer darauß". (Viel später wird ein Oberst Erwin Rommel (1891-1944) kurzzeitig eine dort eingerichtete "Kriegsschule" leiten.)
1752: Um das Gemäuer benutzbar zu machen fanden etliche Umbauten statt, die der Wiener Architekt Matthias Gerl durchführte.
1768 machte ein Erdbeben die Burg unbewohnbar. Drei der Türme mussten abgetragen werden.
Der anliegende 106 ha große Wald- und Forstbestand wurde unter Maria Theresia öffentlich zugänglich und später in einem Englischen Park umgestaltet: Im sogenannten Akademiepark steht an einer Alleenkreuzung ein Marmorobelisk, bekannt als Verlobungsstein.
Das Renaissanceschloss Neugebäude in Wien-Simmering. Von Kaiser Maximilian II. begonnen und von seinem Sohn Kaiser Rudolf fortgesetzt bis aus Geldmangel bedingten Einstellung. Es war ein prachtvoller Komplex, der ihresgleichen suchte - heute erinnern nur einige kümmerliche Baureste davon. Die erste Menagerie Europas übersiedelte vom nahegelegenen Schloss Kaiserebersdorf ins Neugebäude, wo sie bis in die 1752 verblieb. Dann übersiedelten die Tiere nach Schönbrunn. 1744 ordnete Maria Theresia an, dass das gefährliche Pulver aus der Wiener Stadtbefestigung nach Neugebäude geschafft wurde. Später: Maria Theresia schrieb an den Hofkriegsratpräsidenten folgendes: "Es befindet sich zu Neugebau eine alte Gallerie von steinernen säullen und gesimbsen welche Nichts Nutzet ... Ich habe entschlossen solche von dort abbrechen und nach Schönbrunn bringen zu lassen und ... wass Brauchbar befunden wird ausgefolgt werde." Maria Theresia ließ 1775 viele "wertvolle Werksteine des Schlosses abtransportieren": 16 toskanische Doppelsäulen, Friese mit Dreischlitplatten (?) und aus Stein gehauene Tierköpfe. Als Spolien wurden sie in die Gloriette von Schönbrunn eingebaut; die eindrucksvollen Neugebäudener Brunnen wurden in der Orangerie aufgestellt. Und das Kupfer aus dem Dach fand in der Hofburg weitere Verwendung. Der einstige, offenbar damals schon verkommene Garten verschwand (Krematoriums und Urnenhain). Inzwischen gibt es seit zwanzig Jahren Bemühungen den einstige Glanz des Renaissanceschlosses und der prächtigen Gartenanlage des Neugebäudes zu reaktivieren ...
1776 wurde aus der Stallburg die kaiserliche Gemäldegalerie ins Obere Belvedere gebracht. Die Tiere der Menagerie kamen nach Schönbrunn.
Zu Maria Theresias Zeiten, sie hielt sich hier gerne auf, war diese Burg auch der Sitz des Statthalters des Königreiches Ungarn.
Im südwestlichen Eckturm wurden die königlich-ungarischen Krönungsinsignien aufbewahrt.
Am 25. Juni 1741 wurde sie im St. Martinsdom zum "König von Ungarn"(!) gekrönt und am 11. September 1741 flehte sie in der Pressburg - angesichts der preußischen Bedrohung - inmitten der versammelten ungarischen Magnaten um Unterstützung. Sie zogen ihre Säbel und riefen: "Moriamur pro rege nostro. (Wir werden sterben für unseren König." Die Ungarn hielten Wort und stellten in kürzester Zeit ein schlagkräftiges Heer auf.
Unter ihrem Sohn Kaiser Joseph II. verfiel die Preßburg (1784).
(Nachdem der junge Franz Joseph Kaiser wurde, zog sich sein wohlwollender Vorgänger Kaiser Ferdinand I. in den Hradschin zurück.)
Mit dem Namen Maria Theresia ist verbunden das prachtvolle Schloss Schönbrunn in Hietzing.
Fotos: Wikimedia Commons - Gemeinfrei
Laxenburg war die Sommerresidenz der Habsburger schlechthin. Schon im 13. Jhdt. erstmals genannt. Ein vorhandenes kleines Schloss wurde von Herzog Albrecht III. von Österreich im 14. Jhdt. zu einem stattlichen Jagdschloss erweitert: Lachsenburg. Das Bauwerk liegt als "Altes Schloss" im Park. Lodovico Burnacini erweiterte im 17. Jhdt. die Parkanlage. Der kaiserliche, barockstilisierte "Blaue Hof" (od. "Neues Schloss") wurde um 1710 von Lucas von Hildebrandt entworfen und am Eingang in den Park hochgezogen. Als Auftraggeber fungierte Reichsvizekanzler Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim.
Später erwarb Maria Theresia den Blauen Hof (1762) und ihr Hofarchitekt Nicolò Pacassi baute diesen seit 1756 oder seit 1765 bis 1767 weitläufig aus. Angesichts der vielköpfigen Familie Maria Theresias war das auch notwendig geworden. 1774 bekam der Ostrakt noch das Belvedere aufgesetzt (illusionistische Malereien im Inneren, deren Urheberschaft noch nicht dokumentiert ist). Pacassi schuf noch den Speisesaaltrakt und das Schlosstheater.
(1858 wird hier Kronprinz Rudolf von Österreich zur Welt kommen. Später diente es im großen Krieg als Lazarett und als Residenz des letzten Kaisers von Österreich: Karl I.)
Eine Anekdote am Rand: Angesichts der Bedrohung Napoleons und Gebietsabtretungen (1809) fragte Kaiser Franz bitter: "Laxenburg wird er mir doch lassen?" In Laxenburg ging er seiner Lieblingsbeschäftigung nach, der Gärtnerei.
Der Speisesaaltrakt und das Schlosstheater (mit seinen Scheinarchitekturmalereien) dienen als Konferenzzentrum der IIASA (Internationales Institut für angewandte Systemanalyse).
Laxenburg war jedenfalls die Lieblingsresidenz von Maria Theresia. Danach oft benutzt durch Joseph II., Franz II. und Karl I.
Die Hofburg in Innsbruck war ursprünglich eine spätmittelalterliche Burganlage, errichtet von den Habsburgern. Der spätere Kaiser Maximilian I. erweiterte die Anlage. Nach Schwierigkeiten (Zerstörung durch Fahrlässigkeit und Erdbeben) unter König Ferdinand I. wiederhergestellt.
Maria Theresia beauftragte den Umbau im höfischen Architekturstil des Wiener Rokoko. Der Gebäudekomplex bietet sich so in der Gegenwart.
Seit diesen Tagen trug Maria Theresia schwarze Kleidung.
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Quellen (Auswahl) WIRD ERGÄNZT
- Maria Theresia/Biographien
- 300. Geburtstag Maria Theresia/Wissenssammlungen/Essays/Geschichte/
- Laxenburg/AustriaWiki
- Schlösser von Laxenburg/AustriaWiki
- Bratislava/AustriaWiki
Weiterführendes
- OBER ST. VEITER SCHLOSS (Essay von Graupp I.-C.) Hier auch Abbildungen der Bergl-Fresken!
Denkmale Maria Theresias
Schloss Schönbrunn
- Schloss Schönbrunn - Baujuwel und Ort der Geschichte (Essay von Zentner E.)
Ernst Zentner2017/2020


























