Blau#

Iris, Foto: Doris Wolf

Die Farbe Blau (ahd. blao - schimmernd, glänzend) ist die Lieblingsfarbe der meisten Menschen in Österreich und Deutschland. Die Komplementärfarbe zu Gelb wird mit Begriffen wie kühl, fern (Himmel, Meer…), Ruhe und Treue in Verbindung gebracht. Blau zählt zu den heraldischen Farben. In der christlichen Symbolik ist es die Farbe der Muttergottes. Im 19. Jahrhundert erblühte die "blaue Blume der Romantik". Die Farbe wurde zum Symbol der Suche nach Erfüllung. In Schatzsagen ist von blauem Licht die Rede. Die guten und die schädigenden Eigenschaften von blauem Licht werden derzeit viel diskutiert. LED-Licht (Light Emitting Diode), Xenon-Licht, Energiesparleuchtmittel oder die Abstrahlung von Displays enthalten einen höheren blauen Lichtanteil als die klassische Glühbirne. Einerseits hilft blaues Licht bei Winterdepressionen oder Schlafstörungen. Es beeinflusst den Hormonhaushalt, damit das Empfinden und den Schlafrhythmus positiv. Andererseits kann zu viel blau/violettes Licht den Augen schaden (Entzündungen der Binde- und Hornhaut, Schädigungen der Augenlinse und Netzhaut). Vergleicht man die Einstrahlung des blauen Lichts an einem normalen, bedeckten Tag im Freien, so ist diese 30x höher als bei der Arbeit an einem Display.

Blaue Farbstoffe waren lange Zeit kostbar. Natürliches Ultramarin, ein lichtechtes Pigment aus dem Halbedelstein Lapislazuli, gab es in guter Qualität nur an einer Fundstelle in Afghanistan. Der Name dieser Farbe kommt von ultramarinus (lat. überseeisch) Sie wurde in mittelalterlichen Buchmalereien verwendet. 1828 gelang die künstliche Herstellung von Ultramarinblau, 1834 entstand die erste Fabrik dafür in Deutschland. Kobaltblau fand  im alten China Verwendung zum Färben von Glasuren und Glas. Die industrielle Erzeugung begann nach 1795. Das von Künstlern verwendete Berliner oder Preussisch-Blau war, um 1704 entdeckt, der erste synthetische Farbstoff. Als Pflanzenfarbstoff fand Indigo ("aus Indien") bereits im Altertum Verwendung. Seit Ende des 19. Jahrhunderts die vollsynthetische Herstellung gelang, färbt man Textilien nicht mehr mit Pflanzen. 

Blaudruckstoffe waren bereits im 6. Jahrhundert üblich. Damals verwendete man das einheimische Färberwaid. Indigo kam erst im 17. Jahrhundert nach Europa. Gleichzeitig wurden Stoffdrucktechniken bekannt, mittels Model (aus Buchsbaumholz geschnitzt) oder als Reservetechnik (um 1690). 1734 schlossen sich die ersten deutsche Blau- und Schönfärber zu einer Zunft zusammen. Anfangs bedruckten sie Leinen, mit dem Aufkommen von Baumwollstoffen seit dem 18. Jahrhundert auch diese. Die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts und der Walzendruck bedeuteten (fast) das Ende des Gewerbes. Seit 2018 steht Blaudruck als eine von fünf österreichischen Traditionen auf der weltweiten Repräsentativen Liste UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes. Blaudruck war früher die Kleidung der armen Leute. Blue Jeans hingegen sind eine internationale, oft teure, Tracht. 

Die Farbe Blau findet sich in Redensarten. Ins Blaue handeln oder fahren, heißt ins Unbestimmte. Wer "blau" ist, ist betrunken. Mit einem "blauen Auge" ist man gerade noch davongekommen. Am "blauen Montag" wurde nicht gearbeitet. Die "blaue Mauritius" ist eine äußerst wertvolle Briefmarke. Blaues Blut wird seit 1810 Adeligen zugesprochen. Durch ihre nicht von Arbeit gebräunte Haut schimmerten die Adern bläulich. Blauäugig steht für naiv, gutgläubig. Blaustrumpf nannte man 1653 die englischen Parlamentsmitglieder, die alle gleich gekleidet waren, später gelehrte und emanzipierte Frauen.


Quellen: 
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 94
Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg/Br. 1991. Bd. 1/S. 209 f.
Wikipedia: Blau (Stand: 9.1.2019)
Blaues Licht

Bild:
Blau blühende Iris. Foto: Doris Wolf


Siehe auch:
Blauer Montag in: Verschwundene BräucheDas Buch der untergegangenen RitualeHelga Maria WolfBrandstätter VerlagWien2015jetzt im Buch blättern