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Helga Maria Wolf

Hochzeitsbräuche#

Verbotsschild am Standesamt Wien-Währing,2009

81 % der Ehewilligen mögen Hochzeitsbräuche, konnte man im Vorjahr in einer Tageszeitung lesen. Zu den beliebtesten zählen das Anschneiden der Torte, Walzer und Brautstraußwerfen. In Standesämtern finden sich oft Hinweistafeln, dass das Bestreuen des Paares mit Reis - angeblich ein fernöstliches Fruchtbarkeitsritual - verboten ist. Doch schrieb bereits Philipp Hafner (1735-1764), der als Vater des Wiener Volksstücks gilt, über "Hochzeitszucker zum Auswerfen". In Wien war um 1930 das Werfen von "Hochzeitskügerln" aus Zucker über das Brautpaar "hie und da noch üblich".

Wo Bräuche sind, ist die "Ursprungsfrage" nicht weit. Diese drei sind relativ jung. Die mehrstöckige Torte soll in England entstanden sein. Angeblich war es dort üblich, dass die Gäste Kuchen mitbrachten, die sie aufeinander stellten. Das Brautpaar musste sich über dem Kuchenberg küssen, ohne diesen umzuwerfen. Als gesichert gilt hingegen, dass Königin Viktoria 1859 für die Hochzeit ihrer ältesten Tochter Vicky mit dem späteren deutschen Kaiser Friedrich III. eine dreistöckige Torte anfertigen ließ. Diese bestand großteils aus Zuckerguss, Royal Icing genannt. Fünf Jahre später war die Hochzeitstorte für den späteren König Eduard VII. ganz aus Kuchenteig. Bei der künstlerischen Gestaltung der Stocktorten sind der Phantasie der Konditoren keine Grenzen gesetzt. Meist bekrönt die Darstellung des Paares, Tauben, Herzen oder anderer Zierrat das Backwerk.

Wann die erste Braut ihren Strauß in die Runde der ledigen weiblichen Gäste geworfen hat, ist nicht bekannt. Doch das "Warum" ist leicht erklärt. Es geht um ein Orakel: Wer ihn auffängt, wird als Nächste heiraten. Der Brauch soll aus den USA stammen und das letzte Ritual der Feier darstellen. Hochzeitsratgeber meinen, dass man vereinbaren sollte, wer die Glückliche ist, und einen kleineren, festen Zweitstrauß in die Menge schleudern sollte. So bleibt der Braut ihr Bouquet als Erinnerung erhalten.

Das weiße Brautkleid ist eine späte Entwicklung, Bürgerinnen trugen das (schwarze) Sonntagskleid, adelige Damen wertvolle Roben in verschiedenen Farben. Im ausgehenden 17. Jahrhundert wurden bei Hof hellere Farben modern. 1813 brachte das französische "Journal des dames" den ersten Bericht über ein weißes Hochzeitskleid. Nicht zuletzt wurde Kaiserin Elisabeth, die 1854 Kaiser Franz Joseph in weißem Seidenkleid mit Schleppe und langem Spitzenschleier heiratete, zu einem Vorbild der Brautmode.

Der (angeblich) "schönste Tag im Leben" ist noch von zahlreichen anderen Bräuchen umgeben. Bei den traditionellen ländlichen Hochzeiten war der Hochzeitslader als Zeremonienmeister tätig. Er hatte den jungen Bauern schon bei der Brautschau begleitet und die Gäste eingeladen. Meist mit dem Bräutigam befreundet, war er eine gewandte, sprachkundige Persönlichkeit. Er stellte den Hochzeitszug zusammen und leitete das Fest selbstständig. Viele Lieder und Sprüche sind schriftlich überliefert (wie im Waldviertel, 1813).

Obwohl nach wie vor "Hochzeitsmänner" tätig sind, übernehmen in den letzten Jahrzehnten oft professionelle Planer die Vorbereitung und Organisation des Festes. In Wien helfen 50 ausgebildete Hochzeitsplaner bei der Suche nach Location, Fotograf, Catering und dem perfekten Brautkleid. Von den 45.000 Paaren, die 2017 in Österreich die Ehe schlossen, machten drei Prozent von einer solchen Beratung Gebrauch. Die Wirtschaftskammer schätzt die Kosten für eine Hochzeit auf 25.000 bis 30.000 Euro. Zwischen acht und 14 Prozent bekommt der Hochzeitsplaner. Als Trend gilt der Wunsch nach Individualisierung und Events. "Microwedding" meint mehr Luxus für weniger Gäste. Oder das Paar verzichtet auf diese und gibt sich am Palmenstrand, in Las Vegas oder einem romantischen Urlaubsort das Ja-Wort. Daneben bestehen Anfragen nach "echten" alten Bräuchen - die meistens gar nicht so alt sind.

Dazu zählen die Begleitung des Paares durch Blumen streuende Kinder und weiß gekleidete "Brautjungfern". Vereinsmitglieder bilden vor der Kirche ein Spalier (z.B. Studenten mit ihren Degen). Die Braut soll etwas Altes, etwas Neues, etwas Geliehenes und etwas Blaues tragen. Altes für den vergangenen Lebensabschnitt, Neues für den beginnenden, Geliehenes für Freundschaft und Blau für die Treue. Die Myrte war in der Antike die Blume der Liebesgöttin Aphrodite. Myrte wird als Brautkranz und für Anstecksträußchen verwendet. Das Paar erhält viele Geschenke. Damit es die richtigen sind, liegen in Geschäften Hochzeitslisten auf, aus denen die Gratulanten wählen können.

Nach der kirchlichen Trauung laden die frisch Vermählten zur Agape ein, Ehrengäste auch ins Restaurant, wo mit Musikanten für Stimmung gesorgt ist. Bei der Hochzeitstafel wird die Braut von Freunden des Bräutigams "gestohlen" und in ein anderes Lokal gebracht. Er muss sie suchen und durch Bezahlung der Zeche auslösen. Oft spielen Freunde dem jungen Paar Streiche - was bis zur Verwüstung der Wohnung gehen kann. Autos mit dem Schild "Just married" und angehängten scheppernden Dosen sind aus Filmen bekannt. Wenn die Teilnehmer des motorisierten Hochzeitszuges laut hupen, zeigt trotz Hupverbots sogar die Polizei Verständnis. Selbstverständlich wird die Feierlichkeit in Fotos und Filmen festgehalten. Für all das und noch mehr sorgen die Weddingplaner. Eine zertifizierte Agentur wirbt mit dem Slogan: "… und Sie brauchen nur noch 'Ja' zu sagen."

Hochzeitsjubiläen werden seit dem 16. Jh. gefeiert, ausgehend von der "Goldenen Hochzeit" nach 50 Ehejahren. Das Wörterbuch der Deutschen Volkskunde nennt: Kupferne Hochzeit (nach 7 Jahren), Rosenhochzeit (nach 10 Jahren) gläserne Hochzeit (nach 15 Jahren), Porzellanhochzeit (20 Jahre), Silberhochzeit (nach 25 Jahren) Perlenhochzeit (nach 30 Jahren), Rubinhochzeit (nach 40 Jahren), Diamantenhochzeit (nach 60 Jahren), Gnadenhochzeit (nach 70 Jahren) und Kronjuwelenhochzeit (nach 75 Jahren).

Aus Schaufenster Kultur.Region.Niederösterreich, 2019