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Hochzeit#

Hochzeit

Der (angeblich) "schönste Tag im Leben" ist von zahlreichen Bräuchen umgeben. Viele erklären sich aus der rechtlichen Situation, Kirchengeboten, familiären und regionalen Gewohnheiten. Man heiratet standesamtlich, oft auch kirchlich. Vor allem an die Feier der kirchlichen Trauung schließt sich ein Fest an.

In den ersten christlichen Jahrhunderten gaben in Rom zwei Getaufte, die die Ehe eingehen wollten, zuerst ihr Einverständnis, dann folgte der liturgische Vorgang mit Brautmesse und -segen, bei dem der Priester die Braut nach antiker Gewohnheit mit einem Schleier bedeckte. Nach der ersten Jahrtausendwende entwickelte sich der Brauch, dass der Priester vor der Kirchentüre (Brautportal) nach dem Ehewillen fragte, den Ringwechsel vornahm und die Hände des Paares zusammenlegte, worauf der Gottesdienst folgte. 

Im Ritus nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil empfängt der Priester das katholische Brautpaar am Portal und geleitet es in die Kirche zur Messe. Nach der Homilie fragt er nach der Bereitschaft zur christlichen Ehe, Braut und Bräutigam geben einander das Ja-Wort und stecken einander die Eheringe an. Sie reichen sich die Hände, die der Zelebrant mit der Stola umwindet und das Paar feierlich segnet. Danach wird der Gottesdienst fortgesetzt. Bei einer ökumenischen Trauung wirken Priester beider Konfessionen mit.

Das weiße Brautkleid ist eine späte Entwicklung, Bürgerinnen trugen das (schwarze) Sonntagskleid, adelige Damen wertvolle Roben in verschiedenen Farben. Im ausgehenden 17. Jahrhundert wurden bei Hof hellere Farben modern. 1813 brachte das französische "Journal des dames" den ersten Bericht über ein weißes Hochzeitskleid. Nicht zuletzt wurde Kaiserin Elisabeth (1837-1898), die 1854 Kaiser Franz Joseph in weißem Seidenkleid mit Schleppe und langem Spitzenschleier heiratete, zu einem Vorbild der Brautmode. 

Zu den profanen Hochzeitsbräuchen zählen die Begleitung des Paares durch Blumen streuende Kinder und weiß gekleidete "Brautjungfern". Vereinsmitglieder bilden vor der Kirche ein Spalier (z.B. Studenten mit ihren Degen). Die Myrte war in der Antike die Blume der Liebesgöttin Aphrodite. Myrte wird als Brautkranz und für Anstecksträußchen verwendet. Die Braut trägt einen Strauß, den sie nach der Zeremonie den Unverheirateten zuwirft. Wer ihn auffängt, soll als nächste heiraten. Nach der Trauung lädt man zur Agape ein, Ehrengäste auch ins Restaurant. Dort sorgen häufig engagierte Spezialisten für das "Zeremoniell" - wie das Anschneiden der mehrstöckigen Torte durch das Paar -, Musik und Tanz. Bei der Hochzeitstafel wird die Braut von Freunden des Bräutigams "gestohlen" und in ein anderes Restaurant gebracht. Er muss sie suchen und durch Bezahlung der Zeche auslösen. Oft spielen Freunde dem jungen Paar Streiche - was bis zur Verwüstung der Wohnung gehen kann. Als Trend der "Trau dich-Hochzeitsmesse" wurde 2017 "Microwedding" genannt. Gemeint sind Feiern mit weniger Gästen, aber mehr Luxus. Die Kosten wurden mit bis zu 15.000 € angegeben. Anregungen holen sich die Paare auf Internetplattformen (Pinterest), auf Hochzeitsmessen oder bei professionellen Hochzeitsplanern. Mit der "Ehe für alle" werden diese zunehmend von gleichgeschlechtlichen Partnern nachgefragt.

Auch neue Bräuche bürgern sich ein: Die Braut soll etwas Altes, etwas Neues, etwas Geliehenes und etwas Blaues tragen. Altes für den vergangenen Lebensabschnitt, Neues für den beginnenden, Geliehenes für Freundschaft und Blau für die Treue. In Standesämtern finden sich oft Hinweistafeln, dass das Bestreuen des Paares mit Reis - angeblich ein fernöstliches Fruchtbarkeitsritual - verboten ist. Doch schrieb bereits Philipp Hafner (1735-1764), der als Vater des Wiener Volksstücks gilt, über "Hochzeitszucker zum Auswerfen". In Wien war um 1930 das Werfen von "Hochzeitskügerln" aus Zucker über das Brautpaar "hie und da noch üblich". Das Paar erhält viele Geschenke. Damit es die richtigen sind, liegen in Geschäften Hochzeitslisten auf, aus denen man auswählt. Autos mit dem Schild "Just married" und angehängten scheppernden Dosen sind aus Filmen bekannt. Wenn die Teilnehmer des motorisierten Hochzeitszuges laut hupen, zeigt trotz Hupverbots sogar die Wiener Polizei Verständnis. Selbstverständlich wird die Feierlichkeit in Fotos und Videofilmen festgehalten.

Als beliebtester Monat erwies sich österreichweit der Juli, in Wien der August (täglich ca. 30 Hochzeiten). Viele schätzen besondere Daten, wie den 7.7.2017 (Österreich: 1218 Paare, etwa fünfmal so viele wie an anderen Tagen) oder den 18.8.2018. In Wien helfen 50 ausgebildete Hochzeitsplaner bei der Suche nach Location, Fotograf, Catering und dem perfekten Brautkleid. Von den 45.000 Paaren, die 2017 in Österreich die Ehe schlossen, machten drei Prozent von einer solchen Beratung Gebrauch. Die Wirtschaftskammer schätzt die Kosten für eine Hochzeit auf 25.000 bis 30.000 Euro. Zwischen acht und 14 Prozent bekommt der Hochzeitsplaner. Ein zunehmender Trend ist der Wunsch nach Individualisierung, etwa eine Rockabilly- oder Unterwasser-Hochzeit. Wenn sich Ausländer in Wien trauen lassen (2018 waren es 3.500 Paare) laden sie oft hunderte Gäste für mehrere Tage ein. Sie bevorzugen in Wien Palais Schönburg, Schloss Schönbrunn und die Blumengärten Hirschstetten, in Salzburger Schloss Mirabell. Das Budget liegt dann bei 50.000 Euro.

Die Tageszeitung "Kurier" stellte für den 18.8.2018 statistische Zahlen zusammen: 60 % der Paare verloben sich vor der Eheschließung (75 % der 20- bis 39-Jährigen). 5 % schließen einen Ehevertrag. Das mittlere Erstheiratsalter stieg zwischen 1990 und 2017 bei Frauen von 24,3 auf 30,4 Jahre, bei Männern von 26,5 auf 32,7 Jahre. 81 % mögen Hochzeitsbräuche. Zu den beliebtesten zählen das Anschneiden der Torte, Walzer und Brautstraußwerfen. Auch Scheidungsraten wurden in dem Artikel genannt: 1981 waren es 26,5 %, 2007 bereits 49,5 % und jetzt 41 %.

Hochzeitsjubiläen werden seit dem 16. Jh. gefeiert, ausgehend von der "Goldenen Hochzeit" nach 50 Ehejahren. Inzwischen sind eine Reihe anderer dazugekommen: Baumwollene (nach einem Jahr), hölzerne (nach 5 Jahren), zinnerne (nach 6 1/4 Jahren) kupferne (nach 7 Jahren), blecherne (nach 8 Jahren), Rosenhochzeit (nach 10 Jahren), Nickelhochzeit (nach 12 1/2 Jahren), gläserne (nach 15 Jahren), Porzellanhochzeit (20 Jahre), Silberhochzeit (nach 25 Jahren) Perlenhochzeit (nach 30 Jahren), Leinwandhochzeit (nach 35 Jahren), Aluminiumhochzeit (nach 37 1/2 Jahren, )Rubinhochzeit (nach 40 Jahren), Diamantenhochzeit (nach 60 Jahren), eiserne (nach 65 Jahren), steinerne (nach 67 1/2 Jahren), Gnadenhochzeit (nach 70 Jahren), Kronjuwelenhochzeit (nach 75 Jahren).


Quellen:
Susanne Arndt: Hochzeitsfeiern planen und gestalten. Niedernhausen/Ts. 1995. S. 124
Rupert Berger: Pastoralliturgisches Handlexikon. Freiburg/Br. 1999. S. 512 f.
Rudolf Fochler - Anneliese Ratzenböck: Familienbräuche. Linz 1991. S. 101 f.
Susan Lippe: Hochzeitsbräuche. Niederhausen/Ts. 1997
Leopold Schmidt: Wiener Volkskunde. Wien 1935. S. 65
"Kurier" 18.8.2018
Wien August 2018, publizert 8.8.2018]
Hochzeitsplaner, publiziert 27.1.2019

Bild: Warnschilder am Standesamt Wien-Brigittenau, 2008. Foto: Helga Maria Wolf


Siehe auch:
--> Eheschließung

Hochzeit in: Verschwundene BräucheDas Buch der untergegangenen RitualeHelga Maria WolfBrandstätter VerlagWien2015jetzt im Buch blättern