Fest #

Fest

Das seit dem 13. Jahrhundert bezeugte Substantiv (mhd. fest) ist entlehnt aus lat. festum - Festtag, das mit dem lateinischen feriae - Festtage, und dem Adjektiv festus - festlich, feierlich zusammenhängt. "Saure Wochen! Frohe Feste!" Prägnanter könnte kein Werbetexter den Sinn der Bräuche ausdrücken, als Johann Wolfgang Goethe (1749-1832) in seinem "Schatzgräber". Feste akzentuieren den Alltag und den Lebenslauf, sie geben dem Zeitbrei die Würze. Sie sorgen für den Rhythmus, den Menschen brauchen, wie Atmen, Herzschlag, Spannung und Entspannung. Der zielgerichteten Arbeit steht das zweck-lose Fest gegenüber. Das Alltagsleben entfremdet, das Fest macht Arbeitstiere wieder zu Menschen.

Als Gegenwelt zum Alltag erlauben Bräuche gewisse Ausschreitungen. Alkoholkonsum ist bei Festen üblich. Im Kontext des Brauches werden in gewissen Rahmen und zu bestimmten Terminen z.B. Sachbeschädigung und Beleidigungen akzeptiert. Sigmund Freud (1856-1939) schrieb in der Abhandlung "Totem und Tabu": "Ein Fest ist ein gestatteter, vielmehr ein gebotener Exzess, ein feierlicher Durchbruch eines Verbotes. Nicht weil die Menschen infolge irgendeiner Vorschrift froh gestimmt sind, begehen sie Ausschreitungen, sondern der Exzess liegt im Wesen des Festes; die festliche Stimmung wird durch die Freigebung des sonst Verbotenen erzeugt."

Im 2017 erschienenen Sammelband Hybride Events nennt der deutsche Soziologe Winfried Gebhardt einige Charakteristika: "Feste sind ... unverzichtbarer Bestandteil der conditio humana ...Sie sind kein Luxus, ein unnützer Zierrat, wie es noch einige Philosophen der Aufklärung meinten, sondern sie haben für das Leben der Menschen eine unverzichtbare Bedeutung und Funktion. Das Fest hilft den Menschen, ihren Alltag zu bewältigen ... Der Begriff des Festes steht - anders als der Begriff der Feier - schon auf den ersten Blick für ein emotionales, also durch Affekte bestimmtes Geschehen. ... Folgerichtig gehören zum Fest Elemente ... (wie) berauschende Stimulantien, Tanz, Musik, Licht, Masken und mehr. Für den Zeitraum des Festes ist im Allgemeinen die alltägliche Ordnung außer Kraft gesetzt. ... Im Gegensatz zum Fest steht der Begriff der Feier ... für ein weitgehend bewusst gewolltes und reflektiertes, also rationales und damit 'gefühlsfreies' Geschehen."


Quellen:
Duden - Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. Mannheim 2006
Winfried Gebhardt: Vom Verschwinden der festlichen Freiheit. In: Hybride Events. Wiesbaden 2017. S 37-47

Bild: Ein Fest - nicht nur - der Pferde: Georgiritt in Eben bei Altmünster (Oberösterreich). Foto: Alfred Wolf, 2003


Siehe auch:
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