Event #

Wiener Eistraum vor dem Rathaus. Foto: Doris Wolf, 2013

Feste in der Erlebnisgesellschaft, wie Cityfeste werden oft als Events bezeichnet. "Erlebnisorientierung als die unmittelbarste Form der Suche nach Glück kennzeichnet die moderne Art zu leben", schreibt der deutsche Sozialforscher Gerhard Schulze, "das ist im historischen Vergleich etwas Neuartiges". Die Menschen sehen ihr Leben als Erlebnisprojekt an. Sie haben die Wahl und entscheiden sich für die Möglichkeit, die ihnen mehr davon verspricht: Konsumartikel, Essgewohnheiten, Partnerwahl, Beruf, Freizeit, Feste ... Für Erlebnis-Genuss bürgen Event-Agenturen. Sie arbeiten mit Objekten, Kostümen, Musik - mit allem, was ein Ereignis lebendig macht.

  Durch Wiederholung können sich Events zu neuen Bräuchen entwickeln. Professionell inszeniert, wenden sie sich an eine große Zahl von Zuschauern und brauchen zur Werbung und Berichterstattung Massenmedien. "Ein Event ohne Medien gleicht einem Fest ohne Freibier - unmöglich!" Die meisten säßen vor dem Fernseher "und werfen Seitenblicke auf Events, zu denen sie nicht eingeladen waren," meint Christian Zillner, Chefredakteur des "Visa"-Magazins. "Es läuft darauf hinaus, dass, wer Event sagt, heute 'in' ist, wer ein Fest feiert, aber hoffnungslos altvaterisch klingt." 

Das 2017 erschienene Buch "Hybride Events" definiert diese so: "Als inszeniert bezeichnen wir Ereignisse, die stattfinden, weil jemand (ein Individuum, eine Gruppe, eine Organisation) mit Gestaltungsabsichten dafür Sorge trägt, dass sie stattfinden. ... Als Events bezeichnen wir inszenierte Ereignisse, welche den daran Teilnehmenden außergewöhnliche, räumlich und/oder zeitlich verdichtete Erlebnisse (oft unter relativ Gleichgesinnten) versprechen. ... Als eventisiert bezeichnen wir inszenierte Ereignisse, wenn das, worum es dabei 'wesentlich' geht, mit Unterhaltungselementen angereichert ist. .... Als hybrid bezeichnen wir solche Events, die ... aus augenfälligen Kombinationen mindestens zweier Arten von Ereignissen bestehen, die als verschiedenen kulturellen Bereichen zugehörig angesehen werden (z.B. Fest und Feier, Ernst und Spaß, Information und Unterhaltung, Action und Comedy, Wissenschaft und Sport usw.). "


Quellen:
Helga Maria Wolf: Feste in der Erlebnisgesellschaft. In: Feste Feiern. Katalog zur OÖ Landesausstellung, Waldhausen 2002
Gerhard Schulze: Die Erlebnisgesellschaft. Kultursoziologie der Gegenwart. Frankfurt 1992.
"Die Presse" 9. Oktober 2001
Visa-Magazin 6/2000
Weekend-Magazin November 2011
Hybride Events Gregor J. Betz, Ronald Hitzler , Arne Niederbacher, Lisa Schäfer (Hg.)Wiesbaden 2017.

Bild:

Wiener Eistraum auf dem Rathausplatz. Foto: Doris Wolf, 2013