Konzil#

Konzil bezeichnet die Versammlung hoher katholischer Würdenträger zur Beratung und Regelung wichtiger kichlicher Angelegenheiten. Wenn die Repräsentanten der gesamten Kirche zugegen sind, wird die Versammlung ökumenisch genannt. Sie stellt die höchste Hierarchieebene dar. Der Papst führt den Vorsitz, die Beschlüsse des Bischofskollegiums sind nur mit seiner Bestätigung gültig. In den Jahren 325 bis 1965 fanden 21 Ökumenische (allgemeine) Konzilien statt. Partikularkonzilien, an denen nur Bischöfe eines Landes teilnehmen, haben partikulare kirchliche Gesetzgebungsgewalt. Synoden können den Papst beraten, aber nichts entscheiden. 
 

Konzilsbeschlüsse sind von großer Tragweite, nicht nur für die Amtskirche, sondern auch für die populäre Religiosität. Manche Verbote sind gute Quellen für den "Aberglauben". Trotzdem bestanden Vorstellungen oft lange weiter, wie der Glaube an "verworfene Tage" oder Schwendtage. Diese Überlieferung ging auf die Römer zurück, bei denen die Nachtage von Kalenden, Nonen und Iden als Unglückstage (Dies religiosi, dies atri) galten. Das Trullanum, eine im Jahr 691 vom byzantinischen Kaiser Justinian II. einberufene Kirchenversammlung, beschäftigte sich u.a. mit Theater, Tanz, Würfelspiel und Wahrsagerei. 742 tagte das Concilium Germanicum unter Leitung des Bonifatius. Seit damals findet am Gründonnerstag die Chrisammesse statt, in der der Bischof für alle Pfarren seiner Diözese die Heiligen Öle weiht. Dem Klerus wurde damals das Tragen von Waffen und damit die Jagd verboten. 

Die 21 ökumenischen Konzile und ihre wichtigsten Beschlüsse:

325 - 1.Konzil von Nicaea - Gottheit Christi
381 - 1. Konzil von Konstantinopel - Gottheit des hl. Geistes
431 - Konzil von Ephesos - Gottesmutterschaft Mariens
451 - Konzil von Chalcedon - Christus, eine Person in zwei Naturen
553 - 2. Konzil von Konstantinopel - Verhältnis der zwei Naturen in Christus
680-681 - 3. Konzil von Konstantinopel - Christologie
787 - 2. Konzil von Nicaea - Bilderverehrung
869-870 - 4. Konzil von Konstantinopel - Schisma des Photius wird beseitigt
1123 - 1. Laterankonzil - Wormser Konkordat
1139 - 2. Laterankonzil - Schisma
1179 - 3. Laterankonzil - Papstwahl
1215 - 4. Laterankonzil - Glaubensbekenntnis, Transsubstantiationslehre
1245 - 1. Konzil von Lyon - Bann und Absetzung Kaiser Friedrich II.
1274 - 2. Konzil von Lyon - Kreuzzug, Konklave, Griechenunion
1311/1312 - Konzil von Vienne - Reformdekrete, Aufhebung des Templerordens
1414-1418 - Konzil von Konstanz - Beseitigung des Abendländ. Schismas, Verurteilung Johannes Hus
1431-1442 - Konzil von Basel/Ferrara/Florenz - Reformen, Union mit Griechen, Armeniern, Jakobiten
1512-1517 - 5. Laterankonzil - Reformdekrete, gegen Konzil von Pisa (1511/12)
1545-1563 - Konzil von Trient - Reformdekrete, Lehre: Schrift u.Tradition, Erbsünde, Sakramente, Heiligenverehrung
1869/1870 - 1. Vatikanisches Konzil - Dogmenlehre, Primat und Unfehlbarkeit des Papstes
1962-1965 - 2. Vatikanisches Konzil - Konstitutionen über Liturgie, Offenbarung, Ökumene, Priesteramt

Die drei letzten Konzilien waren das Tridentinum (1545-1563), Vaticanum I (1869/70) und Vaticanum II (Zweites Vatikanisches Konzil 1962-1965). Die Reformdekrete des Tridentinischen Konzils beschäftigten sich im konfessionellen Zeitalter u.a. mit den Sakramenten und der Heiligenverehrung. Das Erste Vatikanische Konzil hatte die "Abwehr moderner Irrtümer" und die Dogmenlehre zum Inhalt, es dogmatisierte zugleich den Primat und die Unfehlbarkeit des Papstes. Dies führte zur Abspaltung der Altkatholischen Kirche. Hingegen hatte das Zweite Vatikanum unter Johannes XXIII. (1881-1963) „Aggiornamento“ (Heutigwerden) zum Ziel. Das Konzil für die Weltkirche sollte „Erneuerung“ und „größere Klarheit im Denken“ ermöglichen. In der Folge kam es zu zahlreichen Innovationen, u.a. im Bereich der Liturgie und des Heiligenkalenders.


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 466
Christian Fichtinger: Lexikon Heilige und Päpste. Salzburg 1984. S. 232 f.
Wikipedia: Konzil (Stand 1.8.2008)